Quartier am Freiburger Schlossberg

Eigentümer monieren Wärmepreis und verklagen Siedlungswerk

Sina Gesell

Von Sina Gesell

Mo, 12. September 2016 um 19:26 Uhr

Freiburg

Die Eigentümergemeinschaft des Wohnquartiers am Schlossberg verklagt das Siedlungswerk – wegen zu hoher Badenova-Wärmepreise. Das Energiekonzept des Quartiers wurde als Vorzeigeobjekt beworben.

Nach den Baugruppen in Gutleutmatten wehrt sich nun ein ganzes Wohnquartier gegen die Wärmepreise der Badenova AG. Das Quartier am Schlossberg auf dem ehemaligen Coats-Mez-Firmengelände gilt wegen seines Energiekonzepts mit Wasserkraft und Erdwärme als Vorzeigeobjekt. Nach BZ-Informationen hat die Eigentümergemeinschaft genau deswegen eine Klage beim Landgericht eingereicht.

Während die Betroffenen im Neubaugebiet Gutleutmatten noch über eine Klage nachdenken, ist die Eigentümergemeinschaft im Wohnquartier an der Kartäuserstraße einen Schritt weiter. Die hat nun Klage beim Landgericht gegen den Bauherrn und Projektentwickler, das Siedlungswerk, eingelegt. Dies bestätigt dessen Geschäftsführer Siegfried Apfel auf BZ-Anfrage. Den Eingang der Klage bestätigt auch das Landgericht, gibt aber zum Inhalt keine Auskunft. Ebenso wenig wollen sich Eigentümer und Siedlungswerk äußern, beide Parteien verweisen auf das laufende Verfahren. "Das ist ein vielschichtiges Thema", so Apfel.

Acht Häuser mit 103 Wohnungen

Nach BZ-Informationen hängt die Klage mit dem Energiekonzept zusammen. Das Bauprojekt, das unter dem Titel "Freiburg Leben" vermarktet wird, ist vor etwa vier Jahren fertiggestellt worden. Das Siedlungswerk, das zu 75 Prozent dem Bistum Rottenburg-Stuttgart und zu 25 Prozent der Landesbank Baden-Württemberg gehört, hat auf dem Gelände unterhalb des Schlossbergs acht Häuser mit 103 Wohnungen errichtet. Auch das Kinder- und Familienzentrum St. Augustinus ist auf dem Areal ansässig, daneben gibt es ein Praxis- und Bürogebäude, und die Bezirksgeschäftsstelle des Siedlungswerks hat dort ihren Sitz. Vor allem wegen des Energiekonzepts aus Wasserkraft und Erdwärme wurde das Quartier als innovativ gepriesen, Oberbürgermeister Dieter Salomon nannte es ein "ökologisch nachhaltiges Vorzeigeobjekt".

Kern des Nahwärmekonzepts ist eine Heizzentrale, die verschiedene Energiequellen verbindet: Eine Wasserschnecke treibt Pumpen im Gewerbekanal an, der entlang des Grundstücks verläuft. Energie wird aus dem Kanal und einem Grundwasserbrunnen gewonnen. In winterlichen Spitzenzeiten springt eine Holzpelletheizung ein. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Wärmeversorgung wird der CO2-Ausstoß laut Siedlungswerk um bis zu 95 Prozent reduziert. Das System arbeite "ausgesprochen kostengünstig".

Eine Anfrage der BZ, ob die Werte eingehalten werden, lässt Badenova weitgehend unbeantwortet, nur so viel: Das Energiekonzept sei hin und wieder Anlass für Fachvorträge gewesen. Von einer Klage hat Badenova nach eigenen Angaben keine Kenntnis. BZ-Informationen zufolge hat das Siedlungswerk bis zum 30. September Zeit zu reagieren.

Wärme aus Gewerbekanal und Grundwasserbrunnen

Die Eigentümergemeinschaft hat das Konzept offenbar mit dem in Gutleutmatten verglichen. "Alles in allem weist das Gutleutmatten-Geschäftsmodell dieselben Grundmuster auf, die auch in der Kartäuserstraße zur Anwendung kamen", heißt es in einem Schreiben des Verwaltungsbeiratsvorsitzenden, das der BZ vorliegt. Badenova vermeide eigene Investitionen, erhebe jedoch Preise, als habe es die Anlage auf eigene Kosten errichtet. Kritisiert werden zudem – wie in Gutleutmatten – der Anschlusszwang sowie die Wärmepreise: Die führten dazu, dass das Projekt Jahr für Jahr tiefer in die roten Zahlen gerate. Zur Höhe des Wärmepreises äußert sich weder die Eigentümergemeinschaft noch Badenova.

In Gutleutmatten, wo Solarthermie mit Fernwärme kombiniert wird, liegt der Wärmepreis bei 21,1 Cent pro Kilowattstunde. Bereits zwei Gutachter schätzten ihn als überteuert ein (die BZ berichtete). Zum Vergleich: In Rieselfeld zahlen die Bewohner 12,7 Cent, in Vauban 14,2 Cent. Auch die Baugruppen in Gutleutmatten denken über den Klageweg nach, wie Herbert Lenk vom Arbeitskreis Energie bestätigt: "Wir prüfen noch." Auch mit Blick auf das Quartier am Schlossberg sagt Lenk: "Da steckt System dahinter. Je weniger Energie verbraucht wird, desto teurer wird’s." Die Stadtverwaltung und Badenova sehen für weitere Gespräche mit den Gutleutmatten-Baugruppen keine Veranlassung, wie sie mehrfach betonten. "Ohne Klage lässt sich das wahrscheinlich nicht mehr lösen", so Lenk.

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