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15. Oktober 2010 11:13 Uhr

Klima

Stadt und Uni-Klinik streiten sich in Sachen Heizkraftwerk

Der seit Jahren schwelende Streit um das Heizkraftwerk der Uni-Klinik wird schärfer. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gab Oberbürgermeister Dieter Salomon der Anlage eine Mitschuld, dass die Stadt ihr Ziel verfehlt hat, den Anteil von Ökostrom auf zehn Prozent zu steigern.

  1. Umstritten: Das Heizkraftwerk am Universitätsklinikum Foto: Ingo Schneider

Und er sprach von "Rosstäuscherei". Zu diesem Vorwurf will die Uni-Klinik keine Stellung beziehen. Das entspreche nicht dem Diskussionsniveau eines Universitätsklinikums.

Das Heizkraftwerk wird zu 80 Prozent mit Gas, aber zu 20 Prozent noch mit Kohle betrieben und schaffe die Umstellung auf Holzpellets nicht. Es sei eine "Dreckschleuder" sagte Salomon in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Die Verantwortlichen des Uni-Kraftwerks wollten ihm weismachen, dass der Teil der Energie, den sie als Fernwärme für Neubaugebiete im Westen der Stadt anbiete, "sauber" sei, den "dreckigen" Rest verwende sie selber. Das sei "Rosstäuscherei".

Nur ein Ablenkungsmanöver der Stadt?

Harte Vorwürfe, die CDU-Stadtrat Daniel Sander jedoch als Ablenkungsmanöver einstufte. Salomon suche nach Begründungen, warum die Stadt ihr Stromziel nicht erreicht habe. Eine Umstellung der Uni-Anlage von Kohle auf Biomasse würde laut Öko-Institut den Anteil an regenerativen Energien in Freiburg um nur 0,37 Prozentpunkte erhöhen.

Von "Rosstäuscherei" könne nicht die Rede sein, kontert die Uniklinik, denn die zu liefernde Fernwärme könne das Heizkraftwerk tatsächlich ohne zusätzlichen Primärenergieeinsatz und damit emissionsneutral über eine technisch getrennte Erzeugung von Warmwasser für Fernwärmeheizung abgeben. Das habe ein unabhängiges Gutachten des TÜV bestätigt.

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Der Streit zwischen Uniklinik und Oberbürgermeister ist ein Dauerbrenner. "Die Kohle muss weg", forderte Dieter Salomon im OB-Wahlkampf im Frühjahr. Die Belieferung der nahe liegenden Neubauprojekte entlang der Berliner Allee mit Fernwärme aus der Uniklinik sei sonst nicht möglich. Die Stadtbau als Projektplaner benötigt jedenfalls bald eine Entscheidung.

Tatsächlich testeten die für das Heizwerk verantwortlichen Fachleute im Mai zwei Tage lang den Betrieb eines Kessels mit Holzpellets. "Die Tests waren positiv", bestätigt Otto Schwarzmann, Geschäftsführer der beauftragten EC Bioenergie GmbH in Heidelberg. Sie hätten gezeigt, dass es nicht nur grundsätzlich geht, sondern auch schon annähernd die geforderte Leistung erzeugt werden konnte. "Der Bedarf kann gedeckt werden, die Versorgungssicherheit wird gewährleistet", sagt Schwarzmann.

Davon scheint die Stadtverwaltung nichts zu wissen. In ihrer Vorlage für den Gemeinderat heißt es, im Kraftwerk rechne man "kaum noch mit dem erhofften Erfolg für das in 2005 angedachte Stromerzeugungspotenzial aus Industrie-Holz-Pellets." Otto Schwarzmann hat in einer Mail ans städtischen Umweltdezernat seine Verwunderung zum Ausdruck gebracht.

Darüber hinaus verweist die Klinik auf ihr freiwilliges Umweltschutzprogramm, das die CO2 Emissionen bereits halbiert habe. Daran werde man weiter arbeiten. Im nächsten Frühjahr ist ein Großversuch von 50 Tagen geplant, um nachzuweisen, dass die Umstellung von Kohle auf Pellets auch dauerhaft möglich ist.

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Autor: Heinz Siebold