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29. August 2009
Ein Haus der Kirche – aber wo?
Die einen Evangelischen liebäugeln mit der Kaiser-Joseph-Straße 269, die anderen halten an der Lutherkirche fest / Von Gerhard M. Kirk und Michael Bamberger (Fotos)
Eigentlich war ja für ein Haus der Evangelischen Kirche das Gemeindezentrum der Christuskirche an der Maienstraße vorgesehen. So hatte es die Stadtsynode im Frühjahr 2008 beschlossen – ein halbes Jahr später aber wieder verworfen, als sich herausgestellt hatte, dass die nötige Sanierung statt der veranschlagten 1,8 mindestens 3,4 Millionen Euro kosten würde. Also Suche nach einem anderen Gebäude, in dem die übergemeindlichen Einrichtungen unterkommen sollen: Dekanat, Schuldekanat, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Evangelische Erwachsenenbildung, Evangelische Jugendarbeit, Kirchenverwaltungsamt, Medienstelle. "Eine solche zentrale Verortung", erklärt Dekan Markus Engelhardt, "soll auch identitätsstiftend wirken."Und in der Kaiser-Joseph-Straße 269, "da könnte ganz schön was entstehen", meint Reinhard Schelkes vom Bau- und Planungsausschuss des evangelischen Kirchenbezirks Freiburg. "Hier in der Innenstadt den zentralen Anlaufpunkt zu haben, hat eine hohe Qualität." Freilich müsse die aus einem Vorder- und Rückgebäude bestehende Immobilie zuerst aufwändig "ertüchtigt" werden, ehe sie als barrierefreies Haus der Kirche zu nutzen ist: mit einem Zugangsraum, mit einem Raum der Stille und einem Versammlungsraum im vorderen, mit Büros im hinteren Teil, mit einer lichten Verbindung dazwischen und mit neuen Aufzügen. Um wie viel Geld es dabei geht, können die Verantwortlichen nicht sagen. Doch das ist auch nicht ihre Sache.
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Der Plan ist nämlich folgender: Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau kauft das Gebäude, lässt es umbauen und vermietet es dann an die Evangelische Kirche Freiburg. Die lebt mit genau dieser Konstruktion schon seit langem. Denn auch das Haus Goethestraße 2, wo etliche evangelische Einrichtungen untergebracht sind, gehört dieser Stiftung – die das Mietverhältnis jedoch auf den 31. Dezember 2009 gekündigt hat. Wie das Ganze dennoch aufgehen könnte, rechnet Reinhard Schelkes vor: Bis das Haus Goethestraße 2 vielleicht abgerissen werden wird, vergehen mindestens zwei Jahre, und zweieinhalb Jahre ungefähr wird es dauern, bis die Kaiser-Joseph-Straße 269 rundum erneuert sein wird.
Diese Rechnung geht jedoch nur auf, wenn die Pflege Schönau mitspielt. "Ja, wir wollen das machen", sagt Ingo Strugalla, der Vorsitzende der Stiftung auf Anfrage der BZ. "Wir wollen die Kirchengemeinde unterstützen, in dieser Lage ist das Haus der Kirche eine Superlocation und könnte der evangelischen Kirche in Freiburg einen Aufschwung bringen." Einige Details müssten noch geklärt werden. Deshalb könne er auch noch nichts über die Kosten des gesamten Projekts (Kauf und Umbau) sagen. "Ich bin aber guter Dinge, dass es funktioniert", ist der Vorsitzende der Stiftung Pflege Schönau zuversichtlich.
Während dies also so weit geklärt scheint, ist der Widerstand innerhalb der Freiburger Stadtsynode gegen den ausgeguckten Standort an der Kaiser-Joseph-Straße unübersehbar. Für dieses Vorhaben gab es bei der jüngsten Versammlung im Juli lediglich 27 Ja-Stimmen bei drei Nein und 16 Enthaltungen (die nach der Ordnung der Badischen Landeskirche wie Nein gewertet werden). Das sei kein Votum gegen eine wahrnehmbarere Präsenz der evangelischen Kirche in der Innenstadt gewesen oder gegen eine Unterbringung der evangelischen Einrichtungen unter einem Dach, erklärt ein Mitglied der Synode. Beides habe eine breite Zustimmung bekommen.
Doch: "Es gibt grundsätzliche Bedenken gegen die Eignung dieses Gebäudes mit seiner Hinterhof-Lage." Bedenken hat auch Knuth Stemmer, Vorsitzender des Ältestenkreises in der Pfarrgemeinde West. "Diese versteckte und wenig prominente Adresse in einer Häuserzeile ist keine Adresse für ein evangelisches Haus der Kirche und hat keine Leuchtturmfunktion." Der Synodale kritisiert, dass nicht gleichberechtigt andere Möglichkeiten für ein Haus der Kirche erwogen werden. Vor allem auf dem Gelände der Lutherkirche.
Denn dafür spricht nicht nur nach Überzeugung Knuth Stemmers einiges: "Sie steht an einem evangelisch geprägten Platz im belebten Stadtteil Stühlinger, ist gut mit der Straßenbahn zu erreichen und gut geeignet für eine Leuchtturmfunktion eines solchen Hauses der Kirche." Die Alternative Lutherkirche sei viel zu schnell in der Versenkung verschwunden, obwohl dieses Grundstück jahrelang als Standort für ein Haus der Kirche im Gespräch war. "Während der jüngsten Synode wollten wir deshalb, dass das noch mal geprüft wird und der Herbstsynode Zahlen vorgelegt werden, ob dieses kirchliche Zentrum von den Kosten her nicht auch auf dem Luther-Areal möglich ist." Dies umso mehr, als ohnehin in absehbarer Zeit entschieden werden müsse, was daraus werden, ob hier investiert oder ob es vermarktet werden soll. Jedenfalls müsse eine Lösung gefunden werden, die alle Seiten zufrieden stelle. Knuth Stemmer: "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Luther als richtige Chance erkannt wird."
Das kommt für Friedhelm Roth als Leiter des Freiburger Kirchenverwaltungsamtes freilich nur in Betracht, falls es mit dem Gebäudekomplex an der Kaiser-Joseph-Straße nicht klappt – angesichts der Schulden der Freiburger Kirchengemeinde in Höhe von etwa drei Millionen Euro (bei einem Jahresetat von 6,5 Millionen Euro). "Wir sind derzeit nicht in der Lage, ein eigenes Haus der Kirche zu finanzieren", macht Reinhard Schelkes klar. Deshalb hat für ihn die Zusammenarbeit mit der Stiftung Pflege Schönau einen so großen Charme: Sie würde das Anwesen Kaiser-Joseph-Straße 269 in direkter Nachbarschaft zur alten Paulus-Pfarrei kaufen, den Umbau bezahlen – und die Evangelische Kirche Freiburg bräuchte nur noch die (im Vergleich zu heute indes vermutlich höhere) Miete zu zahlen.
Autor: Gerhard M. Kirk und Michael Bamberger (Fotos)


