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29. Januar 2010
Ein Jahr lang mit Meister Eckhart unterwegs
Zu seinem 750. Geburtstag wollen die Dominikaner von St. Martin eine Annäherung an den christlichen Mystiker ermöglichen
INNENSTADT. Seit einem Jahr sind die Dominikaner als Seelsorger in der Pfarrei St. Martin. Und setzen hier nun einen ersten großen Akzent mit dem Meister-Eckhart-Jahr, mit dem sie zum 750. Geburtstag des großen christlichen Mystikers eine Begegnung mit ihm ermöglichen wollen – "für die Menschen von heute", sagt Pater Thomas Brogl. Ob der 1260 geborene Eckhart von Hochheim bei seinen vielen Reisen und seinen Aufenthalten in Straßburg auch mal seine dominikanischen Ordensbrüder in Freiburg besuchte, hält der Kooperator (Vertreter des Pfarrers) von St. Martin für möglich. "Aber es gibt keinen Beleg dafür." Was Pater Thomas Brogl dagegen als belegt ansieht, ist die Bedeutung von Meister Eckharts spannender Persönlichkeit und Spiritualität für die Gegenwart. "Er schafft es, uns auf das Wesentliche zurückzuführen: Der Mensch soll nicht so viel darüber nachdenken, was er tun soll, sondern darauf achten, wer er ist."
Dabei geht es für den 1328 gestorbenen Dominikaner an erster Stelle um "Gelassenheit" – loszulassen, sich nicht mit dem Haben zu identifizieren, selbst den ohnehin nicht greifbaren Gott "um Gottes willen" sein zu lassen. Kein Wunder, dass sich die Kirche zu Lebzeiten Eckarts schwer mit ihm tat und ihn als Ketzer abstempelte. Papst Johannes XXII. verurteilte sogar 26 Sätze aus dem Werk des angesehenen Theologen und Ordensmannes, was sich freilich überhaupt nicht auf die Verbreitung von dessen Gedanken auswirkte. Was Pater Thomas Brogl nicht zuletzt auf die Macht des Wortes zurückführt: "Seine gewaltige Sprache, die mitreißt, ist faszinierend."
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Wie sich das anhört, sollen während dieses Jahres monatliche Rezitationen aus Predigten des Meisters (Titel: "Das dunkle Licht der Gottheit") ebenso zeigen wie Lesungen im Künstleratelier Harald Herrmann und ein Lesekreis. Eine andere Art der Annäherung an den Mystiker sollen spirituelle Übungen ermöglichen, eine einführende "Kleine mystische Lebenslehre" und einige Vorträge (unter anderem von Professor Dietmar Mieth). Den Anfang macht am heutigen Freitag beim Thomasfest, das die Dominikaner mit einem Festgottesdienst (mitgestaltet von der Heinrich-Schütz-Kantorei) um 18 Uhr in St. Martin am Rathausplatz feiern, ebendort um 19 Uhr Professor Walter Senner aus Rom mit dem Thema "Sein oder Erkennen – das ist hier die Frage: Thomas von Aquin und Meister Eckhart zum Gottes- und Seinsverständnis".
Als weiteren Akzent des neuen Jahres wird die Pfarrei St. Martin in der zweiten Jahreshälfte ihren 225. Geburtstag feiern. Bis dann, hofft Pater Thomas Brogl, wird vielleicht auch der Ausbau des ehemaligen Franziskanerklosters am Rathausplatz beendet sein. Nach diesem Umbau sollen hier elf Dominikaner leben. "Darauf freue ich mich schon – dass wir hier dann einen Ort anbieten können, an dem Menschen alles fragen und in Frage stellen dürfen." Ganz in der Tradition des Dominikaners Meister Eckhart, "der immer wieder in guter Weise den Blick öffnet und bis heute in der Kirche auch mal etwas verändert".
Autor: Gerhard M. Kirk
