Ein Markenzeichen der Fasnet

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mo, 29. Januar 2018

Freiburg

Die Kappensitzung im Ballhaus bietet wieder Bütt, Ballett und andere bewährte Bestandteile guter närrischer Unterhaltung.

FREIBURG-OBERAU. Bei einer etablierten Marke weiß der Kunde, was er bekommt. Die Kappensitzung der Breisgauer Narrenzunft ist so eine Marke in der Freiburger Fasnet. Die Akteure auf der Bühne sind weitgehend bekannt. Das ist einerseits die Garantie für gute Unterhaltung. Andererseits sorgte ausgerechnet eine Ersatznummer für die größte Begeisterung am Samstagabend im ausverkauften Ballhaus.

Nach der Premiere im Vorjahr hatte die Breisgauer Narrenzunft zum zweiten Mal ins Ballhaus auf dem Gelände der Ganter-Brauerei geladen, das 450 Gästen Platz bietet, darunter waren die Bürgermeister Otto Neideck und Ulrich von Kirchbach sowie Oberbürgermeister Dieter Salomon, den die Narren in der Bütt trotz OB-Wahl in drei Monaten erstaunlich wenig thematisierten.

Wegen Platzmangels spielte die Ranzengarde Concordia vor der Bar zum traditionellen Einmarsch aller Freiburger Zünfte auf die Bühne. An deren hinteren Ende saß der Elferrat unter dem großen Plakat mit dem neuen Slogan "Wir leben Fasnet" – ein Appell gegen die Verballermannisierung der fünften Jahreszeit.

Die Kappensitzung gilt als "Best of" verschiedener Zunftabende. Wer beispielsweise zwei Wochen zuvor bei den Fasnetrufern war oder am Vorabend in einer der Kneipen das traditionelle "Schnurren" miterlebte, kennt weite Teile des Programms. Fixpunkte sind seit jeher die Schnitzelbank von Rolf Berenz, die mit Riesencartoons auf Leinwand die große Politik in Szene setzt, die 40 Jahre alte A-cappella-Gruppe "Clownerie", in der Kurt Gutmann sein Debüt gab, sowie Rainer Frauenhoffer als St. Georgener Weinkönigin.

Als "Platteputzer" der Abfallwirtschaft befasst sich Markus Weber vor allem mit dem Platz der Alten Synagoge – erstaunlich, wie viele Wörter sich auf "Schlieren" reimen. Und Magister Berthold Schwarz alias Stadthistoriker Peter Kalchthaler spießt punktgenau die Kommunalpolitik auf – fast als Einziger.

Gleich drei Duos widmen ihre Wortgefechte vorrangig zwischenmenschlichen Dramen. Bernhard Boll und Arndt Schuster von den Herdermer Lalli fürchten als "Ratz und Fatz" die ärztliche Diagnose BSI – Bier-Schnaps-Intoleranz. Der eine hat sein Studium abgebrochen, "heute sagt man Bachelor dazu". Nonsens der gehobenen Art steuern Andreas Lerner und Gerhard Albrecht von der Zunft der Fuhrleute an: Als "Kappo und Tschabbo" sinnieren sie über "Liebe und andere Beziehungen". Wenn eine Ehe in die Brüche gehe, seien immer beide schuld, nämlich die Frau und die Schwiegermutter. Eine sichere Bank sind Jürgen Albrecht und Rolf Sailer, die großartig frisiert als "Tratschtanten" an der Haltestelle warten. "Wollte dein Mann nicht mit dem Trinken aufhören?" – "Er schwankt noch."

Männerballett birgt die Gefahr, in die Peinlichkeit abzurutschen. Aber nicht, wenn Melanie Fliegauf oder Carina Nievergelt-Schmidt choreographieren. Die eine schickt das Herdermer Trampelballett als ältere Herren auf die Bühne, die sich zunächst altersgemäß zum Schneewalzer bewegen und dann zu Techno abgehen. Die andere steckt ihre männlichen Ballerinas in figurbetonte Kleidchen, wobei trotz aller Selbstironie der Anspruch an eine anspruchsvolle Darbietung zu erkennen ist – auch wenn der Unterschied zum kurz zuvor auftretenden Ballett der Westhansele so groß ist wie zwischen der Damenmannschaft der SG Unzhurst und Streichs SC Freiburg.

Ausgerechnet die einzigen Frauen in der Bütt mussten krankheitsbedingt absagen – das Schachtelballett springt ein und erobert die Narrenherzen im Sturm. Die neun Seniorinnen sind im Durchschnitt 67 Jahre alt und suchen singend Männer und mithin den richtigen Ton. Eine muss abbrechen, weil sie die falsche Brille aufhat – das Publikum ist hingerissen.

Durchs Programm führt Elferpräsident Achim Wiehle gewohnt souverän. Als er den obligatorischen Humoristenorden, den jeder Akteur erhält, beinahe als Hämorrhoidenorden bezeichnet, macht er daraus einen Running Gag. Gut vier Stunden dauert das Programm. Und es hält, was die Marke verspricht.