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26. Februar 2011

"Ein Scheitern wäre eine Affenschande"

Landesregierung soll Konflikt um Uni-Heizkraftwerk lösen.

Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen Uniklinik und Badenova verlangen Kommunalpolitiker ein Machtwort der Landesregierung. Sie soll auf die Verantwortlichen des Uni-Heizkraftwerks einwirken, gemeinsam mit dem Energieversorger Badenova den Freiburger Westen umweltfreundlich mit Wärme zu versorgen. "Sie muss dem technischen Leiter die rote Karte zeigen", sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon, den er für den Schuldigen hält. "Die Landesregierung hätte sich längst konstruktiv in die Verhandlungen einmischen müssen", teilte die grüne Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann mit. Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Schätzle meldet, dass Finanzstaatssekretär Stefan Scheffold und sein Ministerialdirigent Thomas Knödler gestern zugesagt hätten, "auf eine für alle Seiten befriedigende Lösung hinzuarbeiten." Er und sein Stadtratskollege Daniel Sander appellieren "an die Leitung des Heizkraftwerks, kooperativ zu sein." Mit Unverständnis reagierte am Freitag auch der Rektor der Universität. Hans-Jochen Schiewer erwartet, dass mit gutem Willen ein tragbares Ergebnis erzielt werden könne. "Das gute Verhältnis von Universität und Stadt darf keinen Schaden nehmen", heißt es in seiner Mitteilung.

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Es kristallisiert sich heraus, dass die Uni-Klinik die Gespräche platzen ließ

Nach jahrelanger Blockade hatten sich Uni-Klinik und Badenova auf die Gespräche eingelassen. Das Ziel: Die Wärme der riesigen Anlage der Uni-Klinik, die bislang ungenutzt verpufft, soll künftig genutzt werden. Der Energieversorger Badenova kauft sie ab und beliefert damit den Westen Freiburgs. Weitere Vorteile: eine einzige Fernwärmeversorgung und 10 000 Tonnen Kohlendioxid weniger pro Jahr – vorausgesetzt, die Uni-Heizer verzichten künftig auf Kohle, die derzeit 20 Prozent des Brennstoffs ausmacht.

Nun kristallisiert sich heraus, dass die Klinikvertreter die Verhandlungen haben platzen lassen. Anstatt sich wie versprochen auf einen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Kohle zu verpflichten, wollte die technische Leitung die Möglichkeit behalten, den Einsatz zum Beispiel aus wirtschaftlichen Gründen sogar noch auszubauen. "Damit ging das Klinikum noch hinter die bereits verhandelte Position zurück", ärgert sich Badenova-Chef Thorsten Radensleben. Als "Affront" habe er die Preisverhandlungen empfunden: Die Klinik verlangte für ihre Wärme viel mehr als von einem anderen Kunden. Das Preisangebot von Badenova, versichert Radensleben, sei "wirtschaftlich attraktiv". Würde die Kooperation scheitern, sei das eine "Affenschande", sagt Salomon, der auch Aufsichtsratsvorsitzender von Badenova ist. Dass die Uni-Klinik seit einem Jahr führungslos ist, sei der Grund, warum die technische Leitung die Gespräche habe torpedieren können.

Die kommissarische kaufmännische Direktorin Anja Simon weist die Kritik zurück. Sie hält am Kohleausstieg innerhalb von fünf Jahren fest. "Da muss wohl etwas nicht richtig angekommen sein", sagte sie gestern gegenüber der BZ. Dass die Uni-Klinik einen "marktüblichen Wärmepreis" verlange, sei nötig, um die Investitionen und die höheren Kosten für den umweltfreundlichen Brennstoff zu refinanzieren. siehe "Münstereck"

Autor: mac