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22. Juli 2010

Ein spätmittelalterliches Einzelstück für heute

Zwei Jahre dauerte die umfangreiche Sanierung – jetzt präsentiert sich die Alte Münsterbauhütte mit c-punkt und Münsterladen in leuchtendem Taubenblau neu.

  1. Das einzige Sichtfachwerkhaus Freiburgs aus dem Spätmittelalter: die alte Münsterbauhütte Foto: ingo schneider

Sie gilt als das einzige in Freiburg erhaltene Sichtfachwerkhaus aus dem späten Mittelalter: die Alte Münsterbauhütte. 1565 erstmals als "Steinhütte" erwähnt, war sie nach Vollendung des Münsters die Werkstatt der Steinmetze und wurde von ihnen noch bis 1956 genutzt. Während der vergangenen beiden Jahre wurde sie aufwändig saniert (veranschlagte Kosten: eine Million Euro). An diesem Samstag nun wird die Alte Münsterbauhütte mit dem c-punkt und dem Münsterladen wieder eröffnet – neu erstrahlend in Taubenblau.

Ihre heute noch erkennbare ursprüngliche Gestalt von 1609 verdankt die Alte Münsterbauhütte den Münsterturmwächtern, die den Stadtrat baten, ihnen zum Wohnen "bei dem münster ein hüttchen bauen zu lassen". So entstanden der steinerne Unterbau mit einem Boden aus Wackenpflaster für die Werkstatt der Steinmetze (weil es auch damals schon das eine oder andere auszubessern gab), das Fachwerkobergeschoss mit zwei Wohnungen für die Türmer (mit Stube, Küche und Schlafkammer), eine Außen- und eine Innentreppe. Später wurde das Erdgeschoss durch Fachwerk-Wände geteilt, was neben der eigentlichen Werkstatt Platz schuf für eine "Kalkhütte", wo Mörtel hergestellt wurde, und eine beheizbare Stube des Werkmeisters.

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Auch nachdem vor genau hundert Jahren an der Schoferstraße die Neue Münsterbauhütte entstanden war, wurde in der "Alten Bauhütte" an der Herrenstraße weiter gehämmert und gemeißelt. Und bis in die 1970er Jahre war hier noch ein provisorisches Lager. Bevor dann 1978 ein kleiner Laden eingerichtet wurde, in dem Münstersteine und Gipsabgüsse verkauft wurden. Später stellte die Geschäftsinhaberin Doris Betz ihr Angebot auf Damenmode und Kinderkleidung um, ihr Sohn Claus Betz richtete 1993 zusätzlich eine Goldschmiede-Werkstatt ein. Nach einer Idee des damaligen Münsterbaumeisters Manfred Saß eröffnete der Münsterbauverein im Juni 2000 einen Münsterladen. In diesem "Schaufenster" gab (und gibt) es hochwertige Artikel rund ums Münster zu kaufen, einige davon exklusiv nur hier wie die eigens für den Laden geschaffene Kunstkarten-Edition "Freiburger Münster".

Ein Jahr später zog der c-punkt in die Alte Münsterbauhütte ein. Dieses Informations- und Gesprächsangebot, das seit neuestem ökumenisch ist, versucht, Kirche in der Stadt neu erreichbar und erfahrbar zu machen. Der c-punkt spricht vor allem Menschen an, die von der Kirche auf traditionelle Weise nicht mehr angesprochen werden und will mit ihnen über Gott und die Welt und das Leben ins Gespräch kommen. Im Zusammenhang mit dieser City-Pastoral entstand auch das "Münsterforum", das Münsterführungen, kirchenpädagogische Münster-Erkundungen für Kinder und geistlich-musikalische Veranstaltungen anbietet.

Als klar war, dass die Alte Münsterbauhütte umfassend saniert werden musste, zogen Münsterladen und c-punkt 2008 in die Kooperatur, das Gemeindehaus der Dompfarrei, um. Beide kehren nun am Samstag wieder in ihr altes Zuhause zurück, wo sie (besonders im ersten Obergeschoss) mehr Platz als zuvor haben und dank einer Rampe auch für Menschen im Rollstuhl zugänglich sind. Darüber hinaus verbindet jetzt ein kleiner Weg unter dem Laubengang des Innenhofs die Alte Münsterbauhütte mit der Kooperatur. Besonders sticht an der neuen Alten Bauhütte das leuchtende Blau der Fassade ins Auge. Diese Farbe wurde gewählt, sagt Eberhard Wittekind vom Erzbischöflichen Bauamt, "um dem städtebaulich wichtigen Eckgebäude zwischen dem Chor des Münsters und der übrigen Bebauung der Herrenstraße ein stärkeres Gewicht zu geben".

OFFENE TÜR

Zur Wiedereröffnung der Alten Münsterbauhütte an der Ecke Herrenstraße/Münsterplatz nach zweijährigen Sanierungsarbeiten gibt es hier und in der Neuen Bauhütte an der Schoferstraße am Samstag, 24. Juli, von 10 bis 18 Uhr einen Tag der offenen Tür mit Besuch des Museums, Einblicken in die Werkstatt, Filmvorführungen, Informationen zum c-punkt und zum Münsterladen sowie einem Kinderprogramm (Goldwäsche, Steine klopfen und bemalen, Münsterführungen). Für musikalische Unterhaltung sorgen die Stühlinger Brass Band und Betty Petterson mit ihrer Harfe.  

Autor: gmk

Autor: Gerhard M. Kirk