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26. August 2009

Ein Türöffner für Elektromobilität

Fraunhofer-Institut klopft Badenova-Fuhrpark auf Elektrotauglichkeit ab / Ökologischer und ökonomischer Forschungsansatz

  1. Günther Ebert vom ISE und Mathias Nikolay von Badenova lassen sich von Mitsubishi-Pressechef Helmut Bauer (von links) in die Geheimnisse des Elektroautos i-Miev einweihen. Das Auto fährt mit einer Ladung rund 140 Kilometer weit. Foto: Fotos: Frank Thomas Uhrig

  2. Noch ist das Lenkrad auf der falschen Seite, aber bis zur deutschen Markteinführung des Mitsubishi-Elektroautos sollte das gerichtet sein. In Japan wird das Auto für rund 20000 Euro (stark subverntioniert) bereits verkauft. Foto: Frank Thomas Uhrig

Grundsätzlich fährt ein elektrisch angetriebenes Auto wesentlich effizienter als eines mit Verbrennungsmotor. Rund 45 Prozent der Energie, die ein Elektromobil an Bord hat, werden in Vortrieb umgesetzt, bei den besten Dieseln liegt der Wert bei rund 15 Prozent. Diese Erkenntnis ist alles andere als neu, um 1900 fuhren 38 Prozent der Automobile mit Elektromotoren, knapp hinter dem Marktführer Dampfantrieb (40 Prozent) und deutlich vor dem unzuverlässigen Benzinmotor. Dennoch hat dieser sich durchgesetzt, während die Entwicklung der E-Mobile stagnierte.

Der Freiburger Energieversorger Badenova und das ebenfalls hier ansässige Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wollen nun einen deutlichen Impuls zur Wiederaufnahme der Elektromobilität geben. Gemeinsam gehen sie das Projekt "Effiziente Mobilität" an, das die nächste Tür zur klimaschonenden individuellen Mobilität öffnen soll.

Der entscheidende Hemmschuh des elektrischen Antriebs war über Jahrzehnte hinweg die Speicherung der Energie. Blei-Säure-Akkumulatoren wie sie als Starterbatterien eingesetzt werden, sind sehr schwer, bei den ersten neuzeitlichen Elektrofahrzeugen, die nach dem ersten Ölpreisschock der 1970er Jahre entwickelt wurden, machten sie mehr als 60 Prozent des Fahrzeuggewichts aus. Diese erste Tür wurde vor etwa fünf Jahren geöffnet, als die ersten Lithium-Ionen Batterien für Fahrzeuge gebaut wurden. Sie drücken in modernen Elektrofahrzeugen den Anteil am Fahrzeuggewicht auf etwa 15 Prozent – soviel wie ein Verbrennungsmotor. Mitsubishi will als erster Autohersteller der Welt ein Elektroauto mit Lithium-Ionen-Batterie in Großserie bauen und war gestern mit "i-Miev" Vorserienautos Gast beim ISE, wo das das Projekt "Effiziente Mobilität" vorgestellt wurde. "Rund 20 Prozent der Treibhausgase werden weltweit vom Verkehrssektor erzeugt", machte Günther Ebert, Leiter der Abteilung Elektrische Energiesysteme beim ISE den ökologisch notwendigen Ansatz seines Instituts noch einmal deutlich. "Wir müssen von den fossilen Energieträgern im Verkehr wegkommen."

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Elektroautos fahren, so Ebert weiter, nicht nur billiger, sondern vor allem auch sauberer. Dies gelte selbst dann, wenn der heutige Kraftwerks-Mix zugrunde gelegt wird. Allerdings belaufen sich so die CO-Emissionen immer noch auf 107 Gramm pro gefahrenem Kilometer (Verbrennungsmotoren: rund 131 g/km). Wesentlich besser fahren Elektroautos erst, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix auf mehr als die gegenwärtigen fünf Prozent gesteigert wird.

Genau hier setzt das Projekt an und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Fahrzeugflotte von Badenova wird genauestens auf ihre (ökonomische und ökologische) Effizienz analysiert und die Möglichkeiten der Modernisierung mit Elektrofahrzeugen am Computer mit allen Auswirkungen simuliert. Erst dann folgt die Anschaffung von Elektrofahrzeugen.

"Wir beteiligen uns an diesem Projekt", so Badenova-Vorstand Mathias Nikolay, "weil es einen Weg aufzeigt, wie Ökologie und Mobilität miteinander vereinbart werden können." Badenova übernimmt mit dem Innovationsfonds die Hälfte der Projektkosten von 500 000 Euro, die andere Hälfte trägt das Fraunhofer Institut.

Selbstverständlich erwartet der Energieversorger als Wirtschaftsunternehmen auch Hinweise, wie und wo Geld im Fuhrpark gespart werden kann, vor allem aber ist für Badenova interessant, ob und wie die Elektrofahrzeuge möglichst mit Strom aus erneuerbaren Energien aufgetankt werden können. Nötig dazu ist ein intelligentes und interaktives Lademanagement, das die Ladezyklen so steuert, dass die Fahrzeuge möglichst nur Strom aus erneuerbaren Energien "tanken". Auch dafür soll das Projekt neue und vermarktbare Erkenntnisse liefern.

Erfreut zeigten sich Ebert und Nikolay über die Bereitschaft der Bundesregierung, Elektroautos bis 2020 mit einer halben Milliarde Euro zu fördern. "Es ist ein Anfang", so Günter Ebert. "Ich erhoffe mir von der Politik allerdings etwas mehr Kontinuität, um besser planen zu können." Sein Vorschlag: "Man hätte das Geld aus der Abwrackprämie besser in die Elektro-Forschung gesteckt."

Sollte es gelingen, in Deutschland bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, werden auch Fußgänger und Radler umdenken müssen. Das machten die gestrigen Fahrversuche mit dem i-Miev klar. Das Auto fährt fast geräuschlos und erschreckt immer wieder harmlose Passanten

Autor: Frank Thomas Uhrig