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07. Juni 2010

Ein Zuckerbrot fürs Klima

Der erste Freiburger Carrotmob fiel am Samstag in die "mm!leckerbar" ein.

  1. Großer Andrang in der „Leckerbar“, wo Freiburgs erster Carrotmob eingefallen ist. Foto: Thomas Kunz

Klimaschutz kann so bequem sein: "Du kaufst dir ´nen Saft und schon hast du was Gutes getan", brachte es die 23-jährige Manuela Fleer auf den Punkt. Rund 280 mehr oder weniger klimabewegte Gäste kamen am Samstagnachmittag in die "mm!leckerbar" in der Nußmannstraße und machten den ersten Freiburger Carrotmob zu einem Erfolg – so sehen es jedenfalls die Veranstalter.

Zugegeben, selbst mit guten Englischkenntnissen lässt sich diesem verschwurbelten Kunstwort schwerlich beikommen. Dahinter verbirgt sich die Kombination von Zuckerbrot (im englischen Ausdruck "carrot") und Flashmob. Beim Flashmob kommt eine über das Internet organisierte Menschenmenge anscheinend spontan zusammen, um beispielsweise auf einem öffentlichen Platz mitten in der Bewegung inne zu halten – nett anzuschauen und völlig sinnfrei. In der politisch verbrämten Version lässt sich mit Hilfe des Mobs auch mal eine unbeliebte Drogeriekette lahm legen, das entspräche dann der Peitsche. Beim Carrotmob, also der Zuckerbrot-Variante, stürmt ebenfalls eine Menschenmenge einen ausgewählten Laden. Dann allerdings, um ihn leer zu kaufen – sofern sich dieses Geschäft vorher verpflichtet hat, einen festgelegten Anteil des dabei erzielten Tagesumsatzes in den Klimaschutz zu investieren.

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In Freiburg standen gleich drei Bewerber zur Auswahl, in einer Internet-Abstimmung fiel die Wahl schließlich auf die "mm!leckerbar". 100 Prozent des Tagesumsatzes bot Besitzer Martin Spätling, um die Meute anzulocken. "Von den 1657 Euro, die heute zusammengekommen sind, lasse ich die Halogen-Beleuchtung auswechseln und durch eine Energie sparende Variante ersetzen." Das bringt im Jahr eine CO2-Ersparnis im Bereich von 1,2 Tonnen, wie die Energieberater vom Ingenieurbüro Zero-Therm errechnet haben. Ist das nicht ein bisschen mager für den ganzen Aufwand? "Es geht ja nicht nur um diese eine Aktion", sagt Sebastian Backhaus, einer der Organisatoren des Mobs, "wir wollen auch zeigen, was jeder einzelne tun kann und den Bewusstseinswandel insgesamt voranbringen."
Die meisten Gäste haben übers Internet von der Aktion erfahren, wie die 26-jährige Nancy Cole aus San Francisco, die schon bei den ersten Carrotmobs in ihrer Heimatstadt dabei war: "Ich habe bei Facebook davon gehört und gleich meine ganzen Freunde mitgebracht." Ello und Jutta Kling sind eher zufällig Teil des Mobs geworden: "Wir haben es erst im Vorbeigehen gesehen, aber es ist doch eine schöne Idee, und wenn’s gemütlich ist!"

Doch nicht alle stehen der Idee vorbehaltlos gegenüber. Der 27-jährige Matías Perez, der die Veranstaltung mit Geige und Gitarre begleitete, meinte: "Klar, alles ist gut, was man gegen den Klimawandel tut, aber ich denke, mit rein marktwirtschaftlichen Mitteln wird sich das Problem nicht lösen lassen. Es braucht auch die nötigen Gesetze."

Autor: Martin Küper