Eine feurige Leidenschaft

Eva Böning

Von Eva Böning

Di, 11. März 2014

Freiburg

Mit dem Scheibenschlagen lassen die Fasnetrufer eine alte Tradition auflodern / Die Generation Smartphone macht auf ihre Art mit.

OBERAU. Mit Feuer wollten sie den Winter vertreiben, schlechte Erinnerungen verbrennen oder für Glück, Erfolg und eine gelungene Fasnet danken. Beim traditionellen Scheibenschlagen am ersten Fastensonntag schickte die Zunft der Fasnetrufer glühende Scheiben vom Hirzberg aus ins Tal. Jeder Schlag war begleitet von Widmungen, die den Zuschauern teils tiefe Einblicke ins Privatleben der Zünftler gewährten.

Peter Kalchthaler spitzt noch schnell den Stock, auf dem er später die Scheiben aus Buchenholz aufspießen wird. Wem seine Scheiben gelten sollen, weiß er noch nicht. Seit über vierzig Jahren ist er dabei, mittlerweile, meint er, verstehe er sich darauf zu improvisieren. Dann wird er von anderen Zunftmitgliedern zum Feuer gerufen. Obwohl die Fasnet vorbei ist, haben die Fasnetrufer noch einmal eine närrische Anfangszeit veranschlagt. Um 20.11 Uhr wird das große Feuer entfacht, über den Scheithaufen ragt eine Strohpuppe mit rotem Schopf. "Das gehört nicht unbedingt zum Scheibenschlagen dazu. Aber wir haben die Hexe als Symbol für den Winter genommen, der jetzt endgültig vertrieben werden soll", erklärt Kalchthaler.

Das laue Wetter hat etliche Zuschauer auf den Hirzberg gelockt. Unter ihnen auch Anne Paffner. Die gebürtige Freiburgerin hatte sich bisher immer davor gedrückt, ihre Freunde zum Scheibenschlagen zu begleiten. "Ich bin kein Fan der Fasnet und dachte, dass ich hier auch fehl am Platz bin. Ein bisschen makaber ist das auch schon", sagt sie mit kritischem Blick auf die Hexenpuppe, deren Beine gerade in Flammen aufgehen. Trotzdem rückt sie dankbar näher an das wärmende Feuer und wird ruhig, denn das Spektakel beginnt.

"Schiebi, Schiebo, wem soll min Schiiebe goh?", ertönt es. Immer zwei der Fasnetrufer stehen an den Böcken, schwingen ihre Scheiben über dem Kopf und verlesen ihre Sprüche, mit denen die brennenden Scheiben jemandem gewidmet werden. Die Jüngeren sind dazu übergegangen, ihre Widmungen im Smartphone zu speichern und ernten dafür den Spott der Älteren.

Viele nutzen die Gelegenheit ihrer Frau mal wieder ein richtiges Kompliment zu machen. Ebenso wird dem SC Freiburg eine Scheibe gewidmet, dem Oberbürgermeister, dem Erzbischof und dem abwesenden Zunftvogt Alexander Schöpe. Manchmal necken sich die Zünftler gegenseitig – und obwohl die Zuschauer die Anspielungen eigentlich nicht verstehen können, lachen sie mit. Auch Anne Paffner hat sich mittlerweile akklimatisiert: "Das sieht wirklich toll aus. Wie ein kleines Feuerwerk", flüstert sie, während gerade die nächste glühende Scheibe in hohem Bogen durch die Nacht saust.

Jeder Spruch wird mit dem obligatorischen "Und goht se net, so gilt se net" abgeschlossen. Und so müssen sich die Fasnetrufer anstrengen, um das Gesagte unter den kritischen Augen von Zunftmitgliedern und Zuschauern nicht durch einen schlechten Schlag wieder zunichte zu machen. Besonders viel Mühe gibt sich Rainer Frauenhoffer. Aus gutem Grund. Seinen Schlag widmet er seiner Frau, denn: "Am 11.11. in der Nacht, hat sie mich zum Papa gemacht!", ruft er aus schlägt die Scheibe höher und weiter als die Anderen zuvor. Die Zuschauer spenden Beifall. Die zweite Scheibe gilt dann auch gleich seiner kleinen Tochter Anna, die bei der Fasnet die Jüngste im Flecklehäs (Kostüm aus Stoff-Stückchen) war.

Nach einer Dreiviertelstunde ist alles schon wieder vorbei. Einige bleiben noch auf einen Weißwein oder eine Apfelschorle am Feuer, alle gucken zufrieden, besonders Zuschauer Dieter Aster: "Ich bin in keiner Zunft, aber das Scheibenschlagen ist bei mir fest im Kalender eingetragen. Ich komme her, widme im Stillen auch Scheiben denjenigen, die mir am Herzen liegen, und genieße die ausgelassene Atmosphäre."