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24. März 2009

Freiburg statt in Fernost

Eine Unternehmerin beweist: Heimische Textilherstellung rechnet sich

Wer hätte gedacht, dass in Freiburg noch der Beruf der Wäschenäherin ausgeübt wird? Textilien kommen doch heute fast immer, so macht es den Eindruck, aus Fernost. Birgit Hertenstein beweist jedoch, dass es auch anders geht.

Wer hätte gedacht, dass in Freiburg noch der Beruf der Wäschenäherin ausgeübt wird? Textilien kommen doch heute fast immer, so macht es den Eindruck, aus Fernost. Die Freiburgerin Birgit Hertenstein allerdings beschäftigt in ihrer Werkstatt an der Karlstraße zwei Näherinnen und eine dritte in Heimarbeit. Ihr kleines Unternehmen heißt – treffenderweise – "Bett und Tuch".

Dank dem Internet sind Hertensteins Angebote weit über Freiburg hinaus bekannt. Zudem macht der Webshop ein Ladengeschäft in repräsentativer Lage überflüssig – eine der Voraussetzungen dafür, dass die 51-Jährige gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen auskömmlich wirtschaften kann. Das müsse man wissen, um zu verstehen, wie das Nähereigeschäft in Deutschland auch heute noch rentabel funktionieren kann, erklärt Hertenstein. "Nur in der Nische. Und weil sich eine wachsende Zahl von Verbrauchern über die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern und über eine naturverträgliche Landwirtschaft Gedanken macht", fügt die Unternehmerin hinzu.

Fast alle ihre Produkte sind aus Baumwolle, deren Erzeugung und Verarbeitung den Kriterien des kontrollierten biologischen Anbaus entsprechen. Färben und bedrucken lässt Birgit Hertenstein die Stoffe nach eigenen Entwürfen in Deutschland. Wer will, kann sich also einen Stoff aussuchen und sich Bettwäsche oder Vorhänge nähen lassen, und zwar in jedem erdenklichen Maß. Unter den Stammkunden sind daher recht viele außergewöhnlich groß gewachsene Menschen.

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Näherinnen verdienen rund 10 Euro brutto pro Stunde

Ein Drittel ihres Umsatzes erzielt das Unternehmen mit den selbst gefertigten Kollektionen: Ein Satin-Bettbezug im Normalmaß 135 mal 200 Zentimeter kostet 62 Euro, ein Kopfkissenbezug im Maß 80 mal 80 Zentimeter 20 Euro. Die Näherinnen verdienen laut Birgit Hertenstein rund 10 Euro brutto pro Stunde.

Tischwäsche lassen sich Kunden nur selten nähen. Die meisten nutzen das Angebot an fertigen Teilen aus einer schwedischen Manufaktur. Auch Wolldecken bezieht "Bett und Tuch" aus Skandinavien, Lattenroste aus Ost-Deutschland, Teppiche aus Siebenbürgen, Matratzen aus dem Elztal und Stofftiere aus Denzlingen.

Entstanden ist "Bett und Tuch" 1996. Birgit Hertensteins Ehemann, Möbelschreiner von Beruf, hatte sie gebeten, seine Schlafzimmermöbel an einem Messestand mit Textilien auszustatten. Schon 1998 präsentierte Hertenstein dann eine komplette eigene Kollektion. Seit zwei Jahren ist ihre Firma in der Karlstraße 3 daheim. Werkstatt, Ausstellungsraum und Büro nehmen 230 Quadratmeter ein.

Autor: Silvia Faller