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25. Mai 2010 16:09 Uhr

Geschmacktstest

Eisdielen in Freiburg: Dem Besonderen auf der Spur

Die Geburt des Enkels, die Liebe zum Handwerk oder die pure Lust am Experiment: Es gibt viele Gründe für eine neue Eissorte. Ein Blick in die Kühltheken der Eiscafés in der Innenstadt.

  1. In Freiburgs Innenstadt wetteifern viele Eisdielen um die Gunst des Publikums – oft auch mit Eigenkreationen. Foto: Dominic Rock

  2. Karl Guth mit seiner erfrischenden Eissorte. Foto: Ingo Schneider

  3. „Don Francesco“ Foto: Dominic Rock

  4. Nicola Castaldi: Liebt, was er tut und lässt sich gerne Neues einfallen. Foto: Ingo Schneider

  5. Davide Da Corte an der Eismaschine. Foto: Dominic Rock

PORTOFINO

(Familie Cirulli)
Bertoldstraße 44
Öffnungszeiten: 9 bis 1 Uhr, täglich
Wer macht das Eis?
Der Mann fürs Eis ist Francesco. Er hat die Rezepte für 50 Sorten im Kopf. Manche verwendet er über Jahre, bei anderen verändert er nur ein paar Zutaten. Und regelmäßig setzt er seinen Kunden eine neue Kreation vor.

Woher kommen die Ideen?
Francesco setzt auf Professionalität und Kreativität: Er informiert sich bei Eis-Messen. Manches Mal treibt ihn die reine Lust am Experiment an.

Welche außergewöhnlichen Sorten gibt es?
Don Francesco gehört seit diesem Sommer zum Angebot. Der Eis-Tüftler hat es gleich mal nach sich selbst benannt. Demnächst will er außerdem Tomaten-Eis, Karotten-Eis und Granita, ein Erfrischungsgetränk aus Crash-Eissorten, servieren.

Was ist drin?
Don Francesco besteht aus Milch und Zucker sowie einer italienischen Creme, vermischt mit einem Auszug Nutella. Unter die Masse hebt der Meister Amaretto- und Krokantstreußel.

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Wie schmeckt’s?
Nach Vanille vor allem. Sehr cremig und leicht. Außerdem hat dieses Eis Biss: Dank der Streußel gibt es nicht nur was zu schlecken.

Was bleibt?
Eine feine Vanille-Note, ein paar Streusel-Brösel. Und das Gefühl, wirklich ein Eis gegessen zu haben.

Auf welche Eissorte muss die Stadt noch warten?
Auf Fisch-Eis, findet Francesco, nachdem er die Mischung mit kleinen Tintenfischen einmal probiert, aber nicht geschluckt hat. Wird sich in der Portofino-Theke nie finden.

Was kostet die Kugel:
1 Euro.

INCONTRO

(Michele Scarpone)
Niemensstraße 7
Öffnungszeiten: Mo-Sa: 10-23 Uhr;
So: 12-23 Uhr

Wer macht das Eis?
Im Obergeschoss der Eisdiele werkelt Davide Da Corte an der Eismaschine. Er rührt an, was sich Michele Scarpone ausgedacht hat. 26 Sorten stehen in der Vitrine, das Angebot wechselt.

Woher kommen die Ideen?
Michele Scarpone schaut abends gerne Fernsehen. Werbung inspiriert ihn. Vor allem die für Schokolade, wie es scheint: Denn bei ihm steht die Schale Kinder-Country- gleich neben der mit Snickers-Eis. Auch der Gang durch den Supermarkt hat ihn schon auf Ideen gebracht.

Welche außergewöhnliche Sorten gibt es?
Die jüngste Kreation heißt Cantuccino.

Was ist drin?
Der Name erinnert an Cantuccini, die italienischen Mandelkekse. Und so besteht das Eis auch aus gerösteten Mandeln, die zusammen mit Honig unter eine italienischen Creme gerührt werden. Milch, Sahne und Zucker runden Cantuccino ab.

Wie schmeckt’s?
Den Keksen sehr ähnlich, aber weniger intensiv.

Was bleibt?
Ein leichter Mandelgeschmack. Und zum Glück nicht diese Lästigkeit, die man von den Keksen kennt: dass zu viel zwischen den Zähnen kleben bleibt.

Auf welche Eissorte muss die Stadt noch warten?
Auf ein Ritter-Sport-Eis – aber nicht mehr lange. Michele ist beeindruckt von dem Schokoladen-Hersteller und seinem Talent, die quadratisch-praktisch-gut-Tafel immer wieder neu zu erfinden.

Was kostet die Kugel?
80 Cent.

CASTALDI

(Nicola Castaldi)
Kaiser-Joseph-Straße 282
(in der Zürich-Passage)
Öffnungzeiten: Mo-Sa: 9-21 Uhr,
So: 13-21Uhr

Wer macht das Eis?
An der Eismaschine steht Nicola Castaldi in jedem Fall persönlich. Für ihn Ehrensache, denn er liebt sein Handwerk. 16 Sorten bietet er im Wechsel an.

Woher kommen die Ideen?
Nicola Castaldi hat große braune Augen und Locken. Ein Künstlerkopf, der die Inspiration sucht: in Obst, in der Natur und in allem, was ihm selbst schmeckt.

Welche außergewöhnlichen Sorten gibt es?
Walnuss-Feige steht bei Castaldi in der Kühltheke. Ein Renner bei den Kunden. Der Favorit vom Chef: Zitrone-Mango.

Was ist drin?
Walnuss-Feige enthält, was der Name verspricht: Walnüsse aus der Nähe von Neapel, gemahlen zu einer dickflüssigen Soße. Variegato, eine Marmelade, auf Feigenbasis sowie Zucker, Sahne und Milch.

Wie schmeckt’s?
Zunächst fast nur nach Walnuss. Dann kommt der Geschmack der Feige dazu. Eine spannende Mischung, die von dem Kontrast der etwas herberen Walnuss und der Süße der Feige lebt.

Was bleibt?
Die Konsistenz ist cremig, aber nicht klebrig. Der Geschmack im Mund verflüchtigt sich schnell.

Auf welche Eissorte muss die Stanoch warten?
Mit Zitrone und Pfefferminz will Nicola Castaldi demnächst experimentieren. Fertigprodukte kann er gar nicht leiden; passen nicht zu seiner kreativen Ader.

Was kostet die Kugel?
70 Cent.

MONA LISA

(Familie Carbone)
Salzstraße 6
Öffnungszeiten: 10-24 Uhr, täglich

Wer macht das Eis?
Im Keller der Eisdiele hat Francesca Carbone ihr Reich: Im Eislabor probiert sie Neues aus. Wie das schmeckt, kostet sie mit einem rosa Plastiklöffelchen, so lange, bis sie mit Geschmack und Konsistenz zufrieden ist. 34 Sorten gehören zum Angebot, das sich alle zwei Wochen in Teilen ändert.

Woher kommen die Ideen?
Patricio Carbone, der Mann von Francesca, lobt deren unwahrscheinliches "Bauchgefühl" – und die guten alten Eis-Rezepte seines Schwiegervaters. Manchmal aber steckt einfach nur das pure Leben hinter einer frischen Idee von Francesca.

Welche außergewöhnlichen Sorten gibt es?
Das Oma-Eis: Crema della Nonna. Das Rezept kam Francesca in den Sinn, als ihr Enkel auf die Welt kam.

Was ist drin?
Das Oma-Eis ist nichts für kleine Enkel, denn die Basis besteht aus einer Eierlikör-Creme, verfeinert mit Rum und Zimt.

Wie schmeckt’s?
Ein bisschen wie eine Praline, eine bestimmte Zutat sticht nicht hervor.

Was bleibt?
Ein feiner sahniger Überzug am Gaumen – und wenn man die Entstehungsgeschichte des Oma-Eises kennt, ein freundlich-heimeliges Gefühl.

Auf welche Eissorte muss die Stadt noch warten?
Da fällt Francecsa Carbone wirklich nichts ein. Denn mit klassischen Zutaten traut sie sich viele neue Kreationen zu. Rosa-Pampelmuse-Eis, Keks-Eis...

Was kostet die Kugel?
80 Cent.

CAFÉ -SCHMIDT

(Familie Guth)
Bertoldstraße 19
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 7.30-18.30 Uhr; Sa: 8.30-18 Uhr; So und Feiertags geschlossen
Wer macht das Eis?

Wenn es um ungewöhnliche Rezepturen geht, stellt sich Karl Guth am liebsten selbst in die Küche seines Cafés. Neues erfordert Fingerspitzengefühl, erst wenn er mit der Rezeptur zufrieden ist, dürfen andere ihn beim Eismachen ablösen. Der Kunde kann aus 18 Sorten wählen. Klassiker wie Vanille, Erdbeere und Stracciatella gibt es immer, anderes wechselt.

Woher kommen die Ideen?
Im Hinterkopf hat Karl Guth immer ein paar Ideen für ungewöhnliche Kompositionen. Das Kombinieren von Produkten macht ihm einfach Spaß, auch bei Desserts. Der Rest findet sich beim Ausprobieren.

Welche außergewöhnliche Sorten gibt es?
Ingwer-Limette.

Was ist drin?
Frischer Ingwer, der mit Limettensaft und Milch erhitzt, nicht gekocht wird, da sonst der Geschmack zu bitter wird. Hinzu kommen Sahne, Milch, Zucker, Limettensaft, Wasser und ein wenig gewürfelter und kandierter Ingwer.

Wie schmeckt’s?
Die leichte Schärfe des Ingwers ist deutlich zu schmecken. Die Säure der Limette gibt dem Ingwer-Limette-Eis eine noch speziellere Note.

Was bleibt?
Ein erfrischendes, beinahe kühlendes Gefühl im Mund.

Auf welche Eissorte muss die Stadt noch warten?
Auf Eis mit Knoblauch hat Karl Guth gar keine Lust. Da kommt zusammen, was ganz einfach nicht zusammenpasst, findet er.

Was kostet die Kugel?
80 Cent.

Autor: Ilsabe Weinfurtner