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12. Dezember 2015

Messungen

Elektromagnetische Felder: So verstrahlt ist Freiburg

Matthias Hampe, ein Professor aus Niedersachsen, hat elektromagnetische Felder in der Stadt gemessen.

Elektrosmog gibt es überall in der Stadt, nur nicht in gleicher Dosierung. Matthias Hampe, Professor für elektromagnetische Verträglichkeit, hat in 63 deutschen Städten die Belastung gemessen – auch in Freiburg. Und er gibt Entwarnung: Die Grenzwerte für elektromagnetische Felder, die vor allem Mobilfunkmasten erzeugen, wurden an keiner Stelle überschritten.

Im Sommer hatte Hampe zwei seiner Studenten von der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel nach Freiburg geschickt – ausgestattet mit einem Gerät, dass die Feldstärke misst. Mit einer Antenne auf dem Autodach sind sie vor allem Hauptstraßen abgefahren. Das Ergebnis der Momentaufnahmen: "In Freiburg sind die Grenzwerte immer eingehalten", sagt Hampe. Die Maximalwerte sind im Bundesimmissionsschutzgesetz festgelegt, dessen Einhaltung die Bundesnetzagentur prüft. Im Gegensatz zu Hampe misst die Behörde punktuell, dafür aber über einen längeren Zeitraum. "Es ist jedoch sinnvoll, erst einmal großräumig und dann genauer zu messen, zum Beispiel wenn der Verdacht besteht, dass die Grenzwerte nicht eingehalten werden", sagt Hampe.

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Die Auswirkungen von Elektrosmog sind umstritten

Auch wenn das in Freiburg nicht der Fall ist, gibt es Hampe zufolge doch einige Unterschiede. "Dort, wo die Strahlung höher ist, stehen meistens Funkmasten in der Nähe", erklärt er. In Freiburg hat die Bundesnetzagentur nach eigenen Angaben bisher 3577 Standortbescheinigungen erteilt, der Großteil davon bezieht sich auf Anlagen mit Mobilfunk. Diese Zahl ist aber nicht gleichzusetzen mit der Anzahl an Sendeanlagen, da die Mobilfunknetzbetreiber meist gemeinsame Standorte nutzen.

Wo sich die Funkanlagen befinden, kann man online in einer Datenbank der Bundesnetzagentur einsehen. Stichproben im Vergleich mit Hampes Feldkarte zeigen, dass die Strahlung etwa in der Günterstalstraße auf Höhe Erwinstraße relativ hoch ist – genau dort verortet die Bundesnetzagentur auch eine Funkanlage. Gleiches gilt für die Karlsruher Straße in Zähringen auf Höhe Tullastraße. Je weiter man sich vom Zentrum weg bewegt – wie nach Opfingen oder Littenweiler –, desto geringer ist die Strahlung.

In 63 deutschen Städten haben Hampe und seine zehn Studenten bisher die Straßen abgefahren. "Wir haben uns die größten Städte ausgesucht", sagt er, "und auch jene, die wir besonders mögen." Und da gehöre Freiburg, wo Hampe schon Urlaub gemacht hat, eben dazu. "Gerade in Großstädten wie Düsseldorf gibt es mehr Strahlung", sagt er. Stuttgart dagegen habe ähnlich wie Freiburg abgeschnitten, punktuell sei die Strahlung etwas höher.

Wie sich Elektrosmog auf den Menschen auswirkt, ist umstritten. Unbestritten ist dagegen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass elektromagnetische Felder oberhalb bestimmter Stärken biologische Effekte auslösen können. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BFS) werden hochfrequente elektromagnetische Felder vom Körper aufgenommen und führen zu einer Erwärmung. Ob Kopfschmerzen, Depressionen oder Müdigkeit mit der Strahlung in Verbindung stehen, ist laut WHO und BFS nicht wissenschaftlich belegt.

Wissenschaftlich nutzen will auch Hampe die Daten, die er gewinnt – allerdings unter einem anderen Gesichtspunkt. "In Städten verliert das GPS wegen hoher Gebäude die Verbindung", erklärt er, "mit den Daten der Feldstärke könnte man die Ortung verbessern." Fördermittel habe Hampe bereits beantragt. Er räumt aber auch ein: "So gerne ich es würde, aber ganz Deutschland werde ich wohl nicht vermessen können."

Die Ergebnisse der Messungen gibt es online auf http://www.feldkarte.de, die Funkanlagenstandorte auf http://www.mehr.bz/funkanlagen http://mehr.bz/funkanlagen

Die Messung

Matthias Hampe misst Feldstärken im Mobilfunkbereich von 500 Megahertz bis 3 Gigahertz. Ein Farbpunkt auf der Karte (siehe Grafik) entspricht 60 000 Messwerten. Diese werden miteinander verrechnet. In Freiburg werden an keinem der gemessenen Orte die Grenzwerte des Bundesimmissionsschutzgesetzes überschritten.  

Autor: sge

Autor: Sina Gesell