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21. Juni 2010

Erst radeln, dann Dialyse

"Radtour pro Organspende" soll Menschen aufmerksam machen.

  1. Tagsüber Sportler, abends Patient: Jörg Rockenbach ist mit der „Radtour pro Organspende“ unterwegs. Foto: Michael Bamberger

Es klingt zunächst einmal erstaunlich: Dialysepatienten, die abends mehrere Stunden zur Blutwäsche müssen, legen tagsüber hundert Kilometer auf dem Fahrrad zurück. So geschieht es derzeit bei der "Radtour pro Organspende", die am Wochenende in Freiburg Halt machte. Jörg Rockenbach ist einer der Teilnehmer, die zurzeit quer durch Deutschland fahren, um auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen.

Samstagnachmittag in der Nephrologiepraxis von Eckhard Schwertfeger: Der Nierenheilkundler und seine Assistentin legen eine Sonderschicht ein, um drei Patienten an die Dialyse anzuschließen. Sie alle müssen mindestens drei Mal pro Woche zur Blutwäsche, um Giftstoffe aus ihrem Körper zu entfernen, weil ihre Nierenfunktion weniger als zehn Prozent beträgt.

Den Patienten, die an diesem Tag in der Praxis eintreffen, hat das aber nicht den Lebensmut genommen. Im Gegenteil: Sie suchen die Herausforderung und nehmen an der 1000 Kilometer langen Radtour von Meiringen (Schweiz) über Basel, Freiburg und Mulhouse nach Düsseldorf teil. Bei der "Radtour pro Organspende", die vom Verein Transdia organisiert wird, machen Menschen mit, die auf ein Spenderorgan warten, und solche, die bereits eines erhalten haben. Ihr Ziel: nicht möglichst schnell ankommen, sondern möglichst viele Menschen fürs Thema Organspende sensibilisieren.

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Jörg Rockenbach fährt bereits zum vierten Mal in Folge mit. "Für mich ist die Dialyse inzwischen Alltag", sagt der 40-jährige Leverkusener, für den Sport trotz aller Einschränkungen ganz selbstverständlich zum Leben gehört. Seit 2003 muss er regelmäßig zur Dialyse, weil eine Autoimmunerkrankung seine Nierenkörperchen zerstört. "Ich habe noch Glück, weil ich es gut vertrage. Ich kann danach ohne Probleme Rad fahren, aber anderen geht es erst mal richtig schlecht", sagt er. Wie die weiteren 35 Teilnehmer radelt Rockenbach derzeit durchs Dreiländereck: morgens um sechs Uhr aufstehen, tagsüber Rad fahren, abends fünf Stunden zur Blutwäsche. "Es macht trotzdem total Spaß", sagt der begeisterte Sportler, "auch wenn es die nasseste Tour aller Zeiten ist." Wie viele weitere tausend Erkrankte in Deutschland wartet Rockenbach schon lange auf ein neues Organ, verteilt Infobroschüren und Spenderausweise. "Ich habe die Hoffnung, dass es bald soweit ist", sagt der 40-Jährige und lehnt sich auf seinem Bett zurück. Noch knapp vier Stunden, bis die heutige Blutwäsche beendet ist.

Mehr Informationen im Internet unter http://www.radtour-pro-organspende.de.

Autor: Steve Przybilla