Verein Bergwaldprojekt

Forstingenieur: "Die illegalen Mountainbike-Trails sperren wir mit Totholz"

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Di, 16. Oktober 2018 um 10:45 Uhr

Freiburg

Der Forstingenieur Matthäus Holleschovsky vom Verein Bergwaldprojekt spricht über Arbeiten im Kappler Tal - und darüber, warum Mountainbiker beim Kybfelsen auf gefestigten Wegen bleiben sollten.

Zum 18. Mal haben sich im Freiburger Stadtwald rund 40 Freiwillige für den Erhalt des Ökosystems eingesetzt. Der gemeinnützige Verein Bergwaldprojekt führt diese Projektwochen in ganz Deutschland an 46 Orten durch. Projektleiter Matthäus Holleschovsky zieht im Gespräch mit Fabian Vögtle ein Fazit des Einsatzes in Freiburg und erklärt, was genau umgesetzt wurde.

BZ: Zwei Wochen lang waren Sie mit Freiwilligen im Freiburger Stadtwald für Artenvielfalt und Naturschutz im Einsatz. Was stand dabei im Fokus?
Holleschovsky: Wir haben uns um die Auerwildbiotope gekümmert und im Kappler Tal vor allem Weißtannen präventiv vor dem Wild geschützt. Auf rund 30 Hektar Fläche haben wir die Weißtannenverjüngung durch Auftragen von Schutzmittel an der Gipfelknospe vor Verbiss geschützt. Somit stellen wir sicher, dass die Tanne auch in der nächsten Waldgeneration ihren Platz hat. Dabei haben wir viele Bäume frei geschnitten, zum Beispiel von wuchernden Brombeerranken und anderem Begleitwuchs. Im nächsten Schritt ist die Waldpflege sehr wichtig. Zur Steuerung der Baumartenanteile im Bergmischwald setzten wir uns für die Tanne ein. Wir haben darauf geachtet, dass die Rotbuche und Douglasie die Tanne nicht verdrängen und somit der Bergmischwald in seiner naturnahen Form erhalten bleibt.

BZ: Sie haben an einigen Stellen auch Wege gesperrt und umgeleitet, etwa für Mountainbiker. Warum?
Holleschovsky: Gerade in Stadtnähe hat der Wald auch eine wichtige Erholungsfunktion, daher setzten wir uns für die Besucherlenkung ein. Vor allem am Kybfelsen gab es viele Bereiche, die durch die starke Frequentierung erodiert waren. Wir haben dort zum Beispiel Stufen eingebaut, um Wanderern wie Mountainbikern gleichermaßen die Wegenutzung zu erleichtern. Zudem versuchten wir, die illegalen Trails mit Totholz zu sperren, und brachten dort auch Schilder an, mit dem Ziel, dass die Mountainbiker auf den ausgewiesenen Wegen bleiben. Die Waldbereiche rund um den Kybfelsen sind sehr sensibel und sollen vor allem aus Naturschutzgründen nicht der flächigen Befahrung ausgesetzt werden. Zudem besteht die Gefahr von herabfallendem Totholz und die Verkehrssicherung ist auf den wilden Abfahrten nicht gegeben.

BZ: Wer steckt hinter dem Bergwaldprojekt und was sind die Ziele?
Holleschovsky: Wir wollen durch Spenden finanziert mit unserem Verein einen Beitrag zum Erhalt des Waldes und seiner Artenvielfalt leisten. Das ist Handarbeit mit Dutzenden Freiwilligen, die unter Anleitung Forstarbeiten durchführen. Die Maßnahmen, die eng mit den Förstern vor Ort abgesprochen sind, wären im Normalbetrieb unbezahlbar und auch personell gar nicht zu stemmen. Die Teilnehmenden lernen während der Woche anhand der Arbeiten viel über die Zusammenhänge im Wald. Unsere Abhängigkeit von den natürlichen Lebensgrundlagen kann somit in der Projektwoche gut verdeutlicht werden.
Matthäus Holleschovsky ist Forstingenieur. Als Projektleiter beim Verein Bergwaldprojekt mit Sitz in Würzburg betreut er die Freiwilligenwochen in ganz Deutschland, so auch vergangene Woche in Freiburg.

Mehr zum Thema: