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08. April 2014

Bilanz

Freiburg-Marathon: Laufen, bis der Notarzt kommt

200 Einsatzkräfte waren am Sonntag rings um den Freiburg Marathon im Einsatz – das Wetter war anstrengend für die Läufer.

  1. Entlang der 21 Kilometer-Strecke waren etliche Rettungskräfte postiert – und viele von ihnen kamen tatsächlich auch zum Einsatz. Foto: Eggstein

  2. Einsatz beim Marathon Foto: Patrick Seeger

Der elfte Freiburg Marathon brachte einen Traumtag für das Publikum entlang der Strecke – und mehr als hundert behandlungsbedürftige Patienten unter den rund 10 000 Läuferinnen und Läufern. Am Tag nach dem langen Lauf sind etwa eine Hand voll von ihnen noch stationär unter Beobachtung. 200 Einsatzkräfte, darunter sieben Notärzte, versorgten am Sonntag vor Ort all diejenigen, die mit dem Rennen an ihre Grenzen gestoßen waren: 20 im Wettkampf, 84 hinterm Zieleinlauf.

Der dramatischste Zwischenfall hatte sich am Nachmittag am Martinstor ereignet: Dort brach ein – gut trainierter – Läufer zusammen und musste sogar reanimiert werden. Inzwischen ist er stabil, wie das andere halbe Dutzend Laufpatienten, die in die Klinik gebracht wurden. Im Medical Center im Zielbereich des Rennens landeten die meisten derjenigen, die gesundheitliche Einbrüche erlitten hatten, vom Bänderriss bis zum Kreislaufzusammenbruch. Und davon gab es einige bei diesem Marathon.

Für den Freiburger Notarzt Frank Koberne ist die Bilanz des Marathons am Sonntag allerdings nicht erstaunlich: "Das Wetter hat den Läufern enorm zugesetzt, das hat sich ja schon früh abgezeichnet." Was genau am schönen Sonnenschein für die Marathonis belastend war? Zum Beispiel, dass mit zunehmender Sonneneinstrahlung auch die Feuchtigkeit vom Boden verdampfte und über der Strecke für enorme Luftfeuchtigkeit sorgte: "Wenn die Luft so feucht ist, fällt das Schwitzen schwerer." Schwitzen aber ist unabdingbar für einen Leistungssportler im Höchsteinsatz: Die durch die Leistung ansteigende Körpertemperatur muss durch Schwitzen quasi runtergekühlt werden. Hinderlich für diese notwendige Kühlung ist auch wärmende Kleidung. "Viele waren morgens beim Start noch genau richtig angezogen, weil’s da ja noch ein bisschen kühler war", erklärt Koberne, "bald darauf bewirkte die wärmende Bekleidung dann einen Hitzestau – irgendwann kollabiert man dann." Der Zusammenbruch kann aber auch kommen, wenn das Trinken an ein, zwei Versorgungsstationen ausgelassen wird oder wenn das Tempo trotz Erschöpfung nicht heruntergeschraubt wird.

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Der erfahrene Freiburger Marathonlehrer Thomas Klingenberger, vor zwei Jahren Zweiter beim Freiburg Marathon, hatte in der ersten Runde ein gutes, dem Wetter angepasstes Rennen wiederum an zweiter Position gelaufen – er ließ es jedoch nicht auf eine spätere Erschöpfung ankommen und brach ab, als er zu Beginn der zweiten Runde ein unglaubliche mentale Müdigkeit bei sich feststellte: "Die ist nicht so offensichtlich wie ein geschwollenes Knie oder eine Dehydrierung, aber wer in so einem Moment nicht auf sich hört, riskiert eben auch seine Gesundheit." Viele scheinen auf ihre innere Stimme gehört und auf Erschöpfung reagiert zu haben: Gut ein Fünftel der gestarteten Marathonis lief nicht bis ins Ziel, den Halbmarathon haben zwölf Prozent der Teilnehmer unterwegs abgebrochen.

Autor: Julia Littmann