Energie

Freiburg produziert jetzt Premiumkohle aus Grünschnitt

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 13. Februar 2018 um 07:26 Uhr

Freiburg

Freiburger sammeln Grünschnitt, den die Abfallwirtschaft karbonisiert – und fertig ist die Premiumkohle. Damit soll Kompost veredelt und Bäume widerstandsfähiger gemacht werden.

Freiburgs Kohle ist premium. Der Grünschnitt, den die Bewohner der Stadt sammeln und den die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg karbonisiert, bekommt ein Zertifikat. Damit kann die ASF die Kohle vermarkten. Das städtische Unternehmen will damit seinen Kompost verbessern, Bäume stärken und die Kohle als Futtermittelzusatz verkaufen, der Antibiotika in der Hühnermast spart.

Wildwuchs von Hecken, Verwelktes vom Friedhof, alte Christbäume: Die Freiburger sammeln im Jahr 12.000 Tonnen Grünschnitt. Vor knapp einem Jahr nahm die ASF eine Pilotanlage auf der alten Mülldeponie Eichelbuck in Betrieb.

50 Tonnen Pflanzenkohle aus 200 Tonnen Grünschnitt

Die mehrteilige Anlage karbonisiert einen Teil des Grünschnitts bei rund 600 Grad, die Abwärme davon trocknet Hackschnitzel. Dabei entsteht Gas, welches das schwindende Gas aus der Deponie ersetzt und Energie liefert, um Essensreste in noch mehr Strom und Wärme zu verwandeln. Der Kreislauf arbeitet energieautark. Zudem geht dieses Jahr noch eine überdachte Wanne in Bau, die fast so groß wie ein Fußballfeld und Ende 2019 fertig werden soll. Darin soll der größte Teil des Grünschnitts, bis zu 9000 Tonnen im Jahr, kompostiert werden. Früher ging alles an Kompost- und Pellethersteller, was laut ASF immer teurer wurde.



Jetzt produziert sie selbst Hackschnitzel und hat allein 200 Tonnen Grünschnitt zu 50 Tonnen Pflanzenkohle verarbeitet, seit die Anlage im Oktober in Regelbetrieb ging. Davor testete sie lange. "Die große Herausforderung war die Zusammensetzung", erklärt Michael Broglin, Chef der ASF. Denn die verwendet kein immer gleiches Material, sondern was in Freiburg anfällt. Eine Überwachungsstelle bescheinigte der Freiburger Kohle inzwischen Premiumqualität, sie erhält das "European Biochar"-Zertifikat.

Die Pilotanlage hat rund zwei Millionen Euro gekostet

Damit kann’s losgehen: Die ASF sucht nach mehreren Standbeinen, sagt Broglin. Zum einen will sie ihren Kompost veredeln, der in der Landwirtschaft, aber auch von Privatleuten im Garten genutzt werden kann. Zum anderen laufen Versuche, um den Energiegehalt des Gärsubstrats aus Speiseresten zu erhöhen.

Die Pflanzenkohle kann auch als Futtermittelzusatz dienen, erklärt der ASF-Geschäftsführer: Wenn Hühner in großen Mastbetrieben in ihrem flüssigen Kot stünden, entzündeten sich ihre Beine. Mit der Kohle sei der Kot fester und weniger Antibiotika nötig. Broglin möchte zudem ausprobieren, was in Zürich untersucht wurde: Straßenbäumen wurde mit Pflanzenkohle versetzte Erde gegeben. "Sie wurden widerstandsfähiger gegen Salz vom Winterdienst und Sturm."

Sein Team sucht Vermarktungswege, die Kohle könne schadlos lagern. Die Pilotanlage hat rund zwei Millionen Euro gekostet, 1,2 Millionen zahlten das Land und Energieversorger Badenova, den Rest die ASF, die zu 53 Prozent der Stadt und zu 47 Prozent dem Entsorger Remondis gehört. Die Müllgebühren steigen dadurch nicht, sagt der Abfallchef. Er ist sicher, dass sich die Investition rechnet. Wenn alle Stricke reißen, hätte das Produkt auch den Heizwert von Steinkohle. "Aber das wäre ’ne Sünde."