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17. Mai 2017

Flüchtlinge

Freiburger Delegation macht sich in den USA über Integration kundig

Eine fünfköpfige Delegation aus Freiburg war zehn Tage lang in den USA und will nun einen Aktionsplan erarbeiten zu Strategien im Umgang mit Flüchtlingen. Im Herbst gibt es einen Gegenbesuch.

Zehn Tage lang war eine fünfköpfige Delegation aus Freiburg in den USA unterwegs, um sich über amerikanische Strategien im Umgang mit Flüchtlingen und deren Integration in den Arbeitsmarkt zu informieren. "Wir sind mit vielen konkreten Ideen wiedergekommen", sagen Türkan Karakurt (SPD) und Sylvie Nantcha (CDU). Die beiden Stadträtinnen gehörten neben Mitarbeitern des Amtes für Migration und des Christopherus Jugendwerks zu der Delegation, die nun einen Aktionsplan ausarbeitet. Im Herbst gibt es einen Gegenbesuch aus den USA.

Freiburg hatte sich für die transatlantische Austauschreise beworben und war zusammen mit Düsseldorf, Münster, Leipzig und dem Kreis Düren ausgewählt worden. Organisiert wurde sie von der gemeinnützigen Austauschorganisation Cultural Vistas, finanziell unterstützt wird das 2016 initiierte Projekt unter anderem von der Heinrich-Böll- und der Robert-Bosch-Stiftung. Zum Start gab es für die Gruppe in Washington eine Einführung in das politische System Amerikas. "Wir hatten richtig volle Tage", erzählt Nantcha, "an einem Tag hatten wir sogar mal 28 Referenten." Auf dem Programm standen aber nicht nur Vorträge und Gespräche mit amerikanischen Politikern, sondern auch Besuche in verschiedenen Projekten.

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Für die beiden Stadträtinnen ging es von Washington nach Salt Lake City, andere aus der Gruppe reisten nach Detroit beziehungsweise Nashville, und am Ende trafen sich alle in Los Angeles wieder. Vom System her seien Deutschland und die USA zwar nicht zu vergleichen, dennoch gebe es in Amerika Einiges, wovon man sich etwas abschauen könne, finden Nantcha und Karakurt. So seien alle Programme darauf ausgerichtet, dass Migranten und Geflüchtete so schnell wie möglich Arbeit finden und selbst für sich sorgen können. "Sie werden dafür qualifiziert, zumindest einen Einsteiger-Job zu bekommen", erklärt Karakurt.

Die Freiburgerinnen haben auch Projekte in Salt Lake City besucht, mit denen die Flüchtlinge dazu ermuntert werden, eine Existenz zu gründen. Dazu gehörten ein Garten-Projekt, bei dem sie Gemüse aus ihren Heimatländern anbauen und verkaufen können, und eine Großküche, in der sie Catering-Aufträge annehmen können, um sich später beispielsweise mit einem Food Truck selbständig zu machen. Besonders beeindruckt hat die beiden Stadträtinnen die Willkommenskultur, unter anderem durch die Nichtregierungsorganisation "Welcoming America", in der einzelne Städte Mitglieder sind, und die Zusammenarbeit von Initiativen und Organisationen auf lokaler Ebene. "Sie sind sehr vernetzt und das ist nicht so von oben diktiert", sagt Nantcha.

Außerdem gebe es sehr viel mehr Privatleute und Stiftungen, die Geld zur Verfügung stellen. Die Banken seien gesetzlich dazu verpflichtet, Geld zu spenden, was sich Nantcha auch für Deutschland wünschen würde. Dass nicht nur Staat und Stadtverwaltung in der Pflicht sind, hält auch Karakurt für ein übertragbares Modell. Auch das "Utah Refugee Education and Training Center" sei nachahmenswert. Dort würden Flüchtlinge nicht nur für den Arbeitsmarkt fit gemacht, sondern auch in kulturellen Fragen und im menschlichen Umgang.

"Jetzt-erst-recht-Stimmung" bei Flüchtlingsorganisationen

Das Ziel des Austauschprogramms ist es herauszufinden, welche Projekte und Strategien auch im jeweils anderen Land funktionieren könnten. Schon bei der letzten Station in Los Angeles hat die Freiburger Delegation damit begonnen, einen Aktionsplan auszuarbeiten, der aber noch nicht ganz fertig ist. Er soll zunächst mit dem Amt für Migration, der Arbeitsagentur, der Stadtverwaltung und Wohlfahrtsverbänden abgesprochen werden. Im Herbst wird dann eine Delegation aus den USA zum Gegenbesuch nach Deutschland reisen. Ob sie auch nach Freiburg kommt, ist aber noch nicht klar. "Wir hoffen es", sagt Nantcha. Dass der neue US-Präsident Donald Trump für seine harte Linie gegen Einwanderer bekannt ist, bremse die Flüchtlingsorganisationen nicht aus. So haben es auf jeden Fall die beiden Stadträtinnen erlebt. Laut Karakurt herrscht eher eine "Jetzt-erst-recht-Stimmung".

Autor: Daniela Frahm