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03. September 2009 08:04 Uhr

Hilfe für extrem Drogenabhängige

Freiburger Drogenhilfe will ins Heroin-Programm

Der Heroinersatzstoff Diamorphin wird möglicherweise von Mitte nächsten Jahres an in Freiburg an schwerstsuchtkranke Menschen ambulant verabreicht.

  1. 23 Menschen starben 2008 in Freiburg an illegalen Drogen Foto: ddp

Die Drogenhilfe Freiburg, die in der Stadt den Kontaktladen und die Drogenberatungsstelle "Drobs" betreibt, hat den Antrag auf Betreuung des Projekts gestellt.

Freiburg hat die meisten Menschen in Baden-Württemberg, die an illegalen Drogen und an deren Folgewirkungen sterben. 2008 waren es 23 – mehr als in Stuttgart und Mannheim, die sonst diese Statistik anführen.

Um schwerstabhängige Frauen und Männer besser therapieren zu können, kommt per Bundesgesetz jetzt doch die im Landtag lange umstrittene Diamorphin-Abgabe. Das Sozialministerium sieht neun Abgabestellen vor – zwei davon in Freiburg und Singen. Dort sollen Drogenkranke Diamorphin unter ärztlicher Aufsicht erhalten. Für Freiburg bewirbt sich die Drogenhilfe Freiburg um die Betreuung der Abgabe.

"Wir würden das gerne machen", meint Jeanette Piram, die Leiterin der Drogenberatungsstelle Drobs. Die für eine Behandlung mit Diamorphin in Frage Kommenden müssen laut Gesetzgeber mindestens 23 Jahre alt und mehr als fünf Jahre lang drogenabhängig sein. Jeanette Piram schätzt die Zahl aus diesem Kreis in Freiburg auf 30 bis 50; realistisch sei, dass 20 bis 25 an einem solchen Projekt teilnehmen würden. Diamorphin verschaffe den Konsumenten das gleiche Hochgefühl wie Heroin. Es sei dadurch auch für Leute interessant, die durch das Methadon-Programm nicht erreicht werden können. Methadon hat keine berauschende Wirkung, sondern unterdrückt nur das Verlangen nach Heroin.

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Im Gegensatz zu Methadon, das einmal wöchentlich ausgegeben wird, wird Diamorphin zwei bis dreimal täglich verabreicht. "Die Patienten erhalten dabei immer die gleiche Dosis mit dem gleichen Reinheitsgrad. Dadurch ist der Konsum nicht mit dem von Straßenheroin vergleichbar, da der Kick des Ungewissen fehlt", sagt Jeanette Piram. "Unter anderem deshalb lösen sich viele Patienten und Patientinnen in der Betreuung nach geraumer Zeit von Diamorphin." Durch die aufwendige Betreuung sei die Therapie in ihrer Intensität fast mit einer stationären Hilfe vergleichbar. Die Suchtkranken sollen durch die Behandlung langfristig von der Sucht befreit, entkriminalisiert und sozial integriert werden. Diamorphin-Patienten werden deutlich weniger straffällig, wie ein Modellprojekt in Karlsruhe zeigt.

Die Frage nach den Trägern des Projekts in Freiburg ist bislang noch ungeklärt. Welche Kosten auf die Stadt zukommen und ob das Land sich beteiligt, ist ebenfalls unklar. Solange das endgültige Konzept noch nicht verabschiedet ist, warte die Stadtverwaltung noch ab, sagt deren Sprecherin Petra Zinthäfner. "Es müssten geeignete Räume gemietet und Personal für die medizinische Versorgung und die soziale Betreuung eingestellt werden", so Jeanette Piram. Falls das Thema im Herbst den Landtag passiert, könnte im Laufe des kommenden Jahres bereits eine Einrichtung zur Abgabe von Diamorphin in Freiburg mit ihrer Arbeit beginnen.

Autor: Olaf Völker