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15. September 2010 18:11 Uhr

Isfahan

Freiburger Gemeinderat plant Resolution gegen drohende Steinigung

Wegen Ehebruchs soll in Freiburgs Partnerstadt Isfahan eine Frau gesteinigt werden. Während in anderen Städten der Protest bereits hochkochte, hielt sich Freiburg bislang zurück. Jetzt wollen die Fraktionen von CDU und SPD eine Resolution.

  1. Sie soll gesteinigt werden: die Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani. Foto: dpa

Die Fraktionen von CDU und SPD wollen in der nächsten Gemeinderatssitzung am 5. Oktober über eine Resolution gegen die drohende Steinigung der Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani abstimmen lassen. In dieser wird die Aufhebung des Todesurteils und eine erneute Prüfung des Falls der 43-jährigen Frau gefordert, die wegen angeblicher ehebrecherischer Beziehungen zum Tod durch Steinigung verurteilt worden war.

Der Gemeinderat soll – so der Resolutionsentwurf – seine Ablehnung der Todesstrafe betonen und die "besonders brutale Hinrichtungsform der Steinigung" verurteilen. Das Gremium sei sich aufgrund von Freiburgs Städtepartnerschaft mit Isfahan seiner besonderen Verantwortung bewusst, gegen die drohende Hinrichtung Mohammadi-Ashtianis "auf das Schärfste" zu protestieren.

Kontakte gibt es weiter

Verschiedene Medien, so die Zeitung "Die Welt" und der SWR, hatten jüngst in Beiträgen an der vor zehn Jahren geschlossenen Städtepartnerschaft scharfe Kritik geübt. OB-Sprecher Walter Preker betonte am Mittwoch einmal mehr, dass die Städtepartnerschaft aufgrund der israelfeindlichen Haltung der iranischen Regierung seit fünf Jahren offiziell auf Eis liege.

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Kontakte gibt es aber weiterhin zwischen den Einwohnern beider Städte, vor allem im kulturellen Bereich. Im Juli gastierte ein Chor aus Isfahan mit Chören aus Freiburg, Granada und Padua auf dem Zelt-Musik-Festival.

Gute Kontakte nach Isfahan unterhält seit langem auch das Theater im Marienbad. Zudem kooperieren Wissenschaftler beider Universitäten. Dass diese Kontakte durch die Resolution leiden könnten, glaubt OB-Sprecher Preker nicht. Initiiert haben den Resolutionsentwurf die Stadträte Stefan Schillinger (SPD) und Daniel Sander (CDU).

Hoffen auf einstimmige Verabschiedung

Schillinger zeigte sich persönlich sehr skeptisch gegenüber der Partnerschaft. Man müsse sich fragen, was eine Partnerschaft wert ist, die seit Jahren und auf unbestimmte Zeit auf Eis liege. "Das muss neu geprüft werden." Dass Oberbürgermeister Dieter Salomon jetzt nichts zum Thema sage, "das kann man nicht machen", findet der SPD-Stadtrat.

Sander und Schillinger hoffen, dass die Resolution möglichst einstimmig verabschiedet werde.

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Autor: Frank Zimmermann