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22. November 2011

Umweltpolitik

Freiburger Vision: Klimaneutrale Stadt im Jahr 2050

Wenn Freiburg bis zum Jahr 2050 den CO2-Ausstoß stoppen will, hilft nur ein radikales Umdenken.

  1. Es braucht noch viel mehr solcher Projekte wie das Passivhochhaus in der Bugginger Straße Weingarten. Foto: Ingo Schneider

Die Liste hat es in sich: Energieverbrauch halbieren, Heizöl und Erdgas in Haushalten durch erneuerbare Energien ersetzen, Autoverkehr drastisch reduzieren. Und dann bräuchte es noch Milliardeninvestitionen, um den Freiburger Altbaubestand energetisch auf den Stand der Technik zu bringen. Das sind ein Teil der radikalen Vorgaben, wenn Freiburg im Jahr 2050 eine klimaneutrale Stadt sein will. Den Weg zu diesem Ziel beschreibt eine Studie, die gestern im Rathaus vorgestellt worden ist.

Weg mit möglichst allen Treibhausemissionen – so heißt die ehrgeizige Vorgabe. Das Öko-Institut hat mit Unterstützung der Energieagentur Regio Freiburg und dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in einer Studie der Stadtverwaltung einmal vorgerechnet, welche gewaltigen Anstrengungen nötig sein werden, um eine Klimaneutralität zu erreichen. Die Untersuchung wurde vom Land finanziert, an dessen Wettbewerb "Klimaneutrale Kommune" Freiburg als eine von acht Städten teilnimmt.

"Das vorliegende Szenario zeigt uns, welch radikaler Bruch im Denken und Handeln nötig wäre", kommentierte Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) die Studie. Und natürlich hätten alle Freiburger Anstrengungen nur einen Sinn, wenn Bund, Land und Europa mit entsprechenden Vorgaben mitziehen.

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Was konkret zu tun ist, das umriss am Montagnachmittag vor der Presse Christof Timpe vom Öko-Institut. Die Einschnitte wären hart. Pro Kopf müssten die C02-Emissionen von heute 8,5 Tonnen auf 0,65 Tonnen im Jahr 2050 gesenkt werden. Auf dem Weg dorthin bräuchte es allein rund 2,6 Milliarden Investitionen in die energetische Sanierung von Gebäuden. Nicht alle Investitionen würden sich durch Kosteneinsparung beim Energieverbrauch rechnen. Aber: Ansonsten müsste man wegen der Folgen des Klimawandels "Deiche bauen", so Timpe. Das Sanierungspaket würde immerhin 4400 Arbeitsplätze bringen. Um entsprechende Anreize für Hausbesitzer zu schaffen, bräuchte es entsprechende Förderprogramme auf Ebene des Bundes oder gar der EU. Derzeit werden in Freiburg jedes Jahr 1,5 Prozent des Wohnungsbestandes saniert. Diese Quote müsste verdoppelt werden und das mit höchsten Standards, wenn es Richtung Klimaneutralität gehen soll, so Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Das Freiburger Zwischenziel lautet, dass bis zum Jahr 2020 ein Viertel der gesamten Wohnflächen hochwertig saniert ist.

Die Studie legt auch dar, dass beim Erzeugen der Raumwärme für Privathaushalte schon bis zum Jahr 2030 kein Heizöl mehr eingesetzt wird und auch kein Erdgas. Stattdessen müssten Nah- und Fernwärme regenerativ erzeugt werden. Der Stromverbrauch insgesamt müsste in Freiburg um 65 Prozent gesenkt und bis 2050 zu 70 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Dazu müssten, so rechnete Bürgermeisterin Stuchlik vor, der Photovoltaik-Ausbau wie bisher weiterlaufen und vier zusätzliche Windräder gebaut und die bestehenden durch neue Technik aufgerüstet werden.

Was bedeutet die neue Studie nun konkret? Die Stadt will laut Bürgermeisterin Stuchlik nun schnell untersuchen, ob sie die 2006 beschlossenen Klimaschutzziele noch einmal verschärft. Beim Land wird Freiburg zwei Projekte zur Förderung einreichen. Ein (Alt-)Stadtteil, so eine Idee, könnte zum energetischen Vorzeigequartier werden, mit optimierter Energieversorgung und hohen energetischen Standards. Projekt zwei ist ein modernes Mobilitätskonzept, das den Autoverkehr reduziert. Verschiedene Verkehrsarten sollen optimal miteinander kombiniert werden, etwa durch mehr Carsharing und Carpooling, also der Bildung von Fahrgemeinschaften.

Autor: Joachim Röderer