Neugestaltung

Freiburgs neue Mitte: Der Platz der Alten Synagoge ist freigegeben

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mi, 02. August 2017 um 16:03 Uhr

Freiburg

Der Platz der Alten Synagoge ist seit Mittwochmittag für die Öffentlichkeit freigegeben. Freiburgs neue Mitte mit dem Gedenkbrunnen an die Synagoge, Wasserspielen und Holzbänken zog sofort Passanten an. "Dieser Platz wird leben", meinte Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Nach nur 16 Monaten Bauzeit ist am Mittwochvormittag der neue Platz der Alten Synagoge frei gegeben worden. Mehrere hundert Menschen – viel mehr als erwartet – feierten die Eröffnung mit. Für bewegende Momente sorgte der Holocaust-Überlebende Felix Rottberger der auf Hebräisch und Deutsch ein Gebet sprach.

Wasserfontänen und Gedenkbrunnen

Eigentlich sollte der rund 9,3 Millionen Euro teure Platz-Umbau erst im November fertiggestellt werden. Doch die sizilianische Pflästerertruppe hat dermaßen aufs Tempo gedrückt, dass nun schon im Hochsommer bei annähernd süditalienischen Temperaturen die neue Freiburger Mitte frei gegeben werden konnte. Schon vor der offiziellen Eröffnung hatte sich der 130 mal 130 Meter große Platz gefüllt. Dutzende Kinder und auch Erwachsene plantschten im Gedenkbrunnen mit den Umrissen der Synagoge mit zehn Zentimeter hohem Wassertisch. Auf Knopfdruck setzte Oberbürgermeister Dieter Salomon die zwölf Wasserfontänen auf der nordwestlichen Platzseite in Gang – auch ein Anziehungspunkt für den Freiburger Nachwuchs. Viele Erwachsenen beobachteten die Szenerie von den Holzpodesten und Bänken unter den Bäumen.

"Schon nach wenigen Minuten ist dieser Platz von der Bevölkerung angenommen worden." OB Dieter Salomon
OB Salomon ging in seiner Ansprache auf die Geschichte der Umgestaltung des Rotteckrings ein, die auch die Freiburger Fußgängerzone erweitert. Zentrales Element dieses Großprojekt sei der Platz der Alten Synagoge, der Freiburgs neue urbane Mitte sei. Auch die Architekten Martin Schedlbauer und Volker Rosenstiel, welche 2006 den neuen Platz entworfen haben, waren bei der Eröffnung mit dabei.

Die Pläne für die Gestaltung mit den Steinplatten und viel Freifläche sorgten für viel Kritik – Stichworte Steinwüste. "Schon nach wenigen Minuten ist dieser Platz von der Bevölkerung angenommen worden", konstatierte der Oberbürgermeister. Er erwähnte auch die Geschichte der 1870 erbauten und in der sogenannten Reichspogromnacht 1938 von Nazis zerstörten Synagoge der jüdischen Einheitsgemeinde. Der Brunnen sei ein würdiges Gedenken – ein Mahnmal, aber auch ein lebendiger Ort: "Denn Wasser symbolisiert Leben", so der OB.

Gunther Neuhaus, Prorektor der Albert-Ludwigs-Universität, lobte ebenfalls den neuen Platz, an dem sich Stadt und Universität treffen würden. Spontan und in Abänderung des offiziellen Ablaufplans meldete sich dann noch der 80 Jahre alte Felix Rottberger zu Wort. Rottberger hat den Holocaust überlebt und sich für die Jüdische Gemeinde jahrzehntelang als Verwalter um den Jüdischen Friedhof gekümmert. Er wolle an einem Tag, an dem so viele Menschen auf dem Platz stünden, an die ermordeten sechs Millionen Juden erinnern: "Auch wenn ich kein Rabbiner bin, will ich ein Gebet sprechen."

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