Messung

Freiburgs Waldtraut ist der höchste Baum Deutschlands

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 21. März 2017 um 13:44 Uhr

Freiburg

Sie wächst und wächst: Die über 100 Jahre alte Douglasie "Waldtraut" in Freiburg ist frisch vermessen – und mit 66,58 Metern noch immer der höchste Baum der Republik.

"Waldtraut" ist seit 2008 offiziell Deutschlands höchster Baum und am Dienstag neu vermessen worden. Ergebnis: "66,581 Meter", melden Elmar Pfeiffer und seine Vermessungstechniker-Klasse am Mittag. Damit ist und bleibt die Douglasie die Größte. "Uns ist jedenfalls kein Baum bekannt, der amtlich vermessen höher wäre", sagt Andreas Schäfer vom Freiburger Forstamt.

Alles fing mit dem anderen höchsten Baum Deutschlands an: Einst reklamierte Eberbach am Neckar den Rekordbaum für sich. Doch Freiburgs früherer Forstamtschef vermutete, dass im Stadtwald eine der höchsten Douglasien steht, erzählt Schäfer. Messungen der Förster ergaben einen Rekordwert. 2008 schließlich klärte die Uni Karlsruhe die Sache mit Lasertechnik: Waldtraut war 63,33 Meter hoch und damit 1,73 Meter höher als die Eberbacher Douglasie.

Praxis mitten im Wald

Seither wurde Waldtraut einige Male gemessen, zuletzt vor drei Jahren. Mit Pflöcken, Stangen, Stativen und Geräten rückte am Dienstagmorgen die B1VT1-Crew im Auftrag des Forstamtes an – erste Klasse Bau, erstes Lehrjahr Vermessungstechnik der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule in Freiburg.

Lehrer Pfeiffer erteilt ihnen praktischen Unterricht mitten im Revier Günterstal in vertikaler und horizontaler Höhenmessung. Der angehende Berufsschullehrer hat auch schon das Riesenrad auf der Messe zum Unterrichtsgegenstand gemacht. Der 49-Jährige kommt selbst aus der Praxis, er hat früher als Vermessungsingenieur bei der Stadt gearbeitet – auch schon bei Waldtraud.

Mit Pflöcken und Tachy

Jonas Ketterer stellt am Fuß der Douglasie das Nivelliergerät auf. "Jetzt müssen wir erstmal die Mitte bestimmen", sagt der 20-Jährige. Währenddessen tragen seine Klassenkameraden die Gerätschaften weiter den Waldweg entlang. Pfeiffer schlägt einen Pflock in den Boden und sprüht ihn orange an, ein Schüler stellt einen Stab darauf.

Etwas weiter weg das Ganze nochmal, so dass der Baum und die beiden Standorte in einer Geraden liegen. Försterdreieck war gestern: Die Gruppe holt "Tachy1" aus seiner Box und baut ihn aufs Stativ. "Der Tachymeter misst Strecke und Winkel", erklärt Franziska Vetter (19), Auszubildende im Landratsamt.

Vermesser arbeiten mit Gon statt Grad

Die Klasse misst die Strecke zwischen den Standpunkten – 38,571 Meter – und jeweils den Winkel zwischen der Senkrechte überm Gerät und der Baumspitze. "Und dann können wir mit dem Tangens die Höhe vom Baum ausrechnen", sagt Lars Niehsen (18), der ebenso beim Vermessungsamt der Stadt lernt wie Danny Kolleth (17). Der erste Zenithwinkel hat 66,2361 Gon, geben die jungen Männer ihrer Klassenkameradin mit Klemmbrett durch, die alles auf einem Blatt einträgt.

Pfeiffer gibt Erläuterungen zu Katheten und Sinussatz und geht ein Stück in den Wald. Gemessen wird von vier Standpunkten – zwei im vertikalen Dreieck, zwei im horizontalen Dreieck. "Zweimal, weil man sich ja mal vermessen kann", meint Niehsen. Bestimmen muss die Klasse auch die Höhe der Instrumente und die Bodenhöhe, sie arbeitet gut drei Stunden, bis sie die Höhe hat.

Azubis leisten saubere Arbeit

Sie vermisst sich nicht. "Die Schüler haben das perfekt gemacht", sagt Elmar Pfeiffer. Ihre Ergebnisse liegen nur sechs Millimeter auseinander. Saubere Arbeit, meint der Lehrer. Gemittelt liegt Waldtrauts Höhe bei 66,581 Metern.

Damit legt sie auch im hohen Alter noch 30 bis 33 Zentimeter im Jahr zu. "Botanisch ist sie ja noch jugendlich", sagt Schäfer vom Forstamt.

Die Konkurrenz steht noch

Die namenlose Eberbacher Douglasie steht übrigens auch noch, sagt Förster Hubert Richter auf BZ-Anfrage. Sie ist etwa gleich alt und wurde schon länger nicht mehr gemessen, aber am Ranking dürfte sich nichts geändert haben, meint Richter. Baumjugend hin oder her: "In dem Alter machen die Douglasien ja nicht mehr so Höhensprünge."

Richter war mal als Tourist in Freiburg und fragte in der Tourist-Info: "Wo finde ich denn die Waltraut?" Die hat heute frei, hieß es da. Förster Richter hat damals den genauen Standort nicht herausbekommen und den Baum nicht live gesehen.

Auf zu Waldtraut: Der Weg an den Illerberg ist vom Waldhaus (Wonnhalde 6) und von der Bushaltestelle der Linie 21 "Kyburg" ausgeschildert. Wer Waldtraut einen Jubiläumsbesuch abstatten will, marschiert etwa zwei Stunden bis zu ihrem Standort.