Berlin / Freiburg

Gauck ehrt Zollitsch mit dem Bundesverdienstkreuz

kna, hub

Von kna & Alexander Huber

Mo, 06. Oktober 2014 um 14:54 Uhr

Freiburg

Der ehemalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern erhalten. Bundespräsident Joachim Gauck zeichnete insgesamt 37 Bürger mit dem Verdienstorden aus.

Bundespräsident Joachim Gauck zeichnete den früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz im Berliner Schloss Bellevue zusammen mit weiteren 19 Männern und 16 Frauen aus. Unter ihnen sind die Sopranistin Annette Dasch, der Schauspieler Götz George, der Astrophysiker Reinhard Ginzel, der Komponist Wolfgang Rihm und der Fernsehjournalist Gerd Ruge. Sie erhielten das Ehrenzeichen für soziales, künstlerisches, gesellschaftspolitisches oder kirchliches Engagement.

Leidenschaftlicher Brückenbauer

Der 76 Jahre alte Zollitsch erhielt den Verdienstorden für seine gesellschaftspolitischen Beiträge sowie seinen Einsatz für die Ökumene, den jüdisch-christlichen Dialog und die Versöhnung mit Polen. "Seine persönlichen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg haben ihn zu einem leidenschaftlichen Brückenbauer und engagierten Europäer werden lassen", hieß es in der Laudatio. Zollitsch wertete die Verleihung als "Zeichen, dass das Engagement der Kirche in der Gesellschaft anerkannt wird".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, dass das Wirken seines Amtsvorgängers "auf deutliche Weise durch das Mühen geprägt war, den bischöflichen Zusammenhalt und die Entfaltung von Freiheit und Gerechtigkeit in unserem Land zu fördern".

Gauck ehrt Waltraud Kannen

Aus Südbaden wurde auch Waltraud Kannen aus Ehrenkirchen vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstkreuz am Bande geehrt. Die Geschäftsführerin der Sozialstation Südlicher Breisgau setzt sich seit vielen Jahren für Menschen mit Demenz ein. Gemeinsam mit den Kommunen im Einzugsbereich der Sozialstation wirkt sie mit an Konzepten zum Umgang mit dem Alter, dem Aufbau von Betreuungsgruppen und der Planung einer Tagespflegeeinrichtung. Über ihre berufliche Aufgabe hinaus engagiert sie sich seit langem auch ehrenamtlich bei der Betreuung von Menschen mit Demenz. Zudem ist sie Vorsitzende des Netzwerkes "Freiburger Modell" - Wohnformen für Menschen mit Demenz (www.freiburger-modell.de), hat eigenständig Gruppen für Betroffene aufgebaut und war einige Jahre im Vorstand der "Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg" als Beisitzerin aktiv. Außerdem hat sich Waltraud Kannen auch kommunalpolitisch im Gemeinde- und im Kreisrat engagiert.

Die Sozialstation Südlicher Breisgau hat ihren Sitz in Bad Krozingen. Sie ist in allen Fragen der häuslichen Pflege da, z.B. bei Krankheit, Demenz, eingeschränkter Mobilität und in der letzten Lebensphase. Seit der Gründung 1975 hat sich aus der traditionellen Gemeindekrankenpflege ein hochspezialisiertes Pflege- und Beratungszentrum entwickelt. Als ihre Stärke gilt die aktivierende Pflege nach dem Motto "Prävention vor Pflege". Die Sozialstation Südlicher Breisgau wird von den katholischen Kirchengemeinden des Einsatzgebiets getragen und durch die evangelischen sowie die politischen Gemeinden unterstützt.

Zu den weiteren Geehrten aus dem Raum der Kirchen zählen die evangelische Präsidentin des ersten bundesweiten Ökumenischen Kirchentags 2003 in Berlin, Elisabeth Raiser, sowie die Migrationsbeauftragte des Bistums Magdeburg, Monika Schwenke.

Akteure der Demokratiebewegung

Geehrt wurde auch das Engagement mehrerer Akteure der Demokratiebewegung in der DDR. So erhielten der evangelische Pfarrer und Mitbegründer der Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt", Stephan Bickhardt, sowie der Kabarettist und Mitverfasser des Leipziger "Appells zur Gewaltlosigkeit", Bernd-Lutz Lange, das Verdienstkreuz.

Gauck betonte, es sei ermutigend zu sehen, wie viel Ideenreichtum und Leistungsbereitschaft, Solidarität und Verantwortungsbewusstsein in den Lebensläufen und Engagements der Ausgezeichneten stecke. Es seien Geschichten von Menschen, die etwas bewegt hätten und bewegten, weil sie selbst von etwas erfasst seien.

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