Erzbischof Stephan Burger

GESICHT DER WOCHE: Ehrenmütze mit Katzenschwanz

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 17. Dezember 2017

Freiburg

Exquisite Kopfbedeckungen sind für einen Erzbischof nichts Besonderes, doch bald darf der Freiburger Kirchenfürst Stephan Burger eine weitere ausgefallene Kappe tragen: die Ehrenmütze mit dem Katzenschwanz der hiesigen Narrenzunft der Fasnetrufer. Alexander Schöpe, Zunftvogt bei den Fasnetrufern, begründete dies diese Woche so: Erzbischof Burger gehe nicht nur sehr offen auf seine Mitmenschen zu, ihn charakterisiere auch ein "gehöriges Maß" an Humor.

Stephan Burger, seit Sommer 2014 Freiburger Erzbischof und

Metropolit der Oberrheinischen Kirchenprovinz, besticht dabei längst mit denkwürdigen Auszeichnungen: So ist er auch "Großoffizier des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem" oder "Großprior der deutschen Statthalterei" sowie "Mitglied des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande".

Die Nachricht, dass er am 13. Januar anlässlich eines Zunftabends der Fasnetrufer in Freiburg St. Georgen die Ehrenmütze aufgesetzt bekommt, könnte der Erzbischof als ein kleines Trostpflaster empfinden für den Stress, dem ihn einer seiner Dekane ausgesetzt hat. Denn diese Woche musste das Erzbischöfliche Ordinariat bekanntgeben, dass das Erzbistum Freiburg bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den Pfarrer erstattet hat.

Aus einem Prüfungsbericht des Erzbischöflichen Rechnungshofs habe sich nämlich der Verdacht ergeben, der inzwischen krankheitsbedingt von seinen Aufgaben freigestellte Dekan könne sich zum Schaden kirchlicher Einrichtungen persönlich bereichert haben.

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte der Geistliche mit Scheinrechnungen sowie unrechtmäßigen Honoraren für Beratungstätigkeiten operiert sowie Rechnungen für "eine eigene Firma" in Anspruch genommen haben und sich persönliche Einrichtungsgegenstände von kirchlichen Stellen bezahlt lassen haben. Es bestünden "starke Anhaltspunkte" für Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit, Betrug und Steuerhinterziehung. Diese Woche ließ die Staatsanwaltschaft Mannheim die Diensträume des Beschuldigten durchsuchen, und das Amtsgericht Mannheim hat gegen den Ex-Dekan Haftbefehl wegen Verdunkelungs- und Fluchtgefahr erlassen.

Unlängst war bekannt geworden, dass dem Erzbistum für nicht abgeführte Rentenbeiträge Nachzahlungen in Höhe von 160 Millionen Euro drohen. TN