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09. Oktober 2010
Gestaltungs- und Geschmacksfragen
Am Donnerstag stellte die Stadtverwaltung die neuen Pläne für den Platz der Alten Synagoge vor: 250 Bürgerinnen und Bürger kamen.
In sieben Jahren wird Freiburgs Innenstadt anders aussehen als jetzt: Kronen- und Werthmannstraße, Rotteck- und Friedrichring werden umgestaltet, die Stadtbahn wird verlängert. Vorausgesetzt natürlich, alles klappt so, wie es die Planungen vorsehen. Am Donnerstag Abend begann für dieses seit zwölf Jahren laufende Mammutprojekt das Bebauungsplanverfahren. Rund 250 Bürgerinnen und Bürger waren ins Historische Kaufhaus gekommen, um sich zu informieren und zu diskutieren.
"Diese Stadtentwicklung ist eine riesige Chance", sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon: Es hätte das Motto dieses Abends sein können. Mit einer ganzen Phalanx an Experten war die Stadtverwaltung angerückt, um den großen Wurf in Sachen Stadtentwicklung zu erklären, und rund 250 Bürgerinnen und Bürger interessierte das. Den meisten von ihnen ging es vor allem um den Platz der Alten Synagoge – nicht verwunderlich, da der Siegerentwurf für den Gestaltungswettbewerb in diesem Jahr hitzig diskutiert worden war. Die öffentliche Kritik zeigte Wirkung: Der Platz vor den Kollegiengebäuden der Uni hat nun mehr Bäume, das umstrittene Platzhaus ist verschwunden (die BZ berichtete).Werbung
Doch es gibt immer noch einen harten Kern von Kritikern, die sich mit der "Steinwüste", wie sie es nennen, nicht abfinden wollen. Sie hätten lieber eine Rasenfläche oder einen Park im Herzen der Stadt, ungeachtet der Meinung der Experten, die da lautet: Für so einen urbanen Kreuzungspunkt braucht man einen "nutzungsneutralen" Platz zum Flanieren ebenso wie zum Demonstrieren. "Augustinerplatz und Münsterplatz waren auch mal grün", gab Planungsamtsleiter Wulf Daseking zu bedenken, "und heute vermisst das niemand." Große und kleinteiligere Anmerkungen gab es bei der Diskussion. Landschaftsarchitekt Martin Schedlbauer (Faktorgrün) versicherte, der Platz werde einen rötlich-gelben Granitbelag bekommen, der nicht spiegelt – das nämlich hatte eine Bürgerin befürchtet. "Ist der auch aus nachhaltigem Abbau?", wollte eine andere wissen. Eine Wippe auf dem Platz wünschte sich eine Mutter.
Auch Geschmacksfragen, die das Gesamtprojekt betrafen, kamen aufs Tapet: Wie "Brautsträuße auf Bohnenstangen" sähen die künftigen Bäume vor dem Colombipark aus, monierte ein Teilnehmer. Als Projektleiter Hendrik Schmitt-Nagel die sogenannten Würfelbäume als "markant" bezeichnete, gab es Unruhe im Saal. "Grauenvoll" und "am besten Plastikbäume" rief es von etlichen Plätzen. Ein Gesamtkonzept für die Kunstmäler am Ring forderte jemand. Kritik gab’s an der neuen, nördlichen Einfahrt der Rotteckgarage: Das sei nicht gut gelöst. Die dynamischen Haltestellen der Stadtbahn sollten für Sehbehinderte besser eingerichtet sein, regte ein Vertreter des Rings der Körperbehinderten an.
Was am Donnerstag diskutiert wurde, prüft die Verwaltung, wenn sie den Bebauungsplan entwirft. Wenn dieser im Juni nächsten Jahres offengelegt wird, gibt’s noch eine Runde Bürgerbeteiligung. 2014 beginnt der Gleis- und Straßenbau, 2017 soll bis zum Siegesdenkmal alles fertig sein.
Autor: Simone Lutz
