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16. Juli 2011

"Grenzwertig, provokativ, verletzend"

DREI FRAGEN ANMichael Wehner, Landeszentrale für politische Bildung, zum "Bildungsüberfall".

  1. Michael Wehner Foto: i. schneider

Die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) will am Montag im Stadtteil Weingarten mit einer ungewöhnlichen Aktion für Demokratie werben. Ab sechs Uhr morgens wecken Mitarbeiter der LpB Menschen mit einem Frühstückspaket und Informationen zum Grundgesetz. Wie dieser "Bildungsüberfall" funktionieren soll, wollte Sebastian Wolfrum von Michael Wehner, Leiter der LpB in Freiburg, wissen.

BZ: Sie wecken Menschen um sechs Uhr morgens, um sie für politische Bildung zu begeistern. Glauben Sie wirklich, dass den Leuten das gefällt?

Michael Wehner: Die Aktion ist grenzwertig, provokativ und verletzend, das stimmt. Aber darauf bauen wir ja auch. Wir stören Menschen in ihrem privaten, vom Grundgesetz geschützten Bereich und hoffen auf einen Lerneffekt. Die Menschen sollen erkennen, wie wichtig Demokratie und Grundrechte sind, was sie für den einzelnen konkret bedeuten können. Wir sind aber nicht so blauäugig zu glauben, dass das jedem passt. Vielleicht müssen wir an mancher Tür Fersengeld geben.

BZ: Und wie bringen solche provokanten Aktionen die politische Bildungsarbeit weiter?

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Wehner: Politische Bildung darf nicht nur an der Uni oder in Seminarräumen stattfinden. Da gehen viele Menschen nämlich nicht hin. Und nur Menschen weiterbilden, die sich sowieso für Politik interessieren, ist nicht unsere Aufgabe. Wir müssen deshalb in den öffentlichen Raum, um an die Leute ranzukommen. Und so bekommen wir einen Fuß in die Tür, erzeugen Aufmerksamkeit.

BZ: Und warum gehen Sie mit Frühstücksmilch, Brezeln und dem Grundgesetz nach Weingarten?

Wehner: In Weingarten gab es bei den letzten Wahlen eine sehr niedrige Wahlbeteiligung. Demokratie lebt aber davon, dass die Bürger mitmachen, sonst wird sie fragwürdig. Dazu gehört übrigens nicht nur wählen, auch die Arbeit in Vereinen und soziales Engagement sind wichtige Pfeiler.

Autor: swo