Stadtteil Brühl-Beurbarung

Widerstand gegen die geplante Verlegung der Tramgleise

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 17. Januar 2017 um 10:07 Uhr

Freiburg

Die Verlegung einer kleinen Tramtrasse ist ein großes Thema im Stadtteil Brühl-Beurbarung. Die Anwohner sind dagegen. Das Projekt sei Geldverschwendung, gefährde Radler und Fußgänger und kille 100 Bäume.

Doch Anwohner sind dagegen. Die meisten Fraktionen des Gemeinderats fragen jetzt nach Details. "Das Projekt ist völliger Unfug", meint Wolf-Dieter Winkler von "Freiburg Lebenswert".

Die Fraktionen haken nach: Wie steht’s um das Projekt, um Stau und Kosten? Und was würde die Sanierung der alten Trasse kosten? Genauer will es "Freiburg Lebenswert" wissen, beeindruckt von der Bürgerinitiative "Waldkircher Straße ohne Tram", die für einen Stopp des Vorhabens bei vielen Fraktionen warb. Der Widerstand aus beiden Straßen hatte sich nach einem amtlichen Infoabend vergangenen Sommer formiert. Die Hauptkritik: Das 13,6 Millionen Euro teure Projekt sei Geldverschwendung, verursache mehr Staus, gefährde Radler und Fußgänger, zudem würden 100 Bäume gefällt.

Die VAG sieht "enormes Potential" in der neuen Strecke

Die Trasse ist 900 Meter lang, fast 70 Jahre alt und müsste saniert werden. Die Gleise sollen in die Parallelstraße verlegt werden, dort durch zwei Kreisverkehre führen und das Güterbahnhofsareal andocken, auf dem bald 7800 Menschen wohnen und arbeiten. "Ein enormes Potenzial", sagt die Verkehrs-AG. Die Haltestellen würden barrierefrei, Verkehr würde gebündelt und die Komturstraße ruhiger.

Barrierefreiheit und eigener Gleiskörper könnte es auch in der Komturstraße geben, meint Winkler. Wenn die Tram durch die Kreisel fahre, blockiere sie Quer- und Geradeausverkehr. Bürgervereinschef Wolfgang Keffer hat Verständnis für die Anbindung des Areals, aber Bedenken wegen des Verkehrs. "Der steht in der Rushhour schon ohne Tram." Das Rathaus habe nicht gesagt, was das Modernisieren der Komturstraße kosten würde. Winkler teilt den Verdacht der Gegner, die Trasse würde verlegt, "weil das Land einen Großteil der Kosten übernimmt".

Straßenbahn im Kreisverkehr

"Stimmt nicht", sagt Frank Uekermann vom Garten- und Tiefbauamt. Von 13,6 Millionen Euro für die Verlegung müssten Stadt und VAG 9,6 Millionen zahlen. Die Sanierung der Komturstraße würde keine Zuschüsse bringen und laut VAG grob geschätzt 8,5 bis 9 Millionen Euro kosten, dazu kämen neue Querungen und bessere Radwege, unterm Strich gut 10 Millionen, meint der Amtsleiter. "Das heißt: schlechtere Verkehrslösung und mehr Belastung für den Haushalt."

VAG und Amt halten die Verlegung für das Beste, das Areal werde ideal und der Rest nicht viel schlechter angebunden. In der Komturstraße wäre Barrierefreiheit bestenfalls bedingt, ein separater Gleiskörper nicht möglich, erklärt VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt. Nach der Sanierung fiele das gewünschte Tempo 30 weg, sagt Uekermann. In der Waldkircher Straße bekämen Fußgänger mehr Ampelübergänge und einen breiteren Gehweg, Radler ausreichend breite Fahrstreifen und auch die Kreisverkehre seien sicher. Es wären Freiburgs erste Kreisel mit Tram und Ampel. Wenn keine Bahn kommt, läuft’s flüssiger als mit einer normalen Kreuzung; kommt eine, blockieren Autos den Geradeausverkehr nicht, so Uekermann – "wenn man sich ordentlich hinstellt". Der erste Entwurf wurde nachgebessert. So sollen maximal 80 Bäume gefällt und in etwa so viele gesetzt werden, der Verkehrsablauf weiter optimiert werden. Für Autos wäre es wie heute: "Die Drossel an der Zähringer Straße haben wir halt." Das Problem werde erst die B3-Umfahrung lösen, Baubeginn allerfrühestens 2020.

Im Frühsommer soll es einen weiteren Infoabend geben, dann der Bebauungsplan in Offenlage gehen. Der Gemeinderat könnte Anfang 2018 entscheiden.

Mehr Infos und Planskizzen unter mehr.bz/waldkircher-tram

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