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16. Juni 2010 19:32 Uhr

Klimatisch im grünen Bereich

Gutachten: Neuer Rotteckring heizt Freiburg nicht auf

Die geplante Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge wird die Stadt nicht aufheizen. Ein Gutachten im Auftrag der Stadtverwaltung kommt zu dem Schluss, dass es keine klimatische Verschlechterung im Vergleich zur derzeitigen Situation geben werde.

Der Umbau des Rotteckrings mit dem Platz der Alten Synagoge und dem Bereich am Colombipark sorgt seit mehr als 20 Jahren für Diskussionsstoff. Daran hat auch der städtebauliche Wettbewerb im Oktober 2006 nichts geändert. Im Gegenteil: Während der siegreiche Entwurf der Freiburger Büros Rosenstiel und Faktorgrün den Vorsitzenden der Wettbewerbsjury Albert Speer von einem "urbanen Platz" schwärmen ließ, rief er auch zahlreiche Kritiker auf den Plan. Zu teuer, zu wenig Grün, keine Begrenzung Richtung Norden, zu wenig Sitzgelegenheiten. Überhaupt: eine Steinwüste. Und vor allem: Der umgestaltete Platz werde die Stadt in Zeiten des Klimawandels aufheizen.

Heißer Augusttag für Modellrechnung

Diese Befürchtung griff das federführende Garten- und Tiefbauamt auf und holte sich ein mikroklimatisches Gutachten vom privaten Freiburger Fachbüro "Richter und Röckle" ein. Es hat seiner Modellrechnung einen heißen Augusttag zugrunde gelegt. Das Ergebnis: Einige Stellen heizen sich mehr auf, andere weniger als heute – unterm Strich gleiche sich das aus. Das geht aus der verwaltungsinternen Information für den Gemeinderat hervor, die der BZ vorliegt.

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Zum einen erwärmt sich der geplante Granitbelag langsamer als der bestehende Asphalt der Straße. Zum anderen heizt er sich deutlich stärker auf als die Rasenfläche, die sich vor dem Kollegiengebäude II befindet. Die Asphaltflächen sind allerdings derzeit doppelt so groß wie das Rasengrün. "Beide Effekte gleichen sich aus", heißt es in der Untersuchung.

26 Bäume für das Temperaturniveau

Darüber hinaus ist dort, wo die Pläne Bänke und Stufen zum Verweilen vorsehen, für Schatten und Kühlung gesorgt: mit 26 statt derzeit 17 Bäumen, mit einer neuen Wasserfläche, die den Grundriss der einstigen Synagoge spiegeln soll, sowie mit zwei zusätzlichen Wasserflächen vor dem Stadttheater. Schatten sehen die Pläne vor allem am Rande des Platzes vor, wo sich laut Gutachter "durch die Umgestaltung keine spürbaren Veränderungen des Temperaturniveaus" ergeben werden.

Zwar werde es im Innenbereich des Platzes wärmer, doch diene der vermutlich vorwiegend zum Queren. Und es sei zu berücksichtigen, dass außer zur Mittagszeit im Sommer die abstrahlende Wärme der Granitoberfläche "durchaus als angenehm empfunden wird".

Die Klimaproblematik ist jedoch nur ein Aspekt des Riesenprojekts. Es hat auch wegen der geplanten Stadtbahn durch den Rotteckring zum Siegesdenkmal eine Umgestaltung des Platzes vor der Karlskaserne zur Folge, in dem das Sozialamt untergebracht ist.

Neuere Berechnungen der Stadtverwaltung haben die vor zwei Jahren nach oben korrigierte Kostenschätzung bestätigt: Die Umgestaltung des Platzes liegt nun bei 11,4 Millionen Euro, die Tramtrasse bei 30,6 Millionen Euro. Hinzu kommt der Neubau der Kronenbrücke, die zu marode ist für die Stadtbahn und deshalb ersetzt werden muss. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass dafür knapp sechs Millionen zusätzlich kalkuliert werden müssen. Wie hoch der Zuschuss von Bund und Land fürs Gesamtprojekt ist, ist noch nicht klar.

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Autor: Uwe Mauch