Gutes, Schlechtes, Hässliches

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 14. Januar 2018

Freiburg

Der Sonntag Ifo-Chef Clemens Fuest über die Wirtschaft nach einem Jahr Donald Trump.

Manche hatten den Zusammenbruch der US-Wirtschaft und eine weltweite Rezession nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten erwartet. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Die US-Wirtschaft entwickelt sich weiter gut, statt einer globalen Krise gibt es ein stabiles Wachstum. Wer will, findet sogar Anzeichen, dass Trumps Politik des "America first" Früchte trägt: In dieser Woche hat der Autokonzern Chrysler angekündigt, mit einer Fabrik von Mexiko nach Detroit umzuziehen. Hat Trump die Experten Lügen gestraft?

Clemens Fuest (49), Professor für Volkswirtschaft und Direktor des Ifo-Wirtschaftsforschungsinstituts, gab auf diese Frage am Freitag in Freiburg in einem gut einstündigen Vortrag eine fundierte Antwort. Fuest war auf Einladung des Carl-Schurz-Hauses und des Walter-Eucken-Instituts nach Freiburg gekommen. Der Finanzexperte unterteilte die Auswirkungen von Trumps Politik auf die Wirtschaft in den USA und Europa in drei Kategorien, die er nach einem berühmten Italo-Western benannte. Das Gute: Die USA weisen immer noch mit großem Abstand das größte Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf und bleiben damit das reichste Land der Welt. Die Wachstumsprognosen weisen zudem weiter nach oben, während die Arbeitslosenquote sinkt. Überraschend ist für Fuest aber, dass Trump entgegen vollmundiger Ankündigungen keinen Handelskrieg losgetreten hat. Etwa durch Zölle auf Importe aus Deutschland oder China, um gegen unausgeglichene Handelsbilanz vorzugehen. Strafzölle bekämen den USA freilich nicht gut. Das Ifo-Institut hat ein Szenario mit 35 Prozent Zölle auf importierte Waren aus Deutschland durchgerechnet. Deutschland müsste mit Einbußen von 0,3 Prozent des BIP rechnen, während die USA einen Rückgang von statten 7 Prozent Verluste zu verkraften hätten. "Das wäre ein bad deal", kommentierte Fuest im Trumpschen Jargon. Die US-Regierung habe das verstanden und erst einmal die Finger davon gelassen.

Das Schlechte: Das Produktivitätswachstum bleibt in den USA – wie auch in Europa – rückläufig. Dieser Langzeittrend lässt sich seit den 1950er-Jahren beobachten. Langfristig sei das eine Bedrohung für den Wohlstand, sagte Fuest.

Das Hässliche: In den USA gibt es eine extreme Vermögensungleichheit. In einigen Gesellschaftssegmenten sinke in der Folge sogar gegen den Trend die Lebenserwartung, so Fuest. "Das ist ein Alarmsignal." Beobachter machten diese Ungleichheit mitverantwortlich für die Wahl Trumps gegen das Establishment. Die nun verabschiedete Steuerreform werde die Ungleichheit jedoch weiter vergrößern, weil sie große Einkommen stärker entlaste als kleine.

Unterm Strich kommt Fuest zur nüchternen Einschätzung, dass Trump für die Wirtschaft – bislang – keine Katastrophe war. Trumps Wirtschaftspolitik sei zwar nicht Grund für die gute Entwicklung, "aber er hat die Wirtschaft immerhin nicht an die Wand gefahren", so Fuest.

Was insbesondere der EU Angstschweiß auf die Stirn treiben würde, hält Fuest für Kalkül: die enorme Staatsverschuldung der USA. Trotz blendender Wirtschaftszahlen geben die USA 5 Prozent mehr Geld aus als sie erwirtschaften. Dieses Defizit wird durch die Steuerreform bis 2027 auf 7,5 Prozent wachsen. Euro-Staaten sind nur 3 Prozent Defizit erlaubt. Die Republikaner aber wünschen sich einen schlanken Staat. Ein verschuldeter Staat kann weniger ausgeben und weniger Personal beschäftigen. Die hohen Schulden, so Fuest, würden selbst künftige Regierungen an diese Politik binden. "Das ist eine Politik der verbrannten Erde."

Doch die Trumpsche Steuerreform setzt auch den Rest der Welt unter Druck. Hohe Unternehmenssteuern lassen Betriebe abwandern und woanders investieren. Nachdem auch Frankreich ein kräftiges Senken der Unternehmenssteuern angekündigt hat, könnte sich Deutschland bald auf Platz eins der Länder mit den höchsten Steuern finden. Fuest rät daher der Bundesregierung dringend zu handeln.klaus Riexinger