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06. Juli 2016

Greenpeace-Aktion

Wie umweltfreundlich sind die Gartenmöbel Freiburger Händler?

Greenpeace Freiburg vergleicht jedes Jahr die Gartenmöbel der hiesigen Händler – die kritisieren die Bewertungskriterien.

  1. Greenpeace will, das Freiburg noch „urwaldfreundlicher“ wird. Foto: Greenpeace Freiburg

Greenpeace Freiburg hat in den vergangenen Jahren für viel Wirbel in Freiburgs Möbelhäusern gesorgt: Christoph Trautwein und seine Mitstreiter nehmen die Gartenmöbel der hiesigen Händler unter die Lupe. Die kritisieren die Bewertungskriterien der Umweltaktivisten scharf.

Seit nunmehr elf Jahren vergleichen Christoph Trautwein und sein Team von Greenpeace Freiburg die Gartenmöbel der Möbelhäuser in einem jährlichen Vergleich. Erzürnt über den massenhaften Verkauf von Tropenholz aus Raubbau initiierte Trautwein 2005 den ersten Freiburger Gartenmöbelvergleich. Fortan strömten im Frühling jedes Jahres Umweltaktivisten – getarnt als Durchschnittskunden – in die rund zwanzig Möbelhäuser, die in und um Freiburg Gartenmöbel im Sortiment führen. Möbelstücke wurden dabei laut Trautwein unter zwei Gesichtspunkten untersucht: "Für uns ist zum einen entscheidend, um welche Holzart es sich handelt; zum anderen schauen wir, ob das Möbelstück mit dem FSC-Siegel (Forest Stewardship Council, Anmerkung der Redaktion) zertifiziert ist."

Die Möbelhäuser

schneiden besser

ab als früher

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Trautweins Resümee fällt positiv aus. "Während am Anfang noch viele Hölzer aus Indonesien stammten, sind zahlreiche Geschäfte inzwischen auf heimische Alternativen umgestiegen", berichtet der Umweltschützer. Besonders freut ihn, dass Möbelhäuser, "die eine schlechte Bewertung bekommen hatten, auf einmal Alternativen anboten." Als Meilenstein der Kampagne sieht er auch das "Freiburger Abkommen zum Schutz der Urwälder" – eine Selbstverpflichtung der Händler, auf Holz aus Raubbau zu verzichten, die mittlerweile von zehn Geschäften unterzeichnet worden ist.

Wenn es raubeinige und diplomatische Aktivisten gibt, zählt Trautwein wohl eher zu den Diplomaten. Er spricht von "Einigungsprozessen" und davon, dass seine Gruppe die Möbelhäuser "auf ihren Wegen begleiten" wolle. Dass Diplomatie aber nicht das letzte Mittel der Wahl ist, gehört unweigerlich zu der Historie des Gartenmöbelvergleichs: Es ist der Samstag vor Pfingsten des Jahres 2008. Eine mehrköpfige Gruppe um Trautwein besetzt Firmengelände und Dach der Flamme Holzwerkstoffe GmbH im Freiburger Norden und überklebt das Firmenlogo. Der Vorwurf: Die Firma führe Tropenholz aus Raubbau im Sortiment und verweigere sich dem Gespräch.

Wenngleich die beschriebene Episode sicherlich die radikalste Aktion ist, die Trautwein und seine Gruppe in all den Jahren machten – immer wieder fallen die Umweltschützer durch offensive Kampagnen auf. Zurück bleiben verärgerte Inhaber von Möbelhäusern, die mit dem Thema nichts mehr zu tun haben möchten. Man habe "kein Interesse an einem Gespräch" heißt es etwa auf BZ-Anfrage, oder, man wolle "bei dem Thema nicht in den Vordergrund treten".

Einige Möbelhäuser äußern sich schließlich doch. Ralf Geißler, ein Sprecher der XXXL-Unternehmensgruppe, kann die schlechte Bewertung für seine Freiburger Filiale im diesjährigen Gartenmöbelvergleich nicht nachvollziehen: "Wir garantieren unseren Kunden, dass das Holz unserer Möbel aus nachhaltigen Quellen stammt. Unsere Lieferanten müssen uns in jedem Fall entsprechende Zertifikate zeigen." Bloß weil ein Produkt nicht FSC-zertifiziert sei, stamme es nicht automatisch aus Raubbau.

An der geeigneten Zertifizierung der Möbelstücke scheiden sich die Geister. Während Greenpeace Freiburg proklamiert, nur das FSC-Siegel garantiere eine nachhaltige Forstwirtschaft, und seine Bewertung dementsprechend vornimmt, vertraut man bei den Möbelhäusern auch auf andere Zertifikate.

Selbst Gerd Schneider, Inhaber der Möbelmanufaktur Lignum, die seit Jahren gute Noten beim Vergleich erhält, äußert Kritik an den Bewertungskriterien von Greenpeace. Die von ihm verwendeten Hölzer seien heimisch, aber nicht zertifiziert: "Ich weiß doch, woher unser Holz kommt. Eine Zertifizierung wäre da nur unnötige Bürokratie."

Trautwein will den Diskurs jedenfalls auch in den kommenden Jahren fortsetzen: "Wir haben diese Kampagne geschaffen und werden sie auch weiterhin verfolgen." Kontinuität sei das A und O eines solchen Vergleichs. Schließlich verfolge Greenpeace das Ziel, "Freiburg zur urwaldfreundlichsten Stadt Deutschlands zu machen".

Die Ergebnisse des Gartenmöbelvergleichs sind online abrufbar unter http://www.urwaldfreundliches-freiburg.de

Autor: Johannes Tran