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27. Juli 2009 17:47 Uhr

Online-Umfrage

Handwerker kritisieren Kreditvergabe der Banken

Die Anforderungen sind hoch, die Vergabe verläuft zäh: Immer mehr regionale Handwerker haben Schwierigkeiten einen Kredit zu bekommen. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer.

  1. Ein Uhrmacher bei der Arbeit. Foto: dpa

Innerhalb von nur rund einer Woche haben mehr als 1000 Handwerksbetriebe an einer Online-Umfrage der Freiburger Handwerkskammer teilgenommen, bei der es um die Kreditversorgung der Unternehmen und um ihre Erfahrungen mit Banken im Allgemeinen ging. Dabei hagelte es teils heftige Kritik an den Kreditinstituten in der Region, so verlautete vorab seitens der Kammer. Die Darlehensvergabe verlaufe zäh – möglicherweise auch wegen der Finanzkrise. Am Mittwoch sollen die Umfrageergebnisse en détail veröffentlicht werden.

Nach BZ-Informationen ist man bei der Kammer selbst etwas überrascht von dem enormen Rücklauf bei der anonymen Online-Umfrage bezüglich einer möglichen Kreditklemme im Handwerk. Mehr als 1000 Betriebe aus verschiedenen Bereichen des regionalen Handwerks nutzten die Gelegenheit, mittels eines knappen Internet-Fragebogens über die eigenen Erfahrungen im Umgang mit den Banken und Sparkassen zu berichten.

Problematisch würden vor allem drei Punkte wahrgenommen, so hieß es seitens der Handwerksammer, als bereits ein großer Teil der Antworten eingegangen war: erstens, dass die Banken bei den Kreditsicherheiten immer höhere Anforderungen stellen, zweitens, dass sie eine außerordentlich zähe Arbeitsweise an den Tag legen, und drittens, dass sie insgesamt viel weniger Flexibilität als früher walten lassen würden. So könne zwar insgesamt nicht von einer grundsätzlichen Kreditklemme die Rede sein, aber faktisch hätten doch zahlreiche Betriebe Schwierigkeiten trotz vermeintlich günstiger Ausgangsbedingungen zeitnah eine Finanzierung zu bekommen.

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Beispiel: Ein kleiner Kfz-Betrieb südlich von Freiburg, dessen Chef lieber anonym bleiben will, versuchte im Frühjahr einen Kredit über 100 000 Euro für eine betriebliche Investition zu erhalten. Als Sicherheit bot der Betrieb seiner Hausbank, einem der größten Kreditinstitute hierzulande, das eigene Gebäude an. "Die Immobilie ist laut Fachleuten 800 000 Euro wert", so der Firmenchef. Die Restschuld habe damals, nachdem bereits zehn Jahre lang getilgt worden sei, noch 287 000 Euro betragen. "Da wäre also genug Luft gewesen für einen neuen Kredit", so der Kfz-Meister gegenüber der BZ. Nach langem Hin und Her lehnte die Bank das Kreditgesuch dennoch ab. "Das hat sicher mit der Finanzkrise zu tun", so der Handwerker.

Unternehmerin: Formalitäten haben deutlich zugenommen

Ein Elektrofachbetrieb aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, der ebenfalls nicht mit Namen genannt werden möchte, hat auch schlechte Erfahrungen mit einer seiner Hausbanken gemacht, einem regionalen Geldhaus. "Nach zehn Jahren ohne größere Probleme wurden nun plötzlich Aufträge erst mit riesiger Verspätung ausgeführt", berichtet die Chefin.

Die Bank habe ein negatives Saldo auf einem der Betriebskonten trotz mehrfacher Aufforderung über mehrere Wochen nicht mit einem Guthaben auf einem anderen Konto ausgeglichen. "Am Ende mussten wir etwa 3000 Euro Überziehungszinsen zahlen. Jetzt verhandeln wir über eine Wiedergutmachung des Schadens." Außerdem ziehe die Bank die Gewährung eines Anschlusskredits immer mehr in die Länge. "Sobald wir die verlangten Unterlagen einreichen, fordert der Sachbearbeiter wieder etwas Neues an", berichtet die Chefin weiter. Sie gehe davon aus, dass bei der Bank auch wegen der Finanzkrise die finanziellen Zügel angezogen wurden und sich so der Umgang mit den Kunden negativ verändert habe. "Man muss alles genau prüfen", so die Unternehmerin.

Autor: Holger Schindler