Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
03. Mai 2010
"Heimat ist, wo man sich wohlfühlt"
Der zweitägige Freiburger Jugendgipfel zum Thema "Move it! 2010 – Die Welt. Daheim. In Freiburg".
Was am Freitagvormittag mit einem bunten Wollknäuel-Flashmob auf dem Rathausplatz begonnen hatte, endete 12 Stunden später mit einer U 18-Party im Haus der Jugend. Dazwischen standen bei Diskussionen und Workshops die Vielfalt der Kulturen und die Vernetzung der Jugendlichen im Mittelpunkt. Insgesamt nahmen rund 600 Besucher und Besucherinnen an den verschiedenen Aktionen des zweiten Freiburg Jugendgipfels teil.
"Am Anfang dachten wir, das kriegen wir niemals auf die Reihe", erzählt Raffael Bender. Die Aufgabe für den 15-jährigen und seine 26 Mitschüler und -Schülerinnen der 9b der Wentzinger Realschule: einen Freiburger Jugendgipfel zu veranstalten. Seit Anfang des Schuljahres hatten sie dafür jede Woche zwei Unterrichtsstunden lang Ideen gesammelt, das Programm zusammengestellt und sich um die logistische Organisation gekümmert. Unterstützt wurden sie von ihrem Lehrer Dejan Mihajlovic und Thomas Bartl vom Freiburger Jugendbüro. Das Motto für den Gipfel "Move it! 2010 – Die Welt. Daheim. In Freiburg" ergab sich fast von selbst – mehr als die Hälfte der Organisatoren haben einen Migrationshintergrund.Werbung
So auch die 16-jährige Fatima Elmyr aus Marokko. Zusammen mit ihrer Klassenkameradin Maike Böhm moderiert sie die Talkshow "What the f*** is Heimat?", inspiriert vom Konzept des Offenburger Künstlers Stefan Strumbel. Die Talkshowgäste Sylvie Nantcha (CDU), Simone Ariane Pflaum (Junges Freiburg) und Ibrahim Sarialtin (Grüne) auf dem Stadtratsofa sowie vier Schülerinnen mit Migrationshintergrund sind sich bei der Frage, was Heimat ausmache, größtenteils einig: Heimat sei dort, wo man sich wohlfühle, so der Grundtenor. Für die 17-jährige Farja Mohammadi aus Afghanistan, spielt auch die Herkunft und vor allem die Muttersprache eine große Rolle. Und im Fall des gebürtigen Türken Ibrahim Sarialtin ist die Heimat nicht nur Freiburg, sondern genauso München und Ankara.
Neben Diskussionen und Informationsmöglichkeiten zu weiterführenden Schulen und Jugendinitiativen auf dem "Markt der Möglichkeiten" ging es beim Gifpel auch um Spaß und Action. Eingeleitet wurde der Aktionstag mit dem "Wollmob" auf dem Rathausplatz, an dem rund 300 Menschen ein großes Wollnetz gespannt – und dank der guten Beteiligung auch eine Wette gegen OB Salomon gewonnen haben. Im Haus der Jugend konnten die Besucher unter anderem bei verschiedenen Workshops exotische Tänze lernen, sich im Improvisationstheater versuchen oder an einem Waveboardkurs teilnehmen.
Für Raffael Bender, dessen Vater Afroamerikaner ist, hat sich der ganze Aufwand gelohnt: "Es hat jedem persönlich weitergeholfen und viele sind auch ein bisschen reifer geworden".
Die Ergebnisse des Gipfels werden in den nächsten Tagen auf der neuen Website des Jugendbüros http://www.freiburgxtra.de veröffentlicht. Die ist auf dem Gipfel erstmals vorgestellt worden und soll Freiburgs Jugendlichen zukünftig als Vernetzungs- und Informationsmöglichkeit dienen.
Autor: Sebastian Drescher
