Heizkraftwerk Uni-Klinik: Countdown läuft

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Di, 30. November 2010

Freiburg

Badenova und Unmüssig gründen eine Wärmefirma – und geben der Uni-Klinik Zeit bis Februar.

Der Energieversorger Badenova und die Freiburger "Unmüssig Bauträgergesellschaft Baden" gründen eine gemeinsame Tochtergesellschaft, um im Westen der Stadt Wärme zu verkaufen. Ob sie dafür eigene Blockheizkraftwerke installieren, ist noch offen. Denn trotz jahrelangen Tauziehens mit der Leitung der Uni-Klinik könnte deren umstrittenes Heizkraftwerk doch noch als Wärmelieferant zum Zug kommen. Aber nur, so Badenova-Chef Thorsten Radensleben und OB Dieter Salomon, wenn bis Februar ein ökologisch gleichwertiges Konzept vorliegt.

"Wärme Süd West GmbH" heißt das neue Unternehmen, das den boomenden Westen in den nächsten Jahren ans Fernwärmenetz anschließen soll, etwa das Neubaugebiet auf dem früheren Hüttinger-Gelände, die West-Arkaden an der Breisacher Straße oder den Elsässer Hof entlang der Berliner Allee. Aber auch die Wentzingerschulen und das West-Bad sollen versorgt werden. Jeweils die Hälfte der Geschäftsanteile halten die Badenova AG und die "Wärmekontor Freiburg GmbH", mit der Firmenchef Peter Unmüssig seit etwa acht Jahren vor allem eigene Bauprojekte mit Wärme beliefert. Geschäftsführer der "Wärme Süd West GmbH" werden Klaus Preiser (Badenova) und Denis Bihler (Wärmekontor) sein.

"Es handelt sich um eine

Entscheidung für die

nächsten 40 Jahre."

Badenova-Chef

Thorsten Radensleben
Initiator war ganz offensichtlich Oberbürgermeister Salomon. Er habe ihn überzeugt, verriet Peter Unmüssig gestern in der Pressekonferenz, dass der Wildwuchs auf dem Wärmemarkt beendet werden müsse: "Jeder will das Klima und die Welt retten, aber alles läuft unkoordiniert und damit kontraproduktiv ab." Nun also machen der Projektentwickler und der regionale Energieversorger gemeinsame Sache. Vorgesehen sind zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) im West-Bad und in den geplanten West-Arkaden auf dem einstigen Brielmann-Gelände. Sie sollen jährlich 30 Millionen Kilowattstunden Wärme liefern – so viel wie 2000 Einfamilienhäuser brauchen. Gleichzeitig sollen sie knapp 18 Millionen Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr produzieren und den Ausstoß von Kohlendioxid reduzieren. Fünf Millionen Euro sind in den nächsten zehn Jahren als Investition in den Ausbau des Wärmeverbunds vorgesehen. Mit dem kalkulierten Preis sei man "absolut wettbewerbsfähig", sagte Badenova-Vorstand Thorsten Radensleben. Für die Kunden sei die Fernwärme kein Nachteil.

Der Wärmeverbund habe eine "einzigartige Chance", erklärte Klaus Preiser von der "Wärme Süd West GmbH". Im Westen werde gleichzeitig viel gebaut und viel saniert. Nur deshalb lohnt sich die Investition in teure Leitungen.

"Die Zeit drängt", stellte Oberbürgermeister Dieter Salomon klar. Denn noch in diesem Jahr sollen die Wentzingerschulen in Mooswald ans Fernwärmenetz. Bis dahin, so lautet das Signal von gestern, hat die Leitung der Uni-Klinik noch Zeit einzusteigen. Voraussetzung seien ein belastbares ökologisches Konzept, Verlässlichkeit und Verbindlichkeit. Es handle sich schließlich um eine Entscheidung für die nächsten 40 Jahre. "Seit zwei Jahren beschäftigten wir uns mit einem Wärmeverbund für die Weststadt", sagte Radensleben, "davon ein Jahr mit dem Uni-Heizkraftwerk." Ganz offensichtlich hatten die Uni-Heizer sowohl mit Badenova als auch mit Unmüssig verhandelt – und letzterem einen günstigeren Preis angeboten. "Da sollte der eine gegen den anderen ausgespielt werden", sagte Salomon.

Ein knappes Vierteljahr ist also noch Zeit, um das ökologisch sinnvollste Modell für Freiburg zu realisieren: Die Uni-Klinik rüstet um, verzichtet auf Kohle und beliefert die "Wärme Süd West GmbH" mit ihrer Abwärme, die bis dato ungenutzt die Gemüter und den Freiburger Himmel erhitzt. Klappt das nicht, hätten die Klinikheizer auf absehbare Zeit keinen Abnehmer.