Enteignung möglich

Landwirt droht Existenzverlust wegen Freiburger Damm

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Di, 24. Oktober 2017 um 11:20 Uhr

Freiburg

Ein Bauer soll wegen des Hochwasserbeckens im Bohrertal fast 80 Prozent seines Lands verlieren. Er protestiert und sammelt Unterschriften. Das Freiburger Rathaus droht mit Enteignung.

Die Planungen für das Hochwasserrückhaltebecken im Bohrertal Richtung Schauinsland schreiten voran, das Genehmigungsverfahren läuft. Unterdessen geht ein Landwirt auf die Barrikaden. Er sieht sich in seiner Existenz bedroht. Nun hat er eine Online-Petition gestartet – weil er das Projekt grundsätzlich für zweifelhaft hält.

275 Meter lang, 13 Meter hoch und 80 Meter breit werden soll der Damm, der im Bohrertal zwischen dem Stadtteil Günterstal und Horben geplant ist. Das dahinter entstehende Becken kann ein Hochwasser aufnehmen, das es statistisch gesehen alle 100 Jahre einmal gibt, insgesamt fast 200.000 Kubikmeter. Um im Notfall noch mehr Wasser auffangen zu können, soll zudem das bestehende Rückhaltebecken an der Breitmatte zwischen der Wiehre und Günterstal um zwei Meter aufgestockt werden. Die Kosten liegen insgesamt bei 10 bis 15 Millionen Euro, fertiggestellt werden sollen beide Projekte bis Ende 2021.

Insgesamt geht es um rund 50.000 Quadratmeter Fläche

Landwirt Benedikt von Droste zu Hülshoff will das nicht akzeptieren. Er wehrt sich – aktuell hat er eine Online-Petition gestartet, die bis Montagabend 87 Menschen unterzeichnet haben. Denn: Ihm gehört ein Großteil der Wiesen, die zu Staudamm und Überschwemmungsfläche werden sollen, insgesamt geht es um rund 50.000 Quadratmeter Fläche. Dadurch fielen rund 80 Prozent seines Grünlands weg, das er für die Fütterung seiner Tiere und zum Heumachen benötige: "Das ist existenzbedrohend." Der Landwirt hat zudem im vergangenen Jahr in unmittelbarer Nachbarschaft 8000 Quadratmeter Wiese durch den neuen Radweg Richtung Horben verloren.

Neben von Droste zu Hülshoff sind von den Planungen für das Rückhaltebecken zwei weitere Privateigentümer betroffen, mit ihnen ist die Stadt Freiburg bereits handelseinig geworden. Die Verwaltung hofft, auch noch mit von Droste zu Hülshoff eine einvernehmliche Lösung zu finden. Notfalls aber, erklärt Rathaussprecherin Martina Schickle, drohe dem Landwirt die Enteignung.

Von Droste zu Hülshoff hält es für unrealistisch, dass er für die wegfallenden Wiesen adäquate Ersatzflächen erhält. Diese gebe es kaum oder sie seien extrem teuer. Unabhängig von seinem privaten Interesse gehe es ihm mit seinem Protest aber auch um die Frage, ob das Rückhaltebecken wirklich unumgänglich ist. Er bemängelt, dass keine Alternativen geprüft wurden.

Seit zehn Jahren wird geplant

Der geplante Damm werde die Landschaft massiv verändern, meint der Landwirt: "Das ist ein Riesenklotz." Die Stadtverwaltung glaubt indes, dass sich das Becken weitaus besser einfügt als die ursprünglich geplante Lösung direkt hinter Günterstal. Der dort vorgesehene 15 Meter hohe Damm hatte für massiven Protest gesorgt. Am Ende kippte jedoch die in diesem Bereich lebende und unter Schutz stehende Haselmaus den Standort.

Völlig unverständlich findet es von Droste zu Hülshoff auch, dass jetzt ein Rückhaltebecken gebaut wird, das hauptsächlich den neuen Stadtteil Dietenbach vor Überschwemmungen schützen soll: "Damit zäumt man den Gaul von hinten auf."

Schließlich sei noch gar nicht sicher, ob Dietenbach realisiert werde. Die Stadtverwaltung widerspricht auch in diesem Punkt: Die Planungen für das Hochwasserrückhaltebecken gebe es bereits seit rund zehn Jahren, damals sei noch gar nicht die Rede von einem neuen Stadtteil gewesen. Das Becken sei auch ohne Dietenbach nötig, um bestehende Stadtteile vor Überschwemmungen zu schützen, vor allem die Wiehre und Haslach. Den Vorwurf, nicht nach Alternativen gesucht zu haben, weist das Rathaus ebenfalls zurück. So sei geprüft worden, überschüssiges Wasser aus dem Hölderlebach in die Dreisam zu leiten. Die verschiedenen Varianten seien aber entweder technisch nicht machbar oder zu teuer.