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15. Mai 2017

Samstagsforum

Umweltverein Ecotrinova plädiert für Dachausbauten statt Dietenbach

Verwaltung und Ökovereine schätzen das Potenzial für neuen Wohnraum unterschiedlich ein / Großes Problem sind die Vorschriften.

Sie werden zum Wäscheaufhängen genutzt oder als Rumpelkammer, oft stehen sie leer und sind zugestaubt: Dachböden. Dabei schlummere hier viel Potenzial für neue Wohnungen, meint der Umweltverein Ecotrinova – er kritisiert, dass die Stadtverwaltung in Freiburg einen neuen Stadtteil plant, statt vorhandene Räume besser zu nutzen. Das Rathaus schätzt die Möglichkeiten anders ein: Ausbauen und Aufstocken stoßen nach Meinung des Baurechtsamts schnell an Grenzen.

Im neuen Stadtteil Dietenbach sollen ab 2020 rund 5000 Wohnungen gebaut werden. Fast genauso viele, nämlich 4000, könnten in Freiburg jedoch allein dadurch entstehen, wenn Dächer von vorhandenen Gebäuden ausgebaut würden, rechnete Vorsitzender Georg Löser bei der Vortragsreihe "Samstagsforum" seines Vereins Ecotrinova vor. Die Zahl stammt aus einer Studie der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts, die bundesweit Potenzial für 1,5 Millionen Wohnungen durch Dachaufstockungen sieht – Löser hat diese Angabe auf Freiburg heruntergebrochen. Auch eine Untersuchung des Bundesinstituts für Stadt-, Bau- und Raumforschung hat sich im vergangenen Jahr mit der Thematik beschäftigt und Möglichkeiten für neue Wohnungen unterm Dach aufgezeigt: Diese gebe es vor allem bei Häusern aus den 1950er bis 1970er Jahren, heißt es in der Studie.

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Um die Potenziale in Freiburg ausfindig zu machen, plädiert Ecotrinova für ein "Dachausbaukataster": Die Stadtverwaltung müsse dazu alle Gebäudeeigentümer anschreiben. Wenn vorhandene Räume besser genutzt würden, müsse die Natur nicht weiter zerstört werden. Mit seiner Kritik am neuen Stadtteil "auf der grünen Wiese" steht Ecotrinova nicht alleine: Im März hat sich ein Dutzend kleinerer Gruppierungen gegen die Planungen von Dietenbach zusammengeschlossen (die BZ berichtete).

Architekt: Für jedes Haus findet sich eine Lösung

Die Einschätzung, dass es in Freiburg viele Dachgeschosse gibt, die zu Wohnungen ausgebaut werden könnten, teilt die Stadtverwaltung nicht. "Aus unserer Sicht ist das Nachverdichtungspotenzial sogenannter kalter Speicher bereits weitgehend ausgenutzt", heißt es in einem Schreiben von Baurechtsamtschef Rüdiger Engel an die Gemeinderatsfraktion der "Freien Wähler", die im vergangenen Herbst ein "Aktionsprogramm Dachausbau" gefordert hatte. Wo es Möglichkeiten gebe, seien zahlreiche Hindernisse vorhanden, schreibt Engel weiter und nennt nicht erfüllbare Auflagen zu Brandschutz und Rettungswegen, zu geringe Abstände zum Nachbargebäude oder den Denkmalschutz.

Tatsächlich seien die zahlreichen Vorschriften ein Problem, bestätigte Herbert Grießbach in seinem Vortrag beim "Samstagsforum" – der Architekt hat in Freiburg zahlreiche Dachgeschosse ausgebaut und aufgestockt, vor allem in Altbauten. Trotz aller Schwierigkeiten ist Grießbach jedoch überzeugt: "Man findet für jedes Haus eine Lösung." Allerdings dauerten die Abstimmungen ihre Zeit, von heute auf morgen könnten Dachausbauten kaum gestemmt werden, sagte er. Zudem seien die Investitionen zum Teil nicht unerheblich. Dennoch sei es wichtig, den Prozess überhaupt zu starten, um vorhandene Potenziale ausschöpfen zu können.

Autor: Jelka Louisa Beule