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30. März 2014 16:27 Uhr

Gewalt im Fußball

Hooligan-Attacke auf SC-Fanprojekt in Freiburg

Überfall von Nürnberger Ultras: Vor dem Bundesligaspiel in Freiburg haben Fans des 1. FC Nürnberg Anhänger des SC Freiburg angegriffen. Die Attacke galt offenbar gezielt dem Fanprojekt in der Schwarzwaldstraße.

  1. Offenbar galt die Attacke gezielt dem 2013 gegründeten und von Sozialarbeitern betreuten Fanprojekt des SC Freiburg. Foto: Michael Bamberger

Anhänger des 1. FC Nürnberg haben am Samstagnachmittag im Stadtteil Waldsee auf der Schwarzwaldstraße nahe dem Stadion Fans des SC Freiburg angegriffen. Dabei sollen die Nürnberger auch mit Schrauben und Nägeln gefüllte Flaschen geworfen haben. Bei der Attacke wurden mehrere Fans verletzt, zwei erlitten Platzwunden durch Flaschenwürfe. Die Polizei konnte mit einem großen Aufgebot die Fans beider Lager trennen. Die Ermittlungen laufen. Der Angriff galt offenbar gezielt dem im Vorjahr gegründeten und von Sozialarbeitern betreuten Fanprojekt (Kommentar).

Der Zwischenfall ereignete sich gegen 15.30 Uhr, so rund drei Stunden vor Beginn der Bundesligapartie SC Freiburg gegen 1. FC Nürnberg. Drei Busse mit Nürnberger Ultras hatten die Anweisung der Freiburger Verkehrspolizei missachtet und waren in die Schwarzwaldstraße statt wie vorgesehen in die Hansjakobstraße eingefahren. Sie parkten etwa 200 Meter vor den Räumen des Fanprojektes, das an der Schwarzwaldstaße nahe dem Abzweig zum Sandfangweg angesiedelt ist.

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Auf Freiburger Sicht spricht man von einer gezielten Attacke

Etwa 100 Nürnberger Ultras stiegen aus und gingen auf die Freiburger Fans zu, die sich vor Fanhaus befanden. Es kam zu einem gewalttätigen Aufeinandertreffen. Auf Freiburger Seite spricht man von einem gezielten Angriff. Es sollen sich mindestens 30 Nürnberger beteiligt haben, so ein Augenzeuge. Dabei flogen die Fäuste, aber auch Flaschen, die – davon geht die Polizei aus – mit Nägeln und Schrauben gefüllt gewesen sein sollen. Mehrere Freiburger Fans erlitten Platz- und Schnittwunden.

Die Gewaltaktionen dauerten drei bis vier Minuten, so schildern es Augenzeugen, dann war ein großes Aufgebot an Polizei vom nur 300 Meter entfernt liegenden Stadion herbeigeeilt. "Uns ging es erst einmal darum, die Lage zu bereinigen", erklärte am Sonntag Polizeisprecher Dirk Klose. Die Ermittlungen zum genauen Hergang laufen. Dabei geht es auch um die Frage, warum die Busfahrer der Polizeianweisung nicht gefolgt sind. "Wir haben die Kennzeichen der Busse", so Klose. Die Polizei spricht von 160 beteiligten – zur Hälfte von Freiburger und Nürnberger Seite. Ermittelt wird wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung sowie schwerem Landfriedensbruch.

Glück für die Freiburger: Die Polizei war in der Nähe

Besondere Empörung hat in Freiburg hervorgerufen, dass das von Sozialarbeitern betreute und unter Regie des Jugendhilfswerkes stehende Fanprojekt angegriffen worden war. "Da haben sich ja nicht nur Ultras aufgehalten, sondern auch viele Jugendliche, Frauen, Teenis und sogar Rollstuhlfahrer", berichtet Matthias Günter von der Fangemeinschaft Supporters Crew Freiburg. Auch SC-Vorsitzender Fritz Keller zeigte sich betroffen über den Vorfall.

"Es hat überhaupt keine Aggression von Seiten der Freiburger gegeben", berichtet Fanprojekt-Sozialarbeiter Dirk Grießbaum. "Das war ein Bild des Schreckens, auch für die Nachbarn, die das mit ansehen mussten", so Grießbaum. Glück im Unglück sei gewesen, dass durch die Nähe zum Stadion die Polizei so schnell vor Ort gewesen sei. Die Attacke sei aus heiterem Himmel gekommen. "Es gibt keine besondere Fanrivalität mit Nürnberg", so Grießbaum. Auch die Kollegen des Nürnberger Fanprojekts seien überrascht worden. Nun gelte es, den Vorfall gemeinsam aufzuarbeiten.

In Nürnberg wundert man sich über die Vorfälle: "Wir kennen diese Fangruppierungen seit Jahren, die greifen definitiv keine soziale Einrichtung an", sagte Daniel Kirchner, Leiter des Spiel- und Stadionbetriebs beim 1.FC Nürnberg auf BZ-Nachfrage. Er will auch nicht glauben, dass mit Nägel und Schrauben gefüllte Flaschen geworfen worden sein sollen: "Wenn dem so wäre, hätte es das eine neue Qualität". Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.

Geschädigte und Zeugen werden gebeten sich mit dem Polizeirevier FR-Süd unter 0761/882-4421 in Verbindung zu setzen

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Autor: Joachim Röderer