Ortungssystem

Im Notfall kann man sich jetzt per Smartphone vom Rettungsdienst orten lassen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Di, 13. Juni 2017 um 18:12 Uhr

Freiburg

Wer in einer Notsituation ist und seine Position nicht genau kennt, kann die Standort-Daten nun via Smartphone an die Rettungsleitstelle Freiburg übermitteln. Das Ortungssystem wird schon genutzt – und das häufiger als zunächst angenommen.

Wer im Notfall nicht genau weiß, wo er ist, kann sich jetzt von Rettungsdienst und Feuerwehr orten lassen. Genauer: Man kann seine Standort-Koordinaten an die Integrierte Leitstelle Freiburg übermitteln, erklären die beiden Koordinatoren der Leitstelle.

Seit November möglich, aber noch nicht publik

"Das läuft", sagt German Hummel vom Rettungsdienst. "Und es wird häufiger genutzt als wir dachten", sagt Jérôme Krämer von der Feuerwehr. Die Möglichkeit gibt es seit November, wurde nicht publik gemacht, aber angewendet, bisher von rund 190 Anrufern des Notrufs 112. "Es gibt mehrere Systeme, unseres ist selbstgestrickt", erklärt Krämer – von Systemadministrator Henning Schmidtpott.

Adrian Brenzinger nimmt Notrufe an und zeigt mit Krämer, wie’s funktioniert. Wenn er den Handyanruf auf dem Schirm hat, kann er den Befehl "Positionsbestimmung Anrufer" anklicken. Damit schickt er eine SMS mit einem Link. Krämers Telefon piept, er tippt auf den Link und gibt das OK. Es erscheint eine Meldung, dass er GPS aktivieren muss: Der 35-Jährige hatte die Standortübermittlung blockiert. Als er dies mit einem Handgriff rückgängig macht, ortet er sich selbst und schickt die Daten an die Notrufzentrale.

"Das nutzen wir nicht nur für Einsätze in der Prärie." Adrian Brenzinger
Auf Brenzingers Karte taucht ein roter Punkt auf – auf 20 Meter genau. Der Link wurde schon 250 Mal verschickt, aber in 25 Prozent der Fälle nicht genutzt. Schmidtpott vermutet, dass kein internetfähiges Handy oder kein Netz vorhanden war, oder GPS nicht aktiviert werden konnte. Ohne Orten versuchen die Disponenten, den Standort über Fragen einzukreisen.

"Das nutzen wir nicht nur für Einsätze in der Prärie", sagt der Feuerwehr-Koordinator der Leitstelle, die für Freiburg und den Breisgau-Hochschwarzwald zuständig ist. Es hilft auch, wenn ein Unfallwagen zwischen zwei Gemeinden brennt. "Ich hab’ schon einer Nachbarleitstelle Koordinaten durchgegeben", sagt Brenzinger: Ein Wanderer war am Kandel in Not und mit seinem falsch eingeloggten Handy in Freiburg rausgekommen.

Das System ist umso interessanter, als dass sich das Freizeitverhalten der Leute stark verändert hat, wie die Koordinatoren erklären. Ob Downhillbiken, Wandern, Gleitschirmfliegen oder E-Radeln auf den höchsten Berg, meint Krämer: "Leute machen Sachen, da wären sie früher nicht drauf gekommen." Das Angebot in der Natur hat stark zugenommen, sagt Hummel. Derzeit evaluiert die Leitstelle die Anrufe von 16 bis 21 Uhr. Im Winter sei bis 17 Uhr "Highlife".

Andere rechtliche Grundlage bei der Polizei

Bei der Polizei ist die rechtliche Grundlage für Ortung eine andere und es gibt verschiedene Hürden, erklärt Sprecher Jerry Clark. Bei Lebensgefahr oder schwerer Gesundheitsgefahr kann die Polizei einen Anrufer über den Mobilanbieter orten lassen, wenn der Polizeipräsident dies im Einzelfall genehmigt hat. "Das geht dann relativ schnell", so Clark. "Bei der Strafverfolgung haben wir einen richterlichen Vorbehalt." Ruft jemand mit einem medizinischen Notfall aus Versehen die 110 an, verbindet die Polizei ihn sofort mit der Leitstelle.