Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. Oktober 2017 10:14 Uhr

Freiburg

Islamisches Zentrum greift PH-Dozenten an

Das Islamische Zentrum greift in einem Schreiben an die Pädagogische Hochschule den liberalen Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi an. Doch die PH steht hinter ihm.

  1. Will in Freiburg eine liberale Moschee gründen: Abdel-Hakim Ourghi Foto: Ingo Schneider

  2. Über den Islam wurde schon viel geschrieben. Das reicht, meint das Islamische Zentrum. Foto: Ingo Schneider

Das Islamische Zentrum greift den Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi an. In einem Offenen Brief an die Pädagogische Hochschule (PH) kritisiert der muslimische Verein Ourghis Stellung als Leiter der Islamischen Theologie an der PH und wirft dem Dozenten vor, Muslime zu beleidigen. Die PH steht hinter Ourghi.

Auslöser für das Schreiben war ein Auftritt Ourghis in Berlin: An eine Moschee hatte er seine 40 Thesen zur Reform des Islam angebracht. Diese stammen aus seinem Buch, das er jüngst veröffentlich hat. "Viele dieser Behauptungen entbehren jeglicher Wissenschaft", sagt Mehmet Ziya Celik, Vorsitzender des Islamischen Zentrums im Stühlinger. Seiner Meinung nach besitzt Ourghi keine Legitimation, an der PH Islamische Theologie und damit angehende Lehrer zu unterrichten, da er kein Theologe, sondern Islamwissenschaftler ist.

Meinungsfreiheit geschützt

Ulrich Druwe hält die Kritik für "unangemessen und kontraproduktiv für die Interessen muslimischer Verbände". Der PH-Rektor verweist auf Artikel fünf des Grundgesetzes, der die Meinungsfreiheit und damit auch die akademische Freiheit schützt. "Auch im christlichen Glauben haben nicht alle dieselbe Meinung", sagt Druwe. Zudem sei Ourghi mit seinen Ansichten nicht alleine. Die Erwartungshaltung des Islamischen Zentrums, das indirekt Ourghis Entlassung fordere, sei nicht hinnehmbar.

Werbung


"Es müssen andere Meinungen zugelassen werden", sagt Ourghi. Der Deutsch-Algerier setzt sich schon lange für eine Reform des Islam ein und will in Freiburg eine liberale Moschee nach Berliner Vorbild gründen (die BZ berichtete). Dafür bekommt er Gegenwind von konservativen Muslimen. Im Gegensatz zu seiner Berliner Mitstreiterin Seyran Ates steht Ourghi nicht unter Polizeischutz. Vortragsreisen oder Ähnliches müsse er aber polizeilich anmelden.

Hat der Islam eine Reform nötig?

Celik hält eine Reform des Islam für nicht notwendig. Es hätten schon genügend Gelehrte über den Islam geschrieben, der Koran selbst sei sowieso nicht veränderbar. "Die Zehn Gebote lassen sich auch nicht umschmeißen." Eine von Ourghis Thesen lautet: "Die Muslime müssen den Koran wieder zu einem Buch des Friedens machen." Damit unterstelle der Wissenschaftler, dass der Islam derzeit nicht für Frieden stehe. Mit seinen Vorurteilen polarisiere Ourghi die Gesellschaft und beleidige Muslime, so Celik.

Ourghis Aktion in Berlin bezeichnet Celik als "närrisches Ereignis" und geplante PR-Aktion. Offenbar versuchte Ourghi ein Stück weit an einem Zaun hochzuklettern, um seine Thesen anzubringen. "Dieses Verhalten ist nicht muslimisch", so Celik, "wir klingeln an der Tür." Einen solchen "Fehltritt" dürfe sich ein Vertreter einer Hochschule nicht erlauben. Das sei Ourghis Privatsache, sagt dagegen Rektor Druwe.

Ourghi signalisiert Gesprächsbereitschaft mit dem Islamischen Zentrum: "Ich begrüße jeden Versuch, die innermuslimische Debatte in Gang zu bringen", sagt der Religionspädagoge. Ob es zu einem Austausch kommt, ist bislang ungewiss. "Wir können schon miteinander reden", sagt Celik, der betont, das Islamische Zentrum setze sich in Freiburg seit seinem Bestehen 1971 für den Dialog ein.
Säkulare Muslime

Abdel-Hakim Ourghi will einen "europäischen aufgeklärten Islam" etablieren. Dafür hat er die "Freiburger Deklaration säkularer Muslime" initiiert, die eine Islamreform fordert. In der geplanten Moschee in Freiburg sollen Männer und Frauen gemeinsam beten, Frauen müssen kein Kopftuch tragen, und Vorbeterinnen dürfen das Gebet vor Männern leisten. Die sexuelle Orientierung spiele keine Rolle.

Mehr zum Thema:

Autor: Sina Schuler