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12. Februar 2012 20:00 Uhr

Private Uni

IUCE verheimlicht auf Abiturientenmesse fehlende Akkreditierung

Der Abschluss der Freiburger Privatuni IUCE ist nicht anerkannt – doch das verheimlicht sie auf der Abiturientenmesse "Einstieg" in Köln. Kein Wunder, sollen doch potenzielle Kunden gelockt werden. Ein Selbstversuch.

  1. Die IUCE in Freiburg. Foto: Ingo Schneider

  2. Der Stand der IUCE bei der „Einstieg“ in Köln: schmucklos aber zuversichtlich. Foto: Frank Überall

Früh morgens in den Kölner Messehallen. Hunderte junge Menschen drängen sich durch die engen Gassen der Abiturientenmesse "Einstieg". An den Ständen gibt es Kaffee oder Saft, Süßigkeiten oder Mitmach-Aktionen. Am Stand der Kölner Universitätsklinik kann man Experimente machen oder eine Plastikpuppe symbolisch operieren. Der Stand der privaten Freiburger Hochschule "International Uni of Cooperative Education" (IUCE) wirkt dagegen spartanisch: nichts Süßes, keine Aktionen. Auf den Ausstellungstischen liegen bloß bunte Broschüren, und drei Mitarbeiter der Hochschule stehen für Informationsgespräche bereit. Einer von ihnen ist der Diplom-Volkswirt Marco Wölfle. Der Rektor der IUCE präsentiert sich seriös in Anzug und Krawatte.

Die Freiburger Privat-Uni war in die Schlagzeilen geraten, weil der Wissenschaftsrat vorerst die notwendige amtliche Akkreditierung für die Vergabe von Bachelor-Abschlüssen versagt hatte. Unangenehme Voraussetzungen für eine solche Werbe-Veranstaltung. Doch wird man im fernen Köln über diese Probleme informiert? Darüber, dass Studierende an der Hochschule womöglich gar keinen anerkannten Abschluss machen können? Nach dem ersten Eindruck sieht es nicht so aus. Auf einer Werbewand reckt eine junge Frau die Arme in die Höhe. Über dem Palakatgesicht mit dem überglücklichen Lächeln ist der begehrte Abschluss aufgedruckt: "International Business Management (B.A.). Ein werbewirksamer Grund zur Vorfreude also auf einen renommierten Studienabschluss, erreichbar an der IUCE.

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Kein Wort von den Problemen

Grund genug zur Nachfrage. Zwar nimmt mir – dem Anfang 40er mit ersten grauen Haaren – kaum jemand den Studenten ab, wohl aber den Vater, dessen Sohn gerade im Abitur steckt. Sportmanagement wolle er studieren, erzähle ich Rektor Wölfle, der daraufhin gewinnend lächelt. Immerhin lockt ein potenzieller Kunde: Für das Studium müssen zwischen 480 und 520 Euro im Monat bezahlt werden.

Ob man denn nur den Bachelor-Abschluss an der IUCE machen könne, taste ich mich vorsichtig fragend heran, oder auch den Master. Den könne man direkt gegenüber an einem Partnerinstitut absolvieren, erklärt der Freiburger Hochschulchef. Nach wie langer Studienzeit man denn für den Bachelor-Abschluss an seiner Schule in der Tasche haben werde, will ich nun wissen. "Nach drei Jahren", erläutert er zuvorkommend. Ich nehme eine Broschüre mit und verabschiede mich freundlich. Mein Sohn solle sich doch bewerben, dann werde er zu einem Aufnahmegespräch eingeladen, gibt mir der Rektor mit auf den Weg. Er verliert aber kein Wort von den Problemen mit der Vergabe des wissenschaftlichen Abschlusses.

Nicht so teuer wie die Konkurrenz

Zwischen den Ständen stehen Tische, die als "Studienecke" gekennzeichnet sind. Ich setze mich, die Ausstellungsfläche der IUCE ständig im Blick, und blättere in der 16-seitigen Informationsschrift. "Wir legen Wert auf ein hohes Qualitätsniveau", lese ich da. Sogar einen "hochschuleigenen Qualitätssicherungsbeauftragten" gibt es. In der Rubrik "Fakten im Überblick" werden verschiedene Bachelor-Abschlüsse aufgezählt, die man angeblich erreichen kann. Auch hier kein Wort von den Akkreditierungs-Problemen.

Ich beobachte Brigitta Penning mit ihrer Tochter Carmen, die mit Wölfle ein langes Gespräch führen. Später entfernen sie sich mit einem Blick auf das Werbeplakat. Die 19-Jährige Abiturientin Carmen Penning hält die IUCE-Broschüre in der Hand. Ein gutes Gespräch sei das gewesen, eine interessante Hochschule, erzählt sie mir: "Wir haben einen ziemlich guten Eindruck." Diese Privat-Uni sei auch nicht so teuer wie ihre Konkurrenten, freut sich die Jugendliche, die Tourismusmanagement studieren möchte. Auf Nachfrage zeigt sie sich überrascht, dass gar nicht sicher ist, dass sie dort wirklich ihren Bachelor-Abschluss machen könne: "Nein, darüber wurden wir nicht informiert."

Versprechen, besser zu informieren

Mein Weg führt mich erneut zum Stand der IUCE. Gegenüber Rektor Wölfle gebe ich mich als Journalist zu erkennen. Ich frage ihn, warum er über die Akkreditierungs-Probleme nicht offensiv informiert. "In unserem Gespräch vorhin habe ich das tatsächlich nicht erwähnt", räumt er ein. Man schreibe das auch "nicht auf jede Publikation". Immerhin könne man sich auf der Homepage der Einrichtung über die Hintergründe informieren. "Wir sind zuversichtlich, die offizielle Anerkennung der Bachelor-Abschlüsse bald zu bekommen", erklärt Wölfle. Mit dem Wissenschaftsrat sei man da in guten Gesprächen: "Aber dieser Zeitpunkt ist für einen Werbeauftritt auf einer Messe für uns natürlich nicht der beste. Wir hätten uns das auch anders gewünscht." Der Volkswirt verspricht, weitere Interessenten auf der Messe nun umfassender zu informieren. Der Stand der Freiburger Privat-Uni bleibt in der Folgezeit aber vergleichsweise leer. Womöglich nicht nur, weil Köln so weit weg von Freiburg ist.
Die Messe "Einstieg"
Die jährliche stattfindende Messe "Einstieg" in Köln findet rund 30.000 Besucher, meist Schülerinnen und Schüler, die das Abitur anstreben oder bereits abgelegt haben. 373 öffentliche und private Hochschulen aus dem In- und Ausland, Verbände und Unternehmen stellen ihre Angebote vor. Die "Einstieg"-Messen finden nicht nur in Köln, sondern bundesweit in verschiedenen Städten statt. Nach Angaben der Veranstalter kommen in jedem Jahr mehr als 170.000 Besucher und rund 1900 Aussteller auf diese Bildungs-Schauen.

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Autor: Frank Überall