Neuer Stadtteil

Freiburger Gemeinderat will 50 Prozent Sozialwohnungen in Dietenbach

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 26. Juli 2018 um 20:14 Uhr

Freiburg

Der Gemeinderat hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass Dietenbach gebaut werden soll. Im neuen Stadtteil sollen preisgünstige Wohnungen gebaut werden – 50 Prozent Sozialwohnungen sind das Ziel.

Entscheiden mussten die Stadträtinnen und -räte unter anderem über das Finanzierungsmodell, das die Stadt mit der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau ausgetüftelt hat, ob erste vorbereitende Arbeiten auf dem Gelände neben dem Rieselfeld anfangen können und ob die Satzung beschlossen wird – sozusagen der formale Startschuss für die Bebauung.

Anträge der Fraktionen

Gleich zu Anfang einigten sich die Stadträte darauf, dass die Stadtverwaltung bis Herbst 2019 verschiedene Anträge prüfen muss. So möchten SPD, Unabhängige Listen, JPG und die Grünen einen Wohnungsmix, der die 50-Prozent-Quote berücksichtigt. Grüne, Unabhängige Listen und JPG plädieren unter anderem für einen Plus-Energie-Stadtteil, autoreduziertes Wohnen und die Vergabe von Flächen unter anderem an Baugemeinschaften, Genossenschaften, Mietshäusersyndikat und lokale Arbeitgeber, die Betriebswohnungen einrichten wollen. Die CDU möchte die Hälfte der Flächen für geförderte Miet- und Eigentumswohnungen. Die FDP will geprüft haben, ob dabei alle Akteure der Bauwirtschaft zum Zuge kommen können. Nun wird gerechnet.

Finanzierung per Kooperation

Pünktlich zur Sitzung hat die Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau in einem offenen Brief versichert, sie strebe keine Gewinnmaximierung an: Es müsse bezahlbaren Wohnraum für breiteste Bevölkerungsschichten geben. Skeptisch ist die Bank allerdings bei der 50-Prozent-Quote: Bisher sehe man noch keinen finanziellen Spielraum für die vergünstigte Abgabe von Grundstücken. Wenn sich zeige, dass die Quote zu wirtschaftlichen Nachteilen führe, müsse klar sein, wie und von wem das finanziert werde. Ansonsten steigt die Sparkasse aus

Da wurde es noch einmal grundsätzlich. Für die Grünen sagte Maria Viethen, der Stadtteil sei ein wichtiger Baustein im Handlungsprogramm Wohnen. Die 50-Prozent-Quote sähen die Grünen nun optimistischer, da Bund und Land die Förderprogramme verbessern würden. Wendelin Graf von Kageneck (CDU) betonte dagegen, eine Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen sei notwendig: "Sich jetzt auf eine Quote festzulegen, ist verfrüht." SPD-Fraktionschefin Renate Buchen sagte, Dietenbach sei existenziell: "Die Alternativvorschläge des Regiobündnisses wie Dachausbauten sind gut, aber sie bringen nicht genug Wohnungen und keine bezahlbaren." Für Michael Moos (Unabhängige Listen) ist von zentraler Bedeutung, wer in Dietenbach baut: "Wir müssen verhindern, dass Wohnungen gleich weiterverkauft werden." Lukas Mörchen (JPG): "Wir wollen eine wachsende Stadt, keine bewahrende." Für die Freien Wähler sagte Johannes Gröger: "Wir stehen zu Dietenbach, auch wenn es Einzelnen wehtut."



Kritik und angedrohte Klagen

Grundsätzlich Nein zum neuen Stadtteil sagt die Fraktion Freiburg Lebenswert/Für Freiburg. Wolf-Dieter Winkler bezweifelt, dass günstiger Wohnraum entsteht, und kritisiert, dass die ökologische Vorzeigestadt den Landwirten ihre Flächen wegnehme. "Wir müssen Freiburger Familien und Leuten, die eine Arbeit in Freiburg gefunden haben, preiswerten Wohnraum zur Verfügung stellen." Derweil hat das "Regiobündnis pro Landwirtschaft, Natur und ökosoziales Wohnen" Klagen gegen die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme angekündigt; der grüne Ex-OB-Kandidat Manfred Kröber will einen Bürgerentscheid initiieren.

Beschluss

Mit 44 Ja- und vier Nein-Stimmen – alle von Freiburg Lebenswert/Für Freiburg – stimmte der Gemeinderat für den Bau des neuen Stadtteils.
Chronik Dietenbach

  • 2012: CDU, SPD, FDP und Freie Wählern fordern die Bebauung Dietenbach.
  • April 2013: Ein Gutachten taxiert den Wert für die Flächen auf 15 Euro pro Quadratmeter. Die Eigentümer sind entsetzt. Sie fordern 50 Euro plus x.
  • November 2016: Erste Traktorendemo der "Bürgerinitiative pro Landwirtschaft und Wald im Dietenbach und Regio Freiburg" gegen die Bebauung.
  • Januar 2017: Das Finanzmodell, eine Kooperation von Sparkasse und Grundstückseigentümern, sieht 64 Euro pro Quadratmeter vor.
  • Februar 2018: Der städtebauliche Wettbewerb – wie soll Dietenbach aussehen – ergibt vier Entwürfe, die weiter optimiert werden.
  • 24. Juli 2018: Startschuss: Der Gemeinderat beschließt die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme.
  • Oktober 2018: Der Siegerentwurf wird gekürt.
  • 2019/20: Erste Arbeiten, um das Gebiet zu erschließen.
  • etwa 2024: Beginn der Bebauung.