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16. Mai 2009

Junge Männerrunde

Podiumsdiskussion vom "Ring politischer Jugend Freiburg"

Auch wenn nur Vertreter von drei der elf Listen, die sich für den Gemeinderat zur Wahl stellen, auf dem Podium saßen: Es gab durchaus unterschiedliche Positionen bei der Diskussion des "Rings politischer Jugend Freiburgs" am Donnerstagabend im Haus der Jugend. Einig war sich die sechsköpfige reine Männerrunde mit CDU-, SPD- und FDP-Vertretern, die von BZ-Redakteur Joachim Röderer moderiert wurde, in Forderungen nach kostenlosen Fahrten zur Uni-Bibliothek für Studierende und einem besseren und günstigerem Nachtbus-Angebot.

Einig sind sie sich auch darin: Künftig sollen mehr Jüngere in den Gemeinderat einziehen. Derzeit liegt dort das Durchschnittsalter bei 56,5 Jahren. Machen Jüngere andere Politik? Beim Alkoholverbot in der Innenstadt sind die SPD-Kandidaten Kai-Achim Klare (27) und Stefan Schillinger (31) und die FDP-Vertreter Sascha Fiek (34) und Hartmut Hanke (26) jedenfalls gegen die Linie der jetzigen Gemeinderats-Mehrheit. Das Verbot sei "reine Symbolpolitik", kritisiert Hartmut Hanke, Jugendliche mit Alkoholproblemen bräuchten Perspektiven statt Verbote, argumentiert Sascha Fiek. Und was ist mit denen, die vom "Bermudadreieck" aus ein paar Schritte weiter durchs Martinstor gehen, fragt Kai-Achim Klare: "Sind deren Aggressionen dann plötzlich weg?" Die CDU-Vertreter Daniel Sander (35) und Siegfried Lorek (32) – der Polizist ist – beharren auf dem Erfolg des Verbots: Weniger Massenschlägereien, konstante statt steigende Probleme.

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Alle finden, Freiburg sei zu schlecht mit Polizei ausgestattet. Daniel Sander wünscht sich einen "Gemeinde-Ordnungsdienst", der für "mehr Nachtruhe für die Bürger" sorgen soll – da kommen die Vertreter der anderen Parteien in Rage: "Da kriege ich rote Pusteln im Gesicht", schimpft Sascha Fiek, diese Idee sei "an der Grenze des Rechtsstaats", bekräftigt Hartmut Hanke, dadurch würde die Situation eskalieren, sagt Kai-Achim Klare. Weit auseinander klaffen auch die Positionen zu den Freiburger Finanzen. Stefan Schillinger ärgert sich, weil immer der Eindruck vermittelt werde, Schulden seien das Einzige, was – Stichwort "Generationengerechtigkeit" – den Jüngeren gegenüber unfair sei: "Dass zum Beispiel ein Viertel der Migrantenkinder die Schule ohne Hauptschulabschluss verlässt, ist beschämend und wird viel teurer für uns als die Zinsen für Schulden." Beide SPD-Vertreter halten nichts vom "Kaputt-Sparen" der vergangenen Jahre, die anderen wollen das Sparen deutlich ausweiten: Ob mit einer Streichung der Unterstützung für die alternativ-autonome KTS (Daniel Sander) oder beim Theater und dem Ausbau der Stadtbahnlinien (Sascha Fiek).

Autor: Anja Bochtler