Kein Geld mehr für Klimaschädlinge

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 21. Juni 2017

Freiburg

VEREINT IM VEREIN: Die Freiburger "Fossil free"-Gruppe ist Teil einer internationalen Bewegung und vor Ort bisher erstaunlich klein.

HERDERN. Sie wollen sich nicht abfinden mit einer Welt, die durch den Klimawandel für viele Menschen immer unbewohnbarer wird – darum kämpfen die Mitglieder der Freiburger "Fossil free"-Gruppe gegen Investitionen in die umwelt- und klimaschädlichen Brennstoffe Ko

hle, Öl und Gas. Damit sind sie Teil der weltweit wachsenden Fossil-free-Bewegung, setzen aber Akzente in Freiburg: Die Stadtverwaltung, das Erzbistum und die Uni sollen sich ihnen anschließen, ist ihre Forderung. Vor allem von der Uni sind sie enttäuscht.

Für eine sehr stark von den Grünen geprägte Stadt wie Freiburg sind sie bisher erstaunlich wenige: Nur sieben Leute engagieren sich kontinuierlich in der einzigen Freiburger "Fossil free"-Gruppe – überwiegend Studierende. Doch es schauen immer wieder Interessierte im Förstercafé der Uni in der Tennenbacherstraße 4 vorbei. So wie Johanna Doliwa (35), die Ärztin ist, und Florian Schulte (31), der Medizin studiert hat und sich beim Masterstudium in Basel auf Klimawandel und Gesundheit spezialisiert. Er ist sehr besorgt um die Zukunft der Menschen vor allem in sozial benachteiligten Ländern: Der Klimawandel führe zu immer mehr Naturkatastrophen wie Überflutungen und Dürre, warnt er. Doch auch in Deutschland werde es durch die zunehmenden Hitzewellen gefährlicher für Ältere und Kranke.

Mit diesen Themen sind die beiden Neuen genau richtig bei Lennart Lisy (19), Esther Rust (22) und Alina Hilzinger (22), die Umwelt- und Naturwissenschaften studieren, Christian Hauenstein (26), dessen Studiengang erneuerbare Energien ist, und Tamara Nausner (23), die Waldwirtschaft und Umwelt studiert. Angefangen hatte es mit einer Anfrage von Greenpeace an die Uni im Sommer 2014, erinnert sich Christian Hauenstein, der sich auch bei Greenpeace engagiert hat: Es ging darum, zu klären, ob die Uni Geldanlagen hat, die Kohle, Öl oder Gas unterstützen. Im Herbst 2014 gründete sich dann die "Fossil free"-Gruppe an der Uni, die aber ausdrücklich für alle offen ist. Wo die Stiftungsgelder, die von der Uni verwaltet werden, angelegt sind, hat sich auch drei Jahre später noch nicht geklärt. "Wir bekamen bisher keine Infos und keine Einsicht in die Anlage-Richtlinien", sagt Christian Hauenstein.

Das finden sie deshalb besonders absurd, weil die Uni sich öffentlich als "Nachhaltigkeits-Uni" präsentiere und die Studierenden – zu denen sie gehören – die größte Gruppe an der Uni seien. Darum verliehen sie ihren Negativ-Preis "Größtes Klimafossil" im Frühling an die Uni. Überreichen konnten sie ihn immer noch nicht, der Rektor Hans-Jochen Schiewer habe ausrichten lassen, dass er den ganzen Sommer keine Zeit habe. Generell ist die Uni natürlich nur einer von vielen Ansprechpartnern. Ziel ist, denen, die mit klimaschädlichen Brennstoffen Geld verdienen, langfristig möglichst viel Unterstützung zu entziehen. "Divestment", das Gegenteil von Investieren, ist das Schlagwort. Als Erstes konzentrieren sie sich auf große Institutionen, um das Thema öffentlich zu verankern. "Wir können Druck aufbauen", ist Christian Hauenstein überzeugt. Auch die Stadtverwaltung habe sich bisher nicht der "Fossil free"-Bewegung angeschlossen, kritisieren sie: Es werde argumentiert, die Stadt habe ohnehin kein Geld zum Anlegen. Aber was wäre, wenn sich das ändert? Andere Städte wie Stuttgart seien "Fossil free" beigetreten, sagt Esther Rust. Anderswo hätten die Grünen das Thema übernommen, ergänzt Christian Hauenstein. In Freiburg dagegen sei das Erzbistum am aufgeschlossensten: Dort würden die Anlagekriterien derzeit überprüft, man sei im Gespräch miteinander.