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14. Januar 2012

"Kirchenasyl in den Diskurs bringen"

BZ-INTERVIEW mit dem ESG-Pfarrer Michael Philippi.

  1. Michael Philippi Foto: Thomas Kunz

Es ist der letzte Schritt im Schutz vor Abschiebung: Kirchenasyl ist in Freiburg immer wieder Thema. Einst unterstützte die Katholische Hochschulgemeinde (KHG) ein Geschwisterpaar, vor sechs Jahren bot die evangelische Friedensgemeinde der damals siebenköpfigen Roma-Familie Denaj viereinhalb Monate Zuflucht. Jetzt hat Michael Philippi (52), seit zweieinhalb Jahren Pfarrer der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG), im Semesterthema Flucht und Migration einen "Runden Tisch Kirchenasyl" gestartet. Anja Bochtler sprach mit ihm über den Auftakt.

BZ: Haben Sie selbst irgendwelche Erfahrungen mit Kirchenasyl?
Philippi: Jein. Ich kenne die Situation von Flüchtlingen gut, denn ich war lange Gefängnis-Seelsorger in Frankfurt, eine Zeitlang auch in der Abschiebehaft in Offenbach, und habe im Pfarrhaus in Frankfurt einige Zeit mit bosnischen und kurdischen Flüchtlingen zusammengelebt. Auch das Kirchenasyl der Familie Denaj in der Friedensgemeinde habe ich mitverfolgt, das Thema ist sehr wichtig. Der Runde Tisch soll es wieder mehr ins Bewusstsein der Gemeinden bringen.

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BZ: Haben Sie derzeit schon Menschen im Blick, die ein Kirchenasyl brauchen?
Philippi: Die Erwartungen beim Auftakt waren sehr gemischt. Diejenigen, die – wie das "Südbadische Aktionsbündnis gegen Abschiebung", die "Aktion Bleiberecht" oder eine Gruppe Studierender bei der ESG – konkret mit Flüchtlingen arbeiten, suchen Perspektiven, wenn zum Beispiel ein Härtefallantrag abgelehnt wird. Auch eine katholische Pastoralreferentin kam, sie kennt eine Frau, deren Aufenthaltsstatus kippt. Wir wollen aber erstmal inhaltlich und organisatorisch vorbereitend arbeiten, beim schwierigen Thema Kirchenasyl ist zu spontanes Gutmenschentum für alle Beteiligten schwierig.
BZ: Was sind wichtige Voraussetzungen?
Philippi: Zum einen geeignete Räume. Die ESG hat keine Kirchenräume, es müsste sich eine Gemeinde finden. Und Menschen mit großer Bereitschaft, sich zu engagieren, Durststrecken durchzustehen, mit Misserfolgen zu rechnen, auch wenn mehr als 70 Prozent der Fälle positiv enden. Ich kenne aus der Abschiebehaft, dass Menschen unter solchen Bedingungen trotz ihrer großen Angst resignieren und sagen: Schiebt mich ab, so kann ich nicht weiterleben. Wir müssen früher ansetzen, uns für menschlichere Bleiberechtsregelungen einsetzen. Aber damit befassen sich zu wenige.
BZ: Erwarten Sie, dass die grün-rote Landesregierung die Lage verbessert?
Philippi: Wieder ein jein. Ich hoffe natürlich, dass sich etwas tut, auch wenn in den sieben Jahren mit rotgrüner Bundesregierung nicht viel passiert ist. Der Verwaltungsapparat ist immer auch eine Macht für sich, Veränderungen dauern sehr lange. Zumindest wurden die Abschiebungen von Roma bis zu einer Prüfung der Lage im Kosovo unterbrochen, mal sehen, wie es nun weitergeht.

Autor: anb