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30. Juni 2009
Krankheit gilt als Strafe
Die deutsche Cleft-Kinder-Hilfe in Freiburg hilft Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
In Deutschland sind sie fast nie zu sehen, geboren werden sie aber überall: Eines von 500 bis 800 Kindern kommt mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zur Welt. Sie können operiert werden, bekommen aber in vielen Ländern kaum Hilfe. Seit sieben Jahren unterstützt die deutsche Cleft-Kinder-Hilfe, die sich nach dem englischen Wort "cleft" (Spalte) nennt, von Freiburg aus die Behandlung von Kindern weltweit. Da kommt ein 100 000-Euro-Scheck von "Sternstunden", einer Benefizorganisation des Bayerischen Rundfunks, sehr gelegen.
Sie hat an 18 verschiedenen Orten operiert, manchmal auf 4000 Metern Höhe und in Gegenden, die nur mit dem Pferd zu erreichen sind – und dabei war das anfangs alles gar nicht geplant. Als es die Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Ulrike Lamle nach Peru verschlug, weil ihr Mann dort arbeitete, begegnete sie deutschen Chirurgen, die für kurze Zeit zum Operieren von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten ins Land gekommen waren. Solche Kinder fallen nicht nur äußerlich auf, sondern haben auch Probleme beim Trinken, Schlucken, Hören und Sprechen.Ulrike Lamle beteiligte sich an der Kampagne der Ärzte, gewann aber schnell das Gefühl, dass solche kurzfristigen Aktionen nicht genügen. Darum baute sie von Lima aus mit fünf peruanischen Chirurgen die Organisation "Qorito" (kleines Kind) auf. So konnten seit 2006 insgesamt 1000 Kinder operiert werden. Mittlerweile lebt Ulrike Lamle wieder in Deutschland und koordiniert die Arbeit von hier aus aus und schaut einmal im Jahr vor Ort vorbei. Für die finanziellen Grundlagen des Aufbaus von "Qorito" sorgte die deutsche Cleft-Kinder-Hilfe in Freiburg mit Sitz in der Stühlinger Straße. Und die wiederum bekam nun Unterstützung für Medikamente und medizinische Geräte aus Bayern. "Sternstunden", die seit 16 Jahren bestehende Benefizorganisation des Bayerischen Rundfunks, hat in diesem Jahr rund zehn Millionen Euro an bundesweit 176 Projekte verteilt.
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Alexander Gross, der Geschäftsführer der Deutschen Cleft-Kinder-Hilfe, ist immer auf der Suche nach Spendern und Sponsoren. Mehr als die Hälfte des Gelds, das er auftreibt, stammt von Einzelspendern, der Rest unter anderem von Stiftungen. Als Alexander Gross den Verein 2002 gemeinsam mit einem Mund-Kiefer-Gesichtschirurg gründete, gab’s zuerst nur Kontakte nach Indien, mittlerweile wird mit mehreren Ländern zusammengearbeitet – unter anderem Peru. Dort bekommen die beteiligten Ärzte für jede Operation 320 US-Dollar. Das ist nötig, weil sie bei ihrer regulären Arbeit so schlecht verdienen, dass Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten sonst keine Chance auf eine Behandlung haben.
Und das Leben der Kinder in Peru ist hart, erzählt Ulrike Lamle: Meist würden sie von ihren Familien versteckt, weil die sich schämen. Es gebe die unterschiedlichsten Erklärungen für die Krankheit, von denen viele davon ausgehen, sie sei eine Strafe für schlechtes Verhalten. Da sei es oft mühsam, die Eltern der Kinder zu überzeugen, dass eine Operation ihrem Kind helfen kann. Und als erstes müssten die Kinder überhaupt gefunden werden: Meist gelinge das Sozialarbeitern, die durch die Dörfer ziehen, gebrauchte Kleidung verteilen und dabei mit den Menschen ins Gespräch kommen.
Informationen gibt es www.cleft-kinder-hilfe.de, 0761/1379760
Autor: Anja Bochtler
