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12. April 2013

Initiative "Essbares Rieselfeld"

Kraut und Rüben im Rieselfeld - "Urban Gardening" sucht Mitstreiter

Urbanes Gärtnern gibt’s auch in Freiburg: Die Initiative "Essbares Rieselfeld" pflanzt am Samstag – und sucht noch Freiwillige.

  1. Wollen gemeinsam pflanzen, damit alle ernten können: Die Mitglieder von „Essbares Rieselfeld“ und Geneviève Zuber (dritte von rechts) Foto: Schneider

Salatköpfe mitten in der Stadt: Was es in Berlin und New York schon lange gibt, ist nun auch in Freiburg möglich. "Urban Gardening" heißt der neue Trend – gemeinsames Pflanzen auf öffentlichen Flächen, die die Stadt Freiburg freigegeben hat. Auch die Initiative "Essbares Rieselfeld" will ein Zeichen setzen. Gemüse gegen die Krise ist ihr Motto. Am Samstag startet die Gruppe die erste Pflanzaktion im Stadtteil Rieselfeld. Ernten kann und soll jeder.

"Die Idee ist ein bisschen verrückt", gibt die Initiatorin von Essbares Rieselfeld, Geneviève Zuber, zu. Ein Film über Agrarökologie gab den Anstoß, vor allem aber das Beispiel der Stadt Todmorden. Die hat sich als erste Stadt Englands komplett mit selbst angebauten Lebensmitteln versorgt – und bekam so dank gewachsenen Gemeinschaftsgefühls obendrein Kriminalität und soziale Probleme in den Griff. "Incredible Edible" nennt sich das Programm, das übersetzt soviel wie "unglaublich essbar" bedeutet.

Das Vorhaben hat weltweit Nachahmer gefunden. Nun ist das Projekt über Frankreich medienträchtig in Freiburg angekommen: Ein Arte-Fernsehteam begleitete den französischen Aktivisten François Rouillay, der seine Incredible-Edible-Idee in Freiburg mit einer Pflanzaktion einführte. Mittlerweile hat sich eine etwa 20-köpfige Gruppe gefunden, auch eine Schulklasse hat ihre Hilfe angekündigt.

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Gärtnern neben dem Fußballfeld

Doch was steckt noch hinter der Lust am Gärtnern und Verteilen? "Wir wollen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, so dass sie lernen, woher unser Essen kommt", erklärt Zuber. Wichtig sei auch, die regionale Landwirtschaft zu stärken, Transportwege zu vermeiden, aber vor allem soziale Aspekte wie das gemeinsame Gärtnern. Bei der ersten Pflanzaktion diesen Samstag ab 14.30 Uhr hofft Zuber auf weitere Freiwillige: Gepflanzt werden soll im Stadtteil Rieselfeld, auf ungefähr 200 Quadratmetern zwischen dem Fußballfeld des Kepler-Gymnasiums und dem Stadtteilpark. Das öffentliche Grundstück hat das Garten- und Tiefbauamt zur Verfügung gestellt, und so einen legalen Rahmen für die Aktion geschaffen. Denn Guerilla Gardening, das Bepflanzen von öffentlichen Flächen zur Verschönerung oder zum Nahrungsanbau, ist ohne Genehmigung verboten (siehe Infobox).

Doch das Garten- und Tiefbauamt bündelt im Projekt "Freiburg packt an" auch Gärtneraktionen. "Kraut und Rüben" nennt sich das neue Programm, für das im Stadtgebiet elf Flächen festgelegt wurden – von St. Georgen bis Günterstal, von Zähringen über den Colombipark bis Littenweiler. "Wichtig war uns, die Flächen in die Wohnquartiere zu holen. Gleichzeitig müssen wir unterschiedlichen Nutzeransprüchen gerecht werden, denn Parkanlagen erfüllen nicht nur den Zweck, Flächen für Urban Gardening zu sein", erklärt der stellvertretende Leiter des Garten- und Tiefbauamts, Martin Leser.

Neben "Essbarem Rieselfeld" gibt es Projekte im Eschholzpark im Stadtteil Stühlinger. Auch in Vauban und Zähringen, auf dem Dietenbachgelände und vor dem Theater Freiburg haben sich Interessierte zusammengefunden. Wichtig ist Leser der Dialog mit den Gärtnern: Die Gruppe "Essbares Rieselfeld" durfte sich zum Beispiel ein anderes Gelände als das vorgesehene aussuchen. Und auch andere Absprachen müssen beim Urban Gardening eingehalten werden, beispielsweise ist der Garten offen für alle: "Es kann sein, dass zehn Leute sich um fünf Quadratmeter gelbe Rüben und 50 Salatköpfe gekümmert haben und ein anderer erntet", erklärt Leser. Außerdem dürfen auf der Fläche weder Hütten noch Zäune gebaut werden, auch Bäume zu pflanzen ist ohne Absprache tabu. Doch grundsätzlich sieht man den Trend bei der Stadt positiv: "Da findet viel Gemeinschaftsbildendes statt. Deshalb finden wir das auch ganz spannend", sagt Leser.

"Essbares Rieselfeld" startet die Pflanzsaison am Samstag, 13. April ab 14.30 Uhr am Feld beim Kepler-Gymnasium. Mitbringen: Gartenwerkzeug, Pflanzen oder Samen. Infos unter Tel. 0761/4002224 (Klaus Kempff), E-Mail: info@essbaresrieselfeld.de.

Infos zum Urban Gardening gibt’s auch bei "Freiburg packt an", Tel. 0761/2014712.

GUERILLA GARDENING

Den Begriff "Guerilla Gardener" nahm eine kleine New Yorker Gruppe für sich in Anspruch, die illegal auf verlassenen Grundstücken gärtnerte. Auch in London und Berlin bildeten sich in den 1980er und 90er Jahren Gruppen, die heimliches Pflanzen als Form politischen Protests und zur Stadtverschönerung entdeckten. Eine weltweite Bewegung wurde das Guerillagärtnern 2000 – auch durch Richard Reynolds, der mit dem Blog http://www.guerrillagardening.org eine Plattform bot. "Essbare Städte" sind eine der vielen Arten des Guerilla Gardening, die sich zum urbanen Gärtnern weiterentwickelt haben und oft von den Kommunen unterstützt oder selbst initiiert werden.  

Autor: ywe

Autor: Anita Fertl