Alle Jahre wieder

Freie Wähler kritisieren Vergabe von SC-Freikarten an Stadträte

Christian Engel

Von Christian Engel

Mi, 25. April 2018 um 11:23 Uhr

SC Freiburg

Jede Saison bekommt die Stadt Freiburg 35 Dauerkarten vom Sportclub gestellt – als Teil des Pachtvertrags für das städtische Stadion. Nun wollen die Freien Wähler die Vergabe neu regeln.

Ein Thema taucht in Freiburg regelmäßig und zuverlässig auf: Alle vier, fünf Jahre geht es um die Vergabe von SC-Tickets an Gemeinderäte. Die Stadtverwaltung bekommt zu jeder Saison vom Sportclub 35 Dauerkarten. Davon gehen je eine an die vier Bürgermeister, den Oberbürgermeister, das Sportreferat und der Sportkreis, vier sind für Gäste der Stadt reserviert, 24 Tickets erhalten die Fraktionen des Gemeinderats entsprechend ihrer Größe.

Können Stadträte noch unbefangen entscheiden?

Die Dauerkarten sind Teil des Pachtvertrags fürs städtische Stadion, der 1996 geschlossen wurde. Seit dem Nachvertrag, der aus dem Jahr 2000 datiert, gilt diese Regelung – seitdem haben Fraktionen sich mit der Kritik dazu immer wieder abgewechselt.

Die Hauptkritik ist, dass Stadträtinnen und Stadträte bei einem solchen Geschenk (großteils VIP-Tickets mit einem Wert zwischen 160 und 177 Euro pro Spiel) befangen sein könnten; sie entscheiden schließlich auch über Dinge, die den SC betreffen, beispielsweise über den Bau eines neuen Stadions. 2005 gibt die SPD ihr Kontingent zurück, 2010 lehnt die Grüne Alternative die Tickets ab, 2014 zieht Freiburg Lebenswert nach – jetzt sind die Freien Wähler an der Reihe: Sie fordern eine neue Handhabung der Dauerkarten. Die SPD, die seit der ersten Ablehnung vor 13 Jahren zwischendurch doch wieder ganz gerne umsonst ins SC-Stadion gegangen ist, bittet nun ebenso um die "Thematisierung im Ältestenrat".

Der Vorschlag der Freien Wähler sieht so aus: Keine Vergabe mehr von Tickets an die einzelnen Fraktionen; das Kontingent für Stadträte soll zentral verwaltet werden; wer eine Karte will, muss dies frühzeitig anmelden; Tickets gibt es gegen Bezahlung des regulären Preises.

"Ich weiß nicht, was die Freien Wähler da reitet."CDU-Stadtrat Berthold Bock
Andere Parteien halten die Vorstöße der Freien Wähler und der SPD für wenig sinnvoll. Berthold Bock von der CDU weiß nicht, "was die Freien Wähler da reitet". Er sieht keine Notwendigkeit für das Thema, findet es jedoch wichtig, "dass nur gewählte Gemeinderäte die Tickets nutzen und diese nicht an ihre Freunde weitergeben".

Eine Beeinflussung finde nicht statt, sagt Timothy Simms von den Grünen, der die SC-Dauerkarte gerne nutzt, dann auf der Haupttribüne in der ersten Reihe sitzt. Da sieht er manchmal wegen diverser Sichtbehinderungen die Fußballspieler nicht – und das Thema im Allgemeinen auch nicht: "Es ist sowieso endlich, weil die Regelung mit dem neuen Stadion wegfällt."

"Es ist sowieso endlich, weil die Regelung mit dem neuen Stadion wegfällt."Grünen-Stadtrat Timothy Simms
Für das neue Stadion, dessen Inbetriebnahme laut städtischem Pressereferat für 2020 vorgesehen ist, ist eine Regelung noch zu klären. Der aktuelle Vertrag läuft bis Sommer 2019, muss dementsprechend verlängert werden – die Chance für eine Neuregelung wäre gegeben, zumindest für eine mit kurzer Dauer.

Die Fraktion Freiburg Lebenswert begrüßt den Vorstoß der Freien Wähler. Seit 2014 lehnt sie die ihr zustehenden SC-Tickets ab. Stadtrat Wolf-Dieter Winkler sagt, man könne bei solch einem hohen Gegenwert nicht mehr unabhängig sein.