Landtagsfraktion der Grünen auf Tuchfühlung mit den Wählern

Yvonne Weik

Von Yvonne Weik

Do, 09. Januar 2014

Freiburg

Beim Bürgerdialog der Grünen-Landtagsfraktion in Munzingen wurde diskutiert – auch mit dem Ministerpräsidenten.

Wann gibt es schon mal die Möglichkeit, mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann persönlich ins Gespräch zu kommen? Beim Bürgerdialog der Grünen-Landtagsfraktion am Dienstagabend in der Schlossbuckhalle Munzingen. Dort wartete nicht nur der Ministerpräsident auf Gesprächspartner, sondern auch alle seine Ministerinnen und Minister. Die Chance zum politischen Austausch im Stehen nutzten rund 300 Bürgerinnen und Bürger – darunter auch einige Bürgermeister.

Übersehen kann man sie nicht, die vielen knallgrünen Stehtischinseln in der Munzinger Mehrzweckhalle. Über ihnen schweben Luftballons – auch grün – mit Pappschildern: Bildung, Soziales, Umwelt, Integration, Verkehr. Verkehrsstaatssekretärin Gisela Splett wird an ihrem Tisch von diskussionsfreudigen Bürgerinnen und Bürgern umlagert. Es geht um den Falkensteigtunnel. Da will auch Harald Reichenbach, Bürgermeister von Buchenbach, mitdiskutieren. "Normalerweise kommt man an einen Termin überhaupt nicht ran", sagt er.

Noch schwieriger ist das beim Ministerpräsidenten. Doch in Munzingen steht Winfried Kretschmann locker vorne in der Halle, zwischen zwei seiner Mitarbeiter, im Hintergrund die Männer des Sicherheitspersonals. Schon zu Beginn der Veranstaltung ermunterte Uli Sckerl, der parlamentarische Geschäftsführer, alle Besucher: "Haben Sie keine Berührungsängste. Winfried Kretschmann ist das gewohnt, er liebt das Bad in der Menge."

Diskussionen

am Stehtisch

Rupert Niewiadomski hat die Chance genutzt: Gemeinsam mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich der Geschäftsführer der katholischen Sozialstation als einer der Ersten bei Winfried Kretschmann positioniert. Das Anliegen: die Übergabe der 50 000 Unterschriften für eine faire Bezahlung in der häuslichen Pflege. Bisher habe man vergeblich auf eine Reaktion aus Stuttgart gewartet. "Die Enttäuschung war groß", sagt Niewiadomski. Doch im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten sei alles einfacher: "Er hat uns einen Termin in Stuttgart zugesagt."

Mitten im Gewimmel steht die Hausherrin des Abends, Fraktionschefin Edith Sitzmann. In Munzingen hat sie als Abgeordnete des Wahlkreises Freiburg-West ein Heimspiel. Bis Donnerstag sind die 36 Abgeordneten der Grünen-Landtagsfraktion zu ihrer jährlichen Winterklausur am Tuniberg zu Gast. Seit vier Jahren, erzählt Sitzmann, gehört der Bürgerdialog mit zum Programm. Und warum ausgerechnet in Munzingen? "Wir wollten die Leute rund um den Tuniberg erreichen", sagt Sitzmann. Statt Konzerthausatmosphäre lieber Munzinger Mehrzweckhalle.

Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz freut sich über hohen Besuch: am Montag Oberbürgermeister Dieter Salomon beim Munzinger Neujahrsempfang, am Mittwoch Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Bürgerdialog. Damit der nicht zu kurz kommt, werden die Ansprachen und Grußworte im ersten Teil knapp gehalten. "Wir wollen kein stundenlanges Vortragen", erklärt Edith Sitzmann. Sie hält sich dran, und auch OB Dieter Salomon spricht nur ein kurzes Grußwort – darin verpackt er durchaus auch Kritik an seinen Parteigenossen: "Es kann nicht sein, dass wir auf den sechs Windrädern hängen bleiben, die wir Erwin Teufel abgetrotzt haben. Wir brauchen mehr."

Mehr Schwung für die Energiewende wünscht sich auch Silke Eisfeld von Winfried Kretschmann. Und das will sie ihm persönlich sagen. Um 21.30 Uhr wird der Ministerpräsident immer noch umlagert. "Bürgerdialog ist der richtige Weg, auch wenn das Stress macht", sagte er in seiner Ansprache. Silke Eisfeld wartet geduldig als Letzte in der Schlange, während SC-Präsident Fritz Keller Kretschmann die Hand schüttelt. "Ich will ihm auch gratulieren, dass wir den Nationalpark endlich haben", sagt Eisfeld. Sie ist Grünen-Mitglied und kandidiert für den Gundelfinger Gemeinderat. Der Abend in Munzingen hat ihr gut gefallen: "Die nehmen einen ernst und hören zu."

Larissa Hässler (12) aus Munzingen hat es sich mittlerweile einer Brezel am Rand der Halle bequem gemacht. Von dort beobachtet sie, wie ihre Eltern im dichten Gedränge am Stehtisch immer noch munter diskutieren. Will sie selbst nicht auch mitreden? Larissa schüttelt den Kopf: "Das überlasse ich heute den Erwachsenen." Auch die Warteschlange beim Ministerpräsidenten ist ihr zu lang. Außerdem, erzählt sie, hat sie ihm ja schon mal die Hand geschüttelt. Eines würde sie den Politikern aber doch gerne sagen: "Dass sie das G8 nicht noch schwieriger machen."