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14. Januar 2012
Lebenswichtiger Einsatz
Am Donnerstagabend ging die Aktion "Südbaden hilft" für Haiti nach zwei Jahren zu Ende.
Einiges war klar bei der Abschlussveranstaltung des Bündnisses "Südbaden hilft" am Donnerstagabend im SWR-Studio: Die Unterstützung mit 528 000 Euro für 400 Kinder und 160 Alte und Menschen mit Behinderung im "Asile Vincent de Paul" in Léogane ist angesichts des riesigen Elends in Haiti nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber sie ist lebenswichtig für die, bei denen sie ankommt. Es gäbe noch unendlich viel zu tun. So ist es ein kleiner Trost, dass nach dem Abschluss des Projekts mit Caritas International zumindest einer der vier Bündnispartner dran bleibt.
Für manche war es der erste größere Einsatz: Jennifer Huber (13), Jasmina Huag (17) und Luca Leupolz (19) gehören zu den zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die sich – neben vielen erwachsenen Spendern – einiges einfallen ließen, um an Geld zu kommen. Sie schippten Schnee, reparierten Räder und Autos auf dem Schulhof, verkauften selbst gemachte Plätzchen und Kerzen oder Teelicht-Ständer und Servierbretter auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt.Dass sich so viele für Haiti ins Zeug legten, lag auch daran, dass sie den bewährten Hilfsstrukturen vertrauten, die es nach dem Erdbeben vor zwei Jahren zum Glück schon gab: Bereits nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 hatten sich Caritas International, die Stadt Freiburg, der Südwestrundfunk und die Badische Zeitung zu einem Hilfsbündnis zusammengetan. Das lebte wieder auf, als im Januar 2010 ein Ausmaß an Not begann, das auch für an Katastrophen gewohnte Beobachter unvorstellbar gewesen war. Nie zuvor habe er ein derart desolates Staats- und Gemeinwesen erlebt, bilanziert Caritas-Präsident Peter Neher. Mit Vertretern der drei anderen Bündnispartner war er im vergangenen Sommer in Léogane – einer Stadt, die ähnlich groß wie Freiburg, aber eigentlich nicht mehr existent ist, schildert der stellvertretende BZ-Chefredakteur Thomas Fricker.
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Alles war bedrückend, sagt Oberbürgermeister Dieter Salomon: Ruinen und Plastikplanen, in denen Menschen leben müssen, Ratten, Müll, Gestank. Da war das "Asile Vincent de Paul" wie eine Insel, die Helfer wurden dort mit Jubel empfangen, berichtet SWR-Redakteur Harald Kiefer. Mit Unterstützung der Spenderinnen und Spender werden hier 452 Kinder ausgebildet. Sie bekommen Perspektiven in einem Land, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht lesen und schreiben kann. Und sie werden zwei mal am Tag mit Essen versorgt.
Das Besondere des Projekts ist, dass es sich gleichzeitig noch an 160 Alte und Menschen mit Behinderung richtet, die ansonsten völlig an den Rand gedrängt wären. Ziel der weiteren Unterstützung von Caritas International wird sein, dass das "Asile Vincent de Paul" unter der Leitung der engagierten Schwester Claudette irgendwann wieder ohne Hilfe von außen zurechtkommt, sagt Oliver Müller, Chef von "Caritas International": genau so, wie es war, bevor das Erdbeben wesentliche Strukturen zerstört hat. Bis dahin gibt es noch vieles zu klären. Obwohl das Bündnis "Südbaden hilft" mit seiner speziellen Kombination aus breitem Engagement und Berichterstattung längerfristige Hilfe bieten will, zieht es sich nach zwei Jahren nun zurück. Es werde immer schwieriger, in schnelllebigen Zeiten kontinuierliche Projekte am Leben zu erhalten, bedauert Thomas Fricker. Doch das Bündnis kann sich neue Einsätze in anderen Situationen vorstellen.
Autor: Anja Bochtler


