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03. August 2012

LEUTE

  1. Hans Wilhelm Schlegel zu seinen Astronautenzeiten 2008 Foto: ESA

Besuch aus dem All

Woran erkennt man einen Astronauten? Im All kein Problem, aber auf der Erde? So mancher Pflanzenbiologe suchte am Mittwoch zunächst vergeblich den Stargast des Abends in der Rothausarena – irgendwann kletterte Hans Wilhelm Schlegel dann doch auf die Bühne und präsentierte sich den momentan zum größten europäischen Kongress ihrer Zunft in Freiburg versammelten Wissenschaftlern. Ein eher unauffälliger, netter 62-jähriger Herr mit Brille, das Haar schon schütter, den leichten Bauchansatz hatte er wahrscheinlich bei seinen Space Shuttle-Flügen 1993 und 2008 auch nicht mit ins All geschleppt – aber immerhin mit ein paar bunten Raketen auf der blauen Krawatte. Rund 900 Pflanzenforscher aus aller Welt haben sich auf Einladung ihrer Freiburger Kollegen Heinz Rennenberg und Ralf Reski diese Woche im Breisgau versammelt. Es gibt viel zu besprechen. Schließlich sind die Fachleute momentan besonders gefragt, weil sie der Welt helfen soll, sich durch neue und bessere Pflanzen auf Herausforderungen wie Klimawandel, Nahrungsmangel und Energiekrise einzustellen – der Traum vom Biosprit ist zumindest unter Pflanzenforschern noch nicht ausgeträumt. Als Gastredner beim Conference Dinner sollte Hans Wilhelm Schlegel am Mittwoch den Wissenschaftlern helfen, noch weiter nach den Sternen zu greifen, und ein bisschen außerirdische Stimmung verbreiten. Schließlich widmete sich die Konferenz einen ganzen Tag lang der Pflanzenforschung im All. Dabei ging es nicht nur darum, wie sich Moose und Konsorten in der Schwerelosigkeit verhalten – das Hornkraut ist auch als biologisches Abwasserreinigungssystem für eine zukünftige Marsmission im Gespräch. Schlegels Vortrag war zu entnehmen, wie schwer solche Reisen für Mensch und Grünzeug werden könnten. Rechts, links, oben, unten – weil solche Richtungsmarken in der Schwerelosigkeit fehlten, bewege sich der Mensch zunächst tapsig wie ein junger Hund durchs Raumschiff, erzählte der Physiker und schwärmte von dem Blick gen Heimatplanet aus dem Shuttle-Fenster. Ein Pflanzenbiologe wird all dies in absehbarer Zeit aber kaum erleben – die nächste Marsmission steht noch in den Sternen.

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Autor: mich